Umzugsnotizen (3)

Wenn man als Mann im Bahnhofsviertel lebt, kommt es natürlich öfter vor, daß einem auf dem Heimweg von der Arbeit oder beim Einkaufen gewisse Angebote von an Straßenecken stehenden Damen in auffälliger Kleidung unterbreitet werden, das gehört hier zum Alltag. Daß ich aber gestern, als ich mir nach getaner Umzugsarbeit noch eben ein Bier holen wollte, direkt im Hamburger Hauptbahnhof ein im Vorbeigehen an mich gerichtetes, mit der nach Bar klingenden Stimme einer gestandenen Raucherin gehauchtes: „Na mein Süßer, hast du nicht mal ein wenig Zeit für mich?“ hörte, fand ich schon etwas überraschend.

Noch überraschter war ich, als ich sah, wer da etwas von mir wollte: Eine Pommes-Frites-Verkäuferin, die mir eine bereits frisch gefüllte Tüte lockend über den Tresen reichte und mit umwerfendem Augenaufschlag weitersprach: „Nur fünf Minuten, mein Süßer. Gönn dir mal was Gutes zwischendurch.“

Eine Verkaufsstrategie, die tatsächlich funktioniert.

Umzugsnotizen (2)

Bei so einem Umzug kann man durchaus vor lauter Arbeit in einen rauschhaften Zustand geraten, man sieht Gegenstände irgendwann nur noch als tragbar oder nicht tragbar, gar nicht mehr als das, was sie eigentlich sind. Hauptsache, man kann sie anheben. Wegen dieses Packrausches muß man auf formidable Umzugshelfer ein wenig aufpassen, sonst demontieren sie nicht nur die zu räumende Wohnung, sondern gleich die ganze Gegend. Meine Freundin Birgit zum Beispiel rannte im Eifer des Gefechts in die falsche Wohnung, eine Stockwerk unter unserer alten, auf der Sucher nach leicht zu hebenden Kleinmöbeln. Der verblüffte Bewohner konnte ihr jedoch erfreulicherweise die Einlegeböden seines Schlafzimmerschrankes wieder entwenden.

Umzugsnotizen (1)

Einer der jungen Männer aus dem Heimatdorf der Herzdame, die uns mit unglaublichem Einsatz bei dem Umzug geholfen haben, beobachtete sehr interessiert, wie ich der Herzdame Instruktionen gab, mich als Packesel optimal zu beladen. Er nahm mich zwischendurch beiseite, legte mir eine Hand auf die Schulter und stellte anerkennend und vollkommen ernstgemeint fest: „Du hast deine Frau wirklich gut im Griff.“

Das ist jetzt schon sechs Tage her – aber die Herzdame lacht immer noch.