Kleine, braune Dinger

Menschen, die schon Kinder haben, wissen es: Das Hirn der Frau, die gerade Mutter geworden ist, wird durch die Stilldemenz geradezu pulverisiert, zumindest wirkt es so auf die Gesprächspartner. Die vorhergehende Schwangerschaftsdemenz (wir berichteten) ist nur eine leichte Andeutung, sie dient dazu, die Partner der Frauen schonend vorzubereiten. Man sollte wohl gut vorbereitet und nervenstark sein, wenn man fortwährend Gespräche führen muß, die etwa so verlaufen:

 

Herzdame: [Starrt sinnend an die Zimmerdecke] “Wie heißen denn nochmal…”
Ich: “Ja?”
Herzdame: [nach erstaunlich langer Pause] “Was?”
Ich: “Du wolltest etwas fragen?”
Herzdame: [milde lächelnd] “Ja.” [sehr lange Pause]
Ich: [geduldig wartend] “Und?”
Herzdame: [überrascht] “Was und?”
Ich: “Was wolltest du denn fragen, mein Herz?”
Herzdame: Ich?”
Ich: “Ja.”
Herzdame: [sehr konzentriert] “Wie heißen denn noch mal diese kleinen, braunen Dinger?”
Ich: “Hamster? Pimpfe?”
Herzdame: “Nein. Gemüsiger.”
Ich: ” Gemüsiger? Braun?”
Herzdame: “Ja. Du weißt schon.”
Ich: “Nein. Ich weiß nicht”
Herzdame: “Na, was es gestern gab.”
Ich. “Ach so. Pilze”
Herzdame: “Was?”
Ich: “PILZE.”
Herzdame: [guckt mich sehr verblüfft an] “Ja und?”
Ich: “Pilze. Du hattest nach Pilzen gefragt.”
Herzdame: “Ich?”
Ich: “Ja.”
Herzdame: [guckt irritiert] “Warum?”

Und so weiter. Noch sehr viel weiter. Man kann im Laufe so eines Gespräches problemlos sehr, sehr viele kleine, braune Dinger braten.

Schwester Merlix

Wenn man als Mann notgedrungen eine ganze Woche auf der Wöchnerinnenstation verbringt, was soll man da tun, wenn die Herzdame gerade mal keinen Bedarf daran hat, etwas zugereicht zu bekommen und auch nicht zu ihrem Kind geschoben werden möchte? Naheliegend eigentlich, auch die Bettnachbarin der Herzdame zu fragen, ob sie nicht vielleicht einen Tee wolle, ob man mal ihr Bett höher stellen solle oder ob die Blumen von vor drei Tagen nicht allmählich mal entsorgt werden könnten. Man kommt so ins Gespräch, über Kinder und dies und das, es ist aber immer noch sehr viel Zeit übrig. Krankenhausstunden sind etwa zehnmal so lang wie die Stunden draußen, im Alltag. Da kann man sich ja auch im Zimmer nebenan, in dem die sehr nette Afghanin liegt und dessen Tür gerade offensteht, mal eben nützlich machen. Und deren Bettnachbarin wiederum möchte ein Malzbier, bitte sehr, bitte gleich und Vorlesen kann ich auch, doch, doch. Wenn ich schon mal da bin.

So gesehen, auch eine nette Woche. Mir liegen jetzt verschiedene, sehr interessante Angebote als Butler oder Hausfreund vor, bisher ungeahnte Möglichkeiten tun sich auf. Gibt es nicht noch so etwas wie “Gesellschafter” als Beruf, weit abseits der schnöden GmbH-Begrifflichkeit?