Neues von der Wohnungssuche

Man weiß gar nicht, was man mehr hassen soll, professionelle Makler oder private Vermieter, die offensichtlich einen an der Waffel haben. So wie der alte Mann gestern, der mich grußlos eine Sekunde nach Betreten der zu besichtigenden Wohnung in militärischem Ton fragte: „Und? Ham sie eine Frau?“ Und, als ich das bejahte, hinzufügte: „Gut, finde ich gut. Sie finden es vielleicht gar nicht gut, aber ich.“ Dann zeigte er mir die Wohnung, wobei er mir permanent seinen Zeigefinger in die Rippen bohrte, um mich von Zimmer zu Zimmer schieben, denn ein Blick von maximal einer Sekunde schien nach seiner Meinung absolut ausreichend zu sein, um einen Raum zu begutachten.

„Was machen sie beruflich?“ Die nächste Standardfrage. Ich nannte meinen Beruf und sein Gesicht verfinsterte sich: „Das war ich auch jahrelang. War eine verdammt schreckliche Zeit!“ Er guckte jetzt etwas kritischer. „Warum tragen sie einen schwarzen Anzug – wollen sie noch jemanden beerdigen heute?“ „Nein“, sagte ich, „das ist mein normaler Büroanzug“. Er knurrte etwas vor sich hin und befand dann aber abschließend: „Na egal, besser als kurze Hosen, jedenfalls.“
Die Wohnung, um die bei der Besichtigung ging, war fast ideal, größer als unsere, billiger als unsere, perfekt geschnitten, besser gelegen als unsere, in unserem geliebten Stadtteil – und man hätte, ein wenig Anlauf vorausgesetzt, das Kind später einmal aus dem Fenster direkt in den benachbarten Kindergarten werfen können.

Unterhalb der Wohnung leider ein Club für muskulöse Jungs mit einer Vorliebe für Leder, Uniformen und heitere Schlammparties, was prinzipiell noch nicht einmal gestört hätte, wäre nicht deren sicher reichlich frequentierter Darkroom durch ein Lüftungsrohr mit der Toilette der Wohnung verbunden gewesen, was, Achtung prima Wortwitz, besonders zu Stoßzeiten zu einer interessanten Geräuschkulisse in der Wohnung führte, wie die jetzige Mieterin mir erklärte. In Verbindung mit den herumwuselnden Kakerlaken schien uns dies dann doch ein wenig ungeeignet für ein Kleinkind.

Sehr schade. Die Suche geht weiter. Und dabei klingt „Drei Zimmer, Sankt Georg, mit Vollbad“ gar nicht mal so unlösbar, sollte man meinen.

11 Kommentare

  1. Moin,
    ich les ja bisher immer nur mal kommentarlos rein, aber nun muß ich doch mitquasseln: Hast Du schon daran gedacht, beim örtlichen SAGA-Büro (Stiftstr.) reinzuschauen? Der Dienstweg schreibt zwar den Kontakt mit der Verwaltung vor, aber das ist nahezu aussichtslos. Der örtliche SAGA-Mann ist zwar nicht für die Verträge zuständig, er kennt aber als Hausmeister alle frei werdenden Wohnungen im Viertel. Und obwohl er mit der Vertragsgestaltung rein garnichts zu tun hat, bin ich fest davon überzeugt, daß seine Empfehlung gehört wird. Lohnt sich also durchaus, da mal hinzugehen und nett „Guten Tag!“ zu sagen.
    Übrigens: die Herrschaften, die bisher in der Wohnug gewohnt haben, in der man zu Stoßzieten beschallt wird, sind auch so zu zu ihrer neuen Bleibe gekommen *g*!
    Viel Glück!
    kaenga

  2. Private Vermieter, die sich selbst um die Vermietung kümmern, sind echt die Schlimmsten: einer wollte mal vorschreiben, dass man das Parkett nicht mit Straßenschuhen betreten dürfe, ein anderen zeigte mir eine Wohnung ohne Balkon, obwohl ich einen haben wollte, mit der Begründung, dass ich meinem Job ohnehin den ganzen Tag arbeiten würde und keine Zeit hätte, auf dem Balkon zu sitzen. Na toll.

    Euch wünsche ich noch viel Erfolg bei der Wohnungssuche. Wird schon klappen.

    P. S. … war gestern auch im Fools Garden, aber war mir nicht sicher, ob Du Du bist. Sonst hätte ich natürlich mal „Guten Tag“ gesagt. Aber man wird sich hier in Hamburg sicher nochmal über den Weg laufen. Nicht nur St. Georg, sondern ganz Hamburg ist schließlich ein Dorf.

  3. Ah, das vergnügliche hanseatische Wohnungssuchespiel. Fast ein Grund neidisch nach Berlin zu schielen, die alle da mit ihren 100-qm-Altbauwohnungen für kein Geld. Ich habe in Hamburg ja immer nur in so No-nonsense-Stadtteilen gewohnt, wo sonst keiner hinwill. Irgendwie zentral, aber ohne „Szene“. Zu mir paßt das gut, ich habe es gern ein wenig langweilig. Haben Sie schon Zettel an Bäume geklebt? Soll ja angeblich Schmuckstücke hervorzaubern.

  4. mit Bäumen ist es wirklich schwierig. Aber es ist auch ein seltsames Gefühl mit seinem Wohnwunsch bei Nahkauf an der Kunden-Grabbel-Wand zu hängen und die manifestierte Sehnsucht dort täglich mehr hinter Yogakursen und Ikeaaufbauhilfen verschwinden zu sehen. Es ist ein Kreuz mit den Sehnsüchten 😉

  5. Ach was, ich wohne gerade zum zweiten Mal im gleichen Haus wie der Vermieter, und es läuft ebenso angenehm und problemlos wie beim ersten Mal. Ich drücke die Daumen!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.