Heute Heimatkunde

In der S-Bahn unterhielt sich neben uns ein Paar, das offenkundig gerade in der Kennenlernphase war, denn wir hörten, wie er zu ihr sagte: „Ich komme ja eigentlich aus Kaiserslautern“. Was sie nach etwas Nachdenken beantwortete mit „Tut mir leid, aber ich kenne in Bayern nur München, sonst fällt mir da gar nichts ein.“ Er guckte sie einigermaßen irritiert an und stellte dann klar: „Kaiserlautern ist nicht in Bayern“, was ihr dann doch peinlich war, so daß sie entschuldigend anfügte: „Oh, das tut mir leid, aber ich kann mir bei diesen Orten da unten nie merken, welche in Bayern und welche in Österreich liegen.“

Ich nahm diesen Dialog natürlich sehr erheitert zur Kenntnis, denn ich konnte dank profunder Allgemeinbildung Kaiserslautern sofort vollkommen souverän Hessen zuordnen, wobei ich mich auch von der Herzdame nicht irritieren ließ, die, wie sie mir beim Aussteigen erläuterte, eher für Baden-Württemberg war. Erst als wir beim Spargelessen unserem Freund Joachim von dem Gespräch in der S-Bahn erzählten und er, der in Deutschland schon fast überall gewohnt hat, überzeugend klarstellte, daß Kaiserlautern natürlich im Saarland liege, kam ich doch ins Grübeln, denn er mußte es ja wissen. Eigentlich. Und als ich am Abend dann Google befragte und die überraschende Wahrheit herausfand, habe ich wieder einmal gedacht, daß ich mir diesen völlig unbekannten Süden Deutschlands vielleicht doch einmal ansehen sollte. Bevor ich selbst in so peinliche Gesprächssituationen gerate. 

Wobei Interesse für Fußball in diesem speziellen Fall wahrscheinlich auch schon hilfreich gewesen wäre.

19 Kommentare

  1. Das erinnert mich an meine Freundin, die ihren neuen Liebhaber vorstellte mit: „Das ist J., er kommt aus Süddeutschland.“ (Er ist in Kassel groß geworden und hat ihr verziehen.)
    Für uns ist doch alles südlich von Finkenwerder Bayern…

  2. *kicher* Das animiert mich zu meinem ersten Kommentar hier…
    Wo Lautern liegt, weiß ich als Heidelberger Kindl und Fußball-Fannin natürlich. Schließlich war ich oft genug dort, um zu wissen: da möchte ich nicht tot überm Zaun hängen.

    Aber ich erinnere mich da an einige ganz Schlaue in einem lang vergangenen Frankreich-Urlaub, die am Strand mit Erdkunde-Wissen prahlten. Oder es eher vorhatten. Und seither weiß ich, daß Bayern die Hauptstadt von Stuttgart ist…

  3. 🙂 irgendwie muss man in solchen Situationen ja schon immer schmunzeln, aber besser wissen tut man es meist ja doch nicht. Zumindest nicht so ganz genau…

  4. und aus diesem Kaiserslautern, daß tatsächlich in Rheinland-Pfalz liegt, gibt es sogar regelmäßige (stille) Leser 😉

  5. Das war dann wahscheinlich auch das Ende der Beziehung in der Kennenlernphase. Kaiserslautern nach Bayern zu verlegen, das verzeiht kein Lauterer.

  6. Und ich dachte immer nur die Amis haben keine Ahnung wo was liegt „Paris ist die Hauptstadt von Norwegen, das ist da irgendwo in Europa.“

    Also ich kann einen Urlaub bei uns Südländern nur empfehlen. Wir haben hier wirklich exotische Orte für Euch 🙂

  7. Zitat Michael: ‚aber besser wissen tut man es meist ja doch nicht. Zumindest nicht so ganz genau…‘
    Das ganz Erstaunliche daran ist jedoch, wie ich finde, die dazu diametrale felsenfeste Empfindung, die man über das eigene Wissen hat.

