Die Rechtslage

Als ich die Herzdame bei einem kleine Streit dezent darauf hinwies, daß in den klugen Ratgebern zur Schwangerschaft zu lesen sei, daß bei der Frau gerade in den ersten Monaten mit stark verschärften Stimmungsschwankungen und auch deutlichen Aggressionsschüben zu rechnen sei und ihre rabiate Stimmung daher eventuell doch eher biochemisch als sachlich motiviert sei, ich also für die aktuell eskalierende Situation vielleicht gar nichts könne, antwortete mir die Herzdame mit einem Satz, der punktgenauer nicht sein könnte:

„Ich habe keine Hormone, ich habe Recht!“

Wie konnte ich daran zweifeln.

2 Kommentare

  1. Selbst wenn eine Frau einen Hormonschub hat, ist sie in der Situation ein denkendes Wesen, ist also ‚bei sich‘ und hat nicht ihr Gehirn und Bewusstsein zugunsten der Hormone einfach abgeschaltet.

    Selbst wenn man es mittendrin oder nachher auch so sieht – wenn man erkennt, dass man mitunter nicht ganz man selbst war, dass man körpergesteuert ist, obwohl das Ich, das nach wie vor in ebendiesem Körper steckt, eigentlich ganz anders ist – das kann schon per se ziemlich unangenehm sein. (Stell dir vor, dir wird von Aliens ein Steuerungschip implantiert, der bei vollem Bewusstsein derart wirkt, dass du wider besseren Wissens handelst. Das trifft’s ungefähr. )

    Zusätzliche Hinweise aus dem Umfeld darüber, dass sie Opfer ihrer Hormone sei, bedeuten womöglich, ihr pauschal das Denkvermögen abzusprechen, und dass ihre Entscheidungen und Meinungen keinerlei Gültigkeit mehr hätten. (Wir Frauen denken und empfinden oft in absoluten Verhältnissen.) Ein Gefühl der Entwertung und Erniedrigung ist die Folge.

    Will sagen, hormongesteuerte Menschen mögen zuweilen schwer zu ertragen sein, aber ein Honigschlecken ist es für sie auch nicht.

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