Wer?

Wenn man in einer Partnerschaft lebt und nachts im gleichen Bett schläft, was sind wohl die typischen ersten Worte, wenn morgens der Wecker klingelt und beide die Augen aufmachen? Etwas wie: „Guten Morgen, mein Schatz“? Bei der Herzdame und mir ist es standardmäßig ein leicht vergrübeltes: „Wer?“

Das liegt nun nicht etwa daran, daß wir uns fragen würden, wer da klingelt, es ist uns beiden durchaus bewußt, daß es sich um den Wecker handelt. Die Frage resultiert vielmehr daraus, daß wir beide abwechselnd morgens für Kaffee sorgen, an einem Tag sie, am nächsten Tag ich. Das heißt, einer von uns beiden hat jeweils die Chance, noch eine Viertelstunde liegenzubleiben, während der andere sich in die Küche schleppen muß. Da wir beide nun aber morgens nur begrenzt denkfähig sind, müssen wir uns erst mühsam durch das Dickicht der halbverschlafenen Gedanken kämpfen, bis uns einfällt, wer an diesem Morgen dran ist. Daher die Frage: „Wer?“

Und da wir beide zu früher Stunde unsere eigentlich gar nicht so rücksichtslosen Charaktere noch nicht voll hochgefahren haben, sondern uns noch im Bereich eher niederer Triebe bewegen, antworten wir beide wie aus eine Munde dem jeweils anderen in der vollen Überzeugung des Moments: „Du!“ Und im Laufe der sich daran entzündenden Debatte werden wir langsam wach.

Ich gebe gerne zu, daß es sehr seltsam ist, so etwas jahrelang zu spielen, und sogar ohne nachlassende Begeisterung. Andererseits haben wir anderen Paaren damit etwas voraus, da nach der Klärung der Lage jeweils nur einer von uns aufstehen muß: Für jeden von uns beginnt so zumindest jeder zweite Tag mit einem Sieg. Kann wahrscheinlich auch nicht jeder von sich behaupten.

10 Kommentare

  1. Vielleicht kann ich mich ja nun endlich mal erkenntlich dafür zeigen, dass ich hier in den letzten Monaten beim Lesen immer so herrlich schmunzeln, lachen, nachdenken durfte… mit einer kleinen Idee zur Lösung der morgentlichen Verwirrung – eine rote Schleife, abends an den großen Zeh des am nächsten morgen „Diensthabenden“ gebunden wäre sicher hübsch anzusehen, aber vielleicht doch etwas lästig auf Dauer. Also vielleicht eine kleine Kaffebohne, ein Stein o.ä. auf dem jeweiligen Nachttisch??

  2. Die Idee mit der roten Schleife finde ich gar nicht schlecht. Der Tag würde dann mit lustigem Schleifensuchen unter der Bettdecke beginnen, hat ja auch etwas. Außerdem könnte man sie, wenn man lang genug wach bleibt, nachts heimlich vertauschen. Faszinierend.

  3. Wunderbar! 🙂
    Beziehungsrituale. Eine gute Prognose, wie ich finde, insbesondere wenn man sich vorstellen kann, das Spiel auch noch mit 80 zu spielen.

  4. Ich will mich ja jetzt hier nicht selbst loben, aber selbstverständlich mache immer ich den Kaffee für die Liebste!

    Ich hasse es manchmal sehr. Aber, pssst:

    gerade Sonntags kann ich aber dann noch eine Stunde mindestens ungestört Blogs lesen!

  5. Das Attraktive an dieser Variante des einseitigen Immer-Kaffee-Machens scheint mir der enorme moralische Vorteil. Kann man bestimmt in anderen Situationen gut einsetzen. Das ergibt dann ein nettes Stereotyp in Krisensituationen: „Aber ich mache IMMER Kaffee!“ Woraufhin die Dame des Hauses die argumentativen Waffen streckt…
    Bedenkenswert, in der Tat.

  6. mir gehts wie paulsen. ich stehe freiwillig auf, füttere 4 rosa schlünder und mache dabei in aller stille zwei leckere milchkaffes (handaufgeschüttet, milch in harter arbeit geschlagen). das geht mir im schlaf von der hand, und wenn der mann dann aufsteht (stille weil satte 4 fellchen und das geräusch des milchaufschäumers), ist alles fertig.
    ich gehe dann mit meinem kaffee in der regel wieder ins bett und gucke nachrichten.

    wenn es mal umgekehrt läuft sieht das dann so aus (und das ist der grund für meinen gleichmut, immer kaffee machen zu wollen): mann mault beim aufstehen, fällt dabei fast noch um, dann schreien die fellchen besonders laut, weil denen das napfbefüllen zu ewig dauert (mann findet das richtige bio-futter nicht gleich), dann erst setzt er das wasser für den kaffee auf, vergisst aber, punktgenau die milch anzustellen.
    irgendwann wird das gefluche in der küche so groß, dass ich aufstehe. die nachrichten sind natürlich schon längst vorbei, kaffeelos.

    jeder sollte in einer beziehung das machen, worin er gut ist, und wenn er es auch nur aus so niederen gründen wie die eigene ruhe tut. gell, paulsen? 🙂

  7. Jeder sollte das machen, worin er gut ist – das leuchtet natürlich ein. Als Hanseat bin ich aber auch für: Jeder sollte bekommen, was er heraushandeln kann 🙂

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