Mek und Merlix lesen im Süden

Im Süden von Hamburg zumindest. Raus aus Nordelbien, hinein ins wilde Wilhemsburg. Mek und ich lesen im Südbalkon, einem kleinen, ambitionierten Stadtteilclub in der Veringstraße. In Wilhelsmburg!? Ja, in Wilhemsburg. Für die Nichthamburger: Es gibt so Stadtteile in Großstädten, da fragt man schon mal nach. Dies ist so ein Stadtteil. Eine Gegend, die von den Medien allmählich “hochgeschrieben” wird, damit hier in naher Zukunft ein trendiges Revier in der Nähe der neuen Hafencity entsteht, noch ist davon allerdings wenig zu spüren. Ein Problemstadtteil, sagen viele. Eine unterschätzte Gegend, sagen die Künstler, die dort gerade die billigen Lofts in den ehemaligen Fabriken mieten. Eine interessante Gegend, sagen die Studenten, die aufgrund eines Förderprogramms des Hamburger Senats scharenweise dort hinziehen.

Wilhelmsburg ist die größte bewohnte Flußinsel Europas. Sagen jedenfalls die Einwohner dort. Wir sind uns nicht sicher, ob es stimmt, es klingt aber allemal interessant. Sicher ist jedenfalls, daß die Lesung keinen Eintritt kostet und ab 21 Uhr Einlaß ist.

Eine Wegbeschreibung folgt.

Neues von der Wohnungssuche: Alles ganz anders

Ich habe mich gründlich geirrt und vieles falsch gemacht. Ich hab eine sehr lange Zeit gedacht, man müßte zum Zwecke der Wohnungssuche Anzeigen in Zeitungen studieren, Onlineimmobiliensuchdienste abonnieren, Zettel an Laternen lesen und stehlen und dauernd unfreundliche Makler oder desinteressierte Verwaltungen anrufen, Hausmeister charmieren und jeden Menschen, den man kennt, gelegentlich beiläufig fragen, ob er nicht vielleicht bald mal umziehen wolle. Ich habe mit anderen Worten versucht, ein eher anstrengendes Programm zu absolvieren, um irgendwann dabei auf eine Wunderwohnung zu stoßen, für die sich nicht über hundert andere Menschen gleichzeitig interessieren. Dabei geht es doch ganz anders und viel einfacher.

Nämlich so: Man setze sich mit einer sehr, sehr guten Freundin, die auch gerade umziehen möchte, auf einen lauschigen Spielplatz in idealer Lage im Lieblingsstadtteil. Dann sehe man sich um, zeige auf ein nett gelegenes Haus und spreche: Da, das wäre doch nett. Da müßten jetzt bitte gerade zwei Wohnungen frei sein, eine für uns, eine für Euch. Dann sehe man genauer hin und stelle fest, daß mindestens eine der Wohnungen in dem Haus irgendwie leerstehend aussieht.

Klingt doch ganz einfach – und war es auch. Die sehr, sehr gute und gelegentlich wunderwirkende Freundin hat herausgefunden, welche Gesellschaft das Haus verwaltet, dort angerufen und erfahren, daß zwei Wohnungen gerade frei werden. Und die haben wir einfach gemietet. Man muß den Göttern manchmal nur eine gute Gelegenheit geben und klar sagen, was man sich wünscht, dann bekommt man vielleicht ausreichend Gelegenheit zur Dankbarkeit.

Die sehr, sehr gute Freundin wird hier künftig als schöne Nachbarin vorkommen und die Herzdame und ich werden, nachdem wir jahrelang im fünften Stock ohne Fahrstuhl gewohnt haben, beim Einzug in das neue Haus vermutlich vor Begeisterung den Boden des Fahrstuhls küssen. Auch Hanseaten wie ich sind zu solch extremer Ausgelassenheit fähig. Manchmal.

