Rollenspiele

Wir haben im Freundeskreis einige unverheiratete Paare, die seit Jahren zusammen sind, in einer gemeinsamen Wohnung leben und ganz offensichtlich auch zusammenbleiben wollen. Das ist selbstverständlich normal und in Ordnung, aber es ist auch naheliegend, daß Gespräche gelegentlich bei dem Punkt landen, ob man nicht doch vielleicht den offiziellen Schritt gehen könnte. Eine der Standardantworten von Frauen auf die Frage, warum sie auch nach etlichen Jahren nicht heiraten würden, scheint ganz erstaunlicherweise „Er fragt mich einfach nicht“ zu sein. Worauf der Mann dann antworten kann, daß Fragen im Sinne eines Heiratsantrages ja wohl so was von retro und kitschig sei, daß es einfach nicht in Frage käme und überhaupt könnte die Frau ja auch selber fragen, heutzutage. Letzteres kann die potentielle Braut dann wieder pikiert ablehnen, denn bei aller Modernität im Rollenverständnis soll der jederzeit zuschaltbare Romantikmodus natürlich dennoch erhalten bleiben. Und wenn man genau zuhört, merkt man, daß es zwar spaßige Antworten sein sollen, das Thema Heiratsantrag aber auch heute noch gewaltig aufgeladen ist und ganz leicht in ernste Auseinandersetzungen über gegenseitige Erwartungen kippen kann.

Jetzt habe ich im Gespräch mit einer Freundin eine andere Variante dieser Antwort gehört, die geradezu vorbildlich die klassischen Rollenbilder und die erfolgreichen Emanzipationsbestrebungen der letzten Jahrzehnte logisch und selbstverständlich verbindet. Die Dame sagte, ganz ohne es als Scherz zu meinen:

„Wir können nicht heiraten. Ich habe ihn doch noch gar nicht gefragt, ob er mich nicht mal fragen möchte“.

Das, scheint mir, sollte den neuen Standard bilden.

6 Kommentare

  1. „… der jederzeit zuschaltbare Romantikmodus … “

    Solltest Du je Deinen Job schmeißen und Autor werden verpflichte ich mich schon mal als Käufer für die Bücher 🙂

    Was den Antrag angeht kenne ich glücklicherweise nicht so viele verkrampfte Paare. Ich würde ja einfach sagen, wer Bock hat fragt eben. Schlimmer als ein „Och nö, lass mal.“ kann es nicht werden.

    Wart ihr da nicht mit irgendeiner Teppich-Geschichte leuchtendes Vorbild?

  2. @Gunnar: Bestens, nur noch ein paar tausend ähnliche Zusagen zum Buchkauf und ich kündige meinen Job sehr, sehr gerne. Vielen Dank! Und stimmt, da war was mit Teppich bei der Herzdame und mir 🙂
    @KleinesF: Wollten wir dahin? Aber ja. Und dem „einfach Heiraten“ stimme ich als überzeugter Wiederholungstäter natürlich auch zu.

  3. Du brauchst gar keine paar tausend ähnlichen Zusagen; Gunnar hat sich doch als Käufer für DIE BÜCHER verpflichtet. 😉
    Aber ich würde mit Sicherheit auch auf ein Merlix-Buch zuschlagen.

  4. @Etosha: Äh, ok… 😉 Ich rudere zurück. Leichte Ungenauigkeiten in meinem Sprachgebrauch. Gesetzt den Fall, dass ich unerwarteter Weise irgendwann als erfolgreicher Entrepreneur ende, würde ich allerdings dann doch alle nehmen. Ob in dem Fall noch ein Exemplar den weiten Weg nach Wien findet werden wir dann sehen 😉

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