Werbung in der Weltstadt

Die nervtötenden Tageszeitungswerber, die an Ständen vor dem Hamburger Hauptbahnhof versuchen, ihre Drei-Wochen-Abos loszuwerden, werden anscheinend immer verzweifelter. Anders kann ich es mir nicht erklären, daß sie jetzt auch auf japanische Touristen losgehen, aus denen ganz gewiß keine treuen Stammleser werden können.

Beruhigend aber, daß die Gäste immerhin korrekt über ihre Rechte aufgeklärt werden, wenn auch in zweifelhafter Sprache. Im Vorbeigehen hörte ich gestern, wie einer dieser Werber einer japanischen Touristin beschwörend versicherte: “Oh yes, yes, you can kündigen by internet! No problem!”

Nachts

4 Uhr15: Die Herzdame bittet mich, den Sohn zu wickeln. Gern.
4 Uhr 25: Fertig. Neben der Wickelkommode liegt ein neuer Babyschlafanzug. OK
4 Uhr 35: Erstaunlich viele Knöpfe an der Rückseite des Schlafanzugs.
4 Uhr 45: Kind schreit. Zu lange rumgefummelt.
4 Uhr 55: Wirklich sehr viele Knöpfe. Wie das wohl gehört?
4 Uhr 50: Kind macht währenddessen in Windel. Alles neu.
5 Uhr 00: Kind gibt sirenenartige Geräusche von sich.
5 Uhr 05: Knöpfe anscheinend völlig wahllos angeordnet. Mache sie wahllos zu.
5 Uhr 10: Verblüffend, wie blöd man sich fühlen kann.
5 Uhr 15: Kind sieht aus, als hätte ein Dreijähriger ein Geschenk verpackt.
5 Uhr 20: Erneute lange Versuchsreihe der Knöpfordnung leider ergebnislos.
5 Uhr 25: Prêt-à-porter ist etwas anders.
5 Uhr 30: Kind verfärbt sich leicht lila vor Schreien.
5 Uhr 35: Man kann das Kind ja auch einfach in Decken wickeln.
5 Uhr 40: Versuche, Herzdame generellen Vorteil von Freikörperkultur bei Babys zu erklären.

6 Uhr 30: Herzdame lacht immer noch.