Radio Merlix: Die dritte Folge

Ortsmusik Traunkirchen

Auf mehrfachen Wunsch wird es ab sofort so sein, daß der Text zu den Folgen von Radio Merlix jeweils unter den Einträgen zu finden sein wird. So kann, wer keine Soundmöglichkeit hat oder wer nicht hören will, den Beitrag wie gehabt einfach durchlesen.

In der dritten Folge geht es um unsere Erlebnisse mit Musik in und aus Österreich.

Radio Merlix Folge 3

Das Intro “la valse des heures” wie gehabt von Collectif Unifié de la Crecélle.

Schlußstück “So blue without you” von Kevin Mark.

Viel Spaß!

Der Podcast als Text:

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Aus dem Reisetagebuch: Die Nichtnachrichten und der Weltfrieden

Traunkirchen

Wenn man bei bestem Wetter an einem oberösterreichischen See liegt, auf einer dieser besonders saftgrünen Wiesen (so grün, daß man für einen Moment gerne Kuh wäre, nur um hineinbeißen zu dürfen) und auf die dezent gekräuselte Wasseroberfläche guckt, wobei einen die Sonne freundlichst bescheint und ein paar Bienen stimmig umsummen, dann kann man schon mal vergessen, was einem sonst an schlechten Nachrichten präsent ist. Kein Gedanke an die Lage im Nahen Osten, an Massenentlassungen oder Unglücksfälle in Atomkraftwerken, keine Meinungsbildung zum Ärztestreik oder spannenden Fragen des Tarifrechts, es ist Urlaub, man darf auch einmal Nichtdenken.
Ich habe aber nach drei Tagen doch gedacht, daß so etwas für einen mündigen Bürger kein Zustand ist, da geht am Ende die halbe Welt unter und man kriegt es gar nicht mit. Es machte mich doch zusehends nervös, so gar nichts zu wissen. Es ist ja immer so, kaum guckt man mal irgendwo nicht hin, schon passiert etwas, wie gerade wieder bei den Übertragungen der Fußball-WM gründlich bewiesen. Wer weiß, wer gerade mit wem einen Krieg beginnt? Man sollte doch zumindest einmal Schlagzeilen zur Kenntnis nehmen. Ich lag am See und hatte mein neues Handy mit Radiofunktion dabei, ich stöpselte die Kopfhörer ein und suchte einen Sender, was mangels Auswahl gar nicht so einfach war.

Schließlich hörte ich nach ziemlich langer Suche halbwegs rauschfrei einen Moderator, der Nachrichten ankündigte: “Sie hören Radio Oberösterreich”. Gespannt stellte ich lauter und wartete auf die erste Nachricht, die ja normalerweise die entscheidende Information zur Weltlage beinhaltet.
“Es ist fünfzehn Uhr, sie hören die Nachrichten. Am Mondsee ist es gestern zu einem Reitunfall gekommen. Eine junge Reiterin stürzte bei einem Ausritt und verletzte sich leicht…”.

Ich habe das Radio gleich wieder ausgemacht. In Oberösterreich ist die Welt noch in Ordnung – und das kann man ja zumindest im Urlaub einmal billigend zur Kenntnis nehmen.

Radio Merlix: Die erste Folge

Nach aufregenden Stunden voller Spaß mit Hard- und Software (vulgo Nervenkrise) gibt es hier unseren ersten Podcast:

Radio Merlix 1

D.h. beim Anklicken dieses Links sollte es zur spontanen Geräuschentwicklung kommen. Theoretisch.

Das Intro “La valse des heures” wird gespielt von Le Collectif Unifié de la Crécelle, die Hymne der Ehemänner am Ende ist von der Greg Morris Group: “Never enough für you”.

Viel Spaß!

Der Text zur Sendung befindet sich hier: (mehr …)

Der Affe und ich

Ich bin aus guten Gründen kein sehr eitler Mensch und ich rechne nicht damit, in alltäglichen Situationen mit Komplimenten überschüttet zu werden. Ich baue aber auf das gute Benehmen der Mitmenschen und rechne daher auch nicht damit, frei heraus beleidigt zu werden, was normalerweise auch gut klappt. Es klappt aber natürlich nicht bei Kindern, denn die kennen noch nicht alle Spielregeln und sind daher für seltsame Überraschungen gut.

Heute war ich mit meiner Freundin Andrea und ihrer dreijährigen Tochter Johanna-Marie in Hagenbecks Tierpark, wobei die Kleine natürlich reichlich Obst und Gemüse an diverse Tiere verfütterte. Füttern ist toll, Elefantenrüssel kommen aus dem Himmel herab, Ziegenmäuler ziehen am T-Shirt, Meerschweinchen fressen aus der Hand, alles ist großartig, da kann man im Überschwang des Moments auch mal gönnerhaft dem begleitenden Merlix etwas anbieten – und so stand sie strahlend vor mir, direkt neben dem Pavianfelsen, reichte mir ein Stück Obst auf der flachen Hand, guckte mich strahlend an und sprach zu mir: “Affe!”.

Das enttäuschte mich schon ein wenig, wie man vielleicht verstehen kann. Noch während ich krampfhaft überlegte, ob die Äußerung vielleicht nur ein Zeichen frühkindlicher Intelligenz war, der ferne evolutionäre Zusammenhang zwischen Pavian und Merlix also soeben dem schlauen Kind schlagartig klar geworden war, oder ob ich tatsächlich irgendwelchen Baumbewohnern verdächtig ähnlich sehe, erlöste mich allerdings die Mutter mit der korrekten Übersetzung des Wortes “Affe”. Das nämlich hieß eigentlich gar nicht Affe sondern “Apfel”, was für die junge Dame aber noch nicht auszusprechen ist. Sie hat also gar nicht mich als Primaten benannt, sondern nur ganz korrekt das mir angebotene Stück Obst. Das gute Kind.

Ich sollte mir vielleicht dennoch eine bessere Haltung, insbesondere einen aufrechteren Gang angewöhnen. Nur zur Sicherheit.