Veranstaltungshinweis

“More! More! More!” – Modernes Tanztheater in Containern, Choreografie Ives Thuwis. In der Spitalerstrasse in Hamburg, noch bis 01.07. jeweils um 20 Uhr 30 – kostenlos und sehenswert, wie soeben getestet.

Es war einmal

Auf der Suche nach Stoff für die Travemünde-Erzählungen denke ich natürlich oft über meine Kindheit oder Jugend in diesem Ort nach, manchmal aber auch über die Jahre vor Travemünde, die ich in Lübeck verbracht habe. Dabei fiel mir gerade ein, daß es damals in einem Kaufhaus noch einen Fahrstuhlführer gab –mit beeindruckender Uniform sogar. „Dritter Stock, Damenwäsche und Kurzwaren“.

Seit mir dies einfiel, fühle ich mich schlagartig stark gealtert.

Alltagskultur

Die Herzdame hat mein Notebook, welches sich in letzter Zeit zunehmend seltsam und ungebührlich benahm, zu einem ihrer Kollegen mitgenommen, der dafür bekannt ist, an Hardware wundertätige Handlungen vornehmen zu können. Seine erste Frage, nachdem er das Gerät eingehend betrachtet hatte, war: “Ißt Dein Mann sehr oft an, über oder auch auf diesem Notebook?”

Es ist dann doch vielleicht an der Zeit, die Tischsitten in diesem Haushalt zu überdenken.

Merlix macht Licht

Die Herzdame und ich haben eine gewisse Vorliebe für eine sorgsame Ausstattung der Wohnung mit Lampen, Lämpchen und Lichterketten. Nach einem Umzug dauert es natürlich eine Weile, bis das ganze Zeug wieder richtig drapiert ist, jeder Platz will lange überlegt sein und erst gestern habe ich endlich beschlossen, die letzte Lichtdekoration mal eben anzubringen. Es handelt sich um eine Lichterkette fortgeschrittener Kitschigkeit, die unser eheliches Bett ziert – wenn sie denn funktioniert.

Das wollte sie allerdings durchaus nicht, trotz vollkommen korrekter Verkabelung und intakten Birnen, es leuchtete nichts. Die Herzdame sah mich kummervoll an, während ich daran bastelte und ging zu ihrem Yogakurs, beim Abschied murmelte sie noch etwas von Lieblingslichterkette und ausgerechnet und schade.

Ich besah mir die Sache genauer und noch genauer, drehte winzige Birnen hin und her, wechselte einige auf Verdacht aus und rüttelte an Kabeln. Es schien mir, als müsse der Schaden an den Verlängerungskabeln unter dem Bett liegen und ohne Begeisterung machte ich mich nach einer Weile daran, auch deren Stecker genauer zu erkunden. Zu diesem Zwecke zog ich mich aus, denn es war heiß im Schlafzimmer. Außerdem schien es unter dem Bett staubig zu sein und ich hatte ein schwarzes Hemd an, sehr ungeeignet für solche Unternehmungen. Da ich einen Arm wegen eines Gelenkschadens im Moment nur noch teilweise strecken kann, schien es außerdem sinnvoll, mich zur Montage ganz unter das Bett zu begeben, denn von der Seite aus nach den Kabeln zu hangeln, kam mir etwas anstrengend vor. So kroch ich unter das Bett und stöpselte den Kabelsalat aus und ein, drehte Stecker von links nach rechts und zog planlos an Verlängerungen, denn echte Kompetenz habe ich keineswegs in Elektrofragen. Immerhin wies mich aber nach einer gefühlten Ewigkeit ein roter Lichtschein von oben irgendwann auf einen Erfolg hin, was mich für mein Gefühl dazu berechtigte, spontane Freudenbekundungen im Sinne von “Hurra” oder auch “Ich kann alles” oder “Supermerlix fliegt wieder” oder dergleichen von mir zu geben, ich würde auf den genauen Wortlaut nicht mehr wetten wollen, was man eben so sagt, nach großen Erfolgen.

Die Herzdame, die von mir unbemerkt währenddessen in die Wohnung zurückkam, sah Folgendes: Ihr Mann, nackt unter dem Bett, mit Händen und Füßen auf den Boden trommelnd und dabei Triumphgeräusche von sich gebend.

Manchmal ist es gar nicht so einfach, vollkommen plausible Vorgänge überzeugend zu erklären.

Ausgewogene Verhältnisse

Es gibt bestimmte Situationen, bei denen es für die Herzdame deutlicher als sonst zu spüren ist, daß sie schwanger ist. Beispielsweise gestern, als sie auf dem Spielplatz vor unserer Haustür auf der Wippe saß – sie auf der einen Seite, die schöne Nachbarin, ihre Tochter und ich gemeinsam auf der anderen. Eine völlig ausgeglichene Angelegenheit.