    Das muss ein menschlicher Grundwesenszug sein, denn alle Menschen, und seien sie noch so ungebildet, sind felsenfest von dem überzeugt, was sie zu wissen glauben.
    Es lebe das faktenbezogene Selbstbewusstsein!

  8. Ich kann die Damen und Herren aus dem hohen Norden ein wenig beruhigen, denn auch in Bayern trifft man genug Leute, die keine Ahnung haben, wo sich Kaiserslautern auf der Landkarte befindet. Allerdings wandert es hier auf wundersame Weise immer etwas weiter nach Norden.
    Kaiserslautern nach Bayern zu verlegen ist für einen Kaiserslauterer allerdings nicht so schlimm, wie Kaiserslautern ins Saarland zu verlegen.

  9. na ja.. wenn man kaiserslautern nicht kennt, hat man auch nichts verpasst. vom schrecklichen dialekt mal abgesehen, gibts es in dieser stadt wirklich überhaupt nichts sehenswertes. ich war gestern dort und als ich so unterwegs war, hab ich genau das gedacht, was ich eben geschrieben habe. deshalb musste ich grade schmunzeln, als ich diesen eintrag hier gelesen haben.

  10. Kaiserslautern in Bayern. Naja nicht ganz so verkehrt. Aber das ist schon fast zwei Jahrhunderte her

  11. Wahnsinn, bei Herrn Merlix findet sich tatsächlich die Stadt, in deren beschämendem Kreis ich lebe. Wobei das nicht an den Satz kommt, der, laut meiner werten Frau Mutter, bei „Verliebt in Lotta/Berlin“ gefallen sein soll. Dort fiel angeblich: „Na ja, in diesem Outfit kannst du dich vielleicht als Sparkassenchef in Bruchmühlbach-Miesau vorstellen.“ Und genau da wohne ich. Zufälle. Ich fühle mich verfolgt. So solidarisch für alle anderen hier.
    Und Kaiserslautern ins Saarland zu legen ist hier, im Süden von Rheinland-Pfalz, eine Kapitalsünde. Zumal wir in Rheinland-Pfalz tatsächlich noch die Todesstrafe in der Landesverfassung verankert haben.

    Und abgesehen von hässlichen Fischen, barbarischem Dialekt und einem doch ausgesprochen guten Gondrom gibt es in Kaiserslautern wirklich nichts zu entdecken. Vielleicht noch irgendeine seltsame Zweitliga-Gurkentruppe.

    Ich vergaloppiere mich. Verzeihung.

  12. Hässliche Fische. Es gibt die (lokal) berühmte Legende von Kaiser Barbarossa und seinem Hecht, den er fing; dem Kaiserhecht. Und weil Kaiserslautern ja die Barbarossa-Stadt ist, stehen da nun überall Fische herum, die den Hecht darstellen sollen. Unter anderem auch dieses Stück:
    http://www.immobilien-mecky.de/images/fisch13.jpg

    Und das ist noch eines der gelungeneren Modelle. Bei Google-Bilder einfach „Kaiserslautern+Fisch“ eingeben. Aber bitte nur mit Sichtschutz.

  13. Sagenhaft. Obwohl die Hälfte meiner Familie aus dem unsäglichen Kaiserslautern stammt (jaja Merlix, es gibt noch überraschungen 😉 , konnte ich hier noch viel lernen. Bisher hatte ich nur erfolglos den beliebten Satz einer Großtante zu verdrängen gesucht, der da lautete: „Kinners, wolltér net no ein paar Banäähnche?“. Grusel… Ein Kindheitstrauma.

  14. Hm, so ganz korrekt ist der aber auch nicht. „Kinner“, das „e“ als eine Mischung aus „e“ und „ä“, sehr breit aber kurz gesprochen, „wolle ner noch e paar Banähnscher?“ entspräche eher dem ‚Lautrer Dialekt.
    Schlimme Sache…

  15. @ Giga: genau! Genau so klingt das Monstrum durch meine schlaflosen Nächte! Gruselgrusel…

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