Die ersten Anzeichen

Die Herzdame ist nicht nur deutlich jünger als ich, sie sieht auch jung aus. Es ist noch keine drei Jahre her, da mußte sie dem Türsteher eines Nachtclubs noch ihren Personalausweis zeigen, um in das Lokal zu kommen, was mich natürlich ungeheuer amüsierte. Ich habe mir damals sicherheitshalber auch noch einmal ihren Ausweis angesehen. Um so verständlicher ihr Entsetzensschrei, als sie die Probe ansah, die ihr eine offensichtlich schlecht gelaunte Verkäuferin in einer Parfümerie am Sonnabend zu ihren Einkäufen gesteckt hatte. Statt der üblichen Duftprobe gab es da eine Minicremedose, auf der in aller Klarheit zu lesen war: „Bei den ersten Anzeichen alternder Haut“. Den Rest des Tages verbrachte die Herzdame im Badezimmer, intensiv mit der Wirkung verschiedener Lichtquellen auf ihren Teint experimentierend, während ich beruhigend auf sie einredete, ihre jugendliche Frische pries und die Probe wohlweislich für eigene Zwecke entwendete.

Das muß großartig sein, wenn man, wie diese Parfümverkäuferin, einen Job hat, in dem man schlechte Laune, Aggressionen und allgemeinen Welthaß an seinen Kunden austoben kann. Man verteilt einfach ein paar Mittelchen gegen vorzeitige Hautalterung, Augenringe, Krähenfüße oder zur Verdeckung von Narben und Hautunreinheiten willkürlich an beliebige Damen und kann sicher sein, seine Stimmung optimal gestreut zu haben. Faszinierende Vorstellung.

Es hat schon deutliche Nachteile, wenn man nur einen Bürojob hat, ganz ohne Publikumsverkehr.

3 Kommentare

  1. Frau sollte das einfach positiv sehen: man kann wirklich nicht früh genug mit der ultimativen Reife-Pflege anfangen. Wenn man meint, dass es nun der langsam passende Zeitpunkt wäre, ist die Sache eh schon gelaufen. Hätte mir mal ne Douglas Tussie vor 10 Jahren eine Hals-Pflege für „hoppla, wo kommt denn plötzlich das tiefe Faltenmeer her“ ins tütchen gesteckt.. und hätte ich es genutzt… naja… aber diese Klugheit kommt ja immer erst zusammen mit den Kratern. Denkt an meine Worte, Mädels! 🙂

  2. Daggi, das bestätigt meine Vermutung, daß diese Art der Kundenbeleidigung zum Standardrepertoire gehört. Wahrscheinlich werden sie darauf geschult. Andrea, du hättest der Verkäuferin vor zehn Jahren schlicht den Hals umgedreht, so gut kenne ich Dich dann doch.

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