Schönes Wochenende

Paar an der Alster

Die Herzdame und ich empfehlen für das Wochenende sportliche Bechäftigungen wie auf diesem Bildbeispiel (Leistungsentspannen an der Alster), eine ähnlich geeignete Szenerie wird sich ja auch in Städten finden, die nicht Hamburg heißen. Das scheint bei dem Wetter als Programm völlig ausreichend und man sollte es, wenn man in Hamburg wohnt, überhaupt nur für diese Veranstaltung unterbrechen.

Merlix testet Gebärstellungen

Es heißt, die Menschheit wäre schon ausgestorben, wenn die Männer die Kinder bekommen müßten. Nur Frauen, so sagt man, sind in der Lage, diesen Vorgang durchzustehen, Männer sind – siehe Erkältungen – einfach nicht für extreme Belastungen gemacht. Ich sag es ungern, aber da ist offensichtlich etwas dran.

Gestern abend kam die Herzdame von einem Schwangerschaftskurs, in dem auch schon die besondere Gymnastik der Gebärstellungen vermittelt wurde, und zwar solcher Stellungen, die sich nicht mit Hilfe von geeigneten Möbeln ausführen lassen, sondern sozusagen Bodenturnvarianten sind. Es handelt sich um Haltungen, die man leicht hinbekommt, wenn man einigermaßen gelenkig ist. Ich gehöre nun leider nicht in die Gattung Mensch, die man als einigermaßen gelenkig bezeichnen kann, meine Gelenke sind vielmehr teilweise so verkorkst, daß demnächst daran herumoperiert wird. Dennoch wollte ich als interessierter und solidarischer Partner von der Herzdame natürlich sehr gerne wissen, was sie gelernt hatte. Da wir bei diesem Gespräch gerade in der Küche standen, bat sie mich, zur Demonstration auf dem gekachelten Küchenboden Platz zu nehmen. Ich ging in die Hocke, wobei ich mich mit dem linken Arm am Herd abstützte, ohne recht zu bedenken, daß dieser Arm momentan aufgrund der erwähnten Schwierigkeiten zum Abstützen hochgradig ungeeignet ist. Entsprechend gelang das Abstützen nicht, vielmehr gab der Arm schmerzbedingt nach, wodurch ich mich ungewollt beschleunigt dem Küchenfußboden näherte, welchen ich mit dem Steißbein voran erreichte. Da dies eine überaus unangenehme Erfahrung war, wollte ich schnell wieder aufspringen, um ein wenig unter Wehgeschrei herumzuhüpfen, was in solchen Situationen ja meist als hilfreich empfunden wird, bedachte dabei aber nicht, daß sich mein Kopf gerade in ungünstiger Position unter der Arbeitsplatte befand. Entsprechend knallte es unerwartet auf meinem Weg in die Höhe und leuchtend bunte Sternchen in ansprechender Vielfalt tanzten eine Weile lang vor meinen Augen. Danach war meine Lust am teilnehmenden Erfahren von Gebärpositionen einen Augenblick lang deutlich gemindert.

Die Herzdame sah mich sinnend an und murmelte dann etwas davon, daß sie jetzt verstehen würde, warum Väter früher gar nicht erst in den Kreißsaal durften.

Die Herzdame und Yoga – Welten treffen aufeinander

Die Herzdame war in der zweiten Stunde Schwangerschaftsyoga. Wahrscheinlich fliegt sie demnächst aus dem Kurs, denn sie ist die einzige, die bei dem Satz “Wir atmen jetzt mal um die Scheide herum” zu lachen anfängt und für den Rest der Stunde nicht mehr aufhören kann. Sie ist auch die einzige, die die Aufforderung “Wir singen jetzt mal ein schönes Mantra” in einem geradezu djangomäßigen Tonfall mit einem klaren “ich bestimmt nicht” beantwortet.

Demnächst probiert sie einen anderen Kurs, “mit ohne Gesang”. Ich bin gespannt.