Ein wertvoller Hinweis

Gänzlich zusammenhangslos sei hier einmal darauf hingewiesen, daß mir die zunehmende Ausbreitung des Modewortes „wertig“ maßlos auf den Geist geht. Bis vor kurzer Zeit nur eine verzweifelte Entgleisung der Werbetexter in Autoprospekten, in denen die Wurzelholzoptik der Mittelkonsole noch etwas aufgehübscht werden sollte, ist der Begriff heute schon auf der Seite einer Stadtteilinitiative in unserem Revier angekommen, die sich nach „wertiger“ Gastronomie im heruntergekommenen Teil des Viertels sehnt. Wertige Gastronomie! Kunden fragen in Läden tatsächlich nach „wertigen“ Geschenken, ich habe es genau gehört, in Versandhauskatalogen gibt es wertige Accessoires, auch schon für Säuglinge. Da werden sich die Kleinen aber freuen!

Es ist, um es präzise zusammenzufassen, widerwertig.

17 Kommentare

  1. Dieses Wort hat Österreich bis dato nicht erreicht, ich werde es aber im Auge behalten und notfalls mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln bekämpfen ! 🙂
    Was bedeutet „wertig“ eigentlich genau ? Muss man dieses Unding im Sinne von „wertvoll“ oder als Abkürzung von „hochwertig“ oder vielleicht auch ganz anders verstehen ?

  2. Das Wort saugt gerade alle Begriffe aus diesem Assoziatonskontext auf und wird früher oder später sehr, sehr vieles meinen. In meiner Wahrnehmung hat es mit der preisbestimmenden Wurzelholzoptik begonnen. Ganz bestimmt hört man es aber auch bald in wertigen Nachbarländern!

  3. Spontan überlegt, wie fern ich anscheinend trotz meiner Jugend der Mode bin. Dem Wort „wertig“ bin ich in den letzten Jahren kaum je begegnet.

  4. Jaja…wertig…die nicht minder häßliche kleine Schwester der „hohen Wertanmutung“.
    Werberhirne, die solches ausbrüten waren mir schon immer suspekt!

  5. Gerade bei der sensationslüsternen Google-Suche nach „wertig Wurzelholz“ den Satz des Tages gefunden: „Wurzelholz umschmeichelt meine Augen“. Ich kann nicht mehr.

  6. Genau so schoen ist uebrigens die Entgegnung auf ein herzliches „Danke“ mit „dafuer nicht“ !
    Nur mal so …

  7. Auf richtig Hamburgisch heißt die „da nich für“. Ich mag das irgendwie, aber das kann natürlich an meiner Hamburgverliebtheit liegen.

  8. mindestens genauso schlimm finde ich dieses eine zwischenmenschliche kritik einleitende „…. also, du, bei aller wertschätzung…“ psychozeugs, echt.

  9. @psychotante: Einer meiner ehemaligen Vorgesetzten begann verbale Attacken stets mit der Formulierung: „Jetzt mal ganz kritikfrei…“.
    @Jörg, Isa: In der Hamburger Version ist das natürlich OK, diese Formulierung, hier gehört sie so ja auch hin.

  10. Herr Merlix, jetzt, wo Sie Ihren ehemaligen Vorgesetzten erwähnen, fällt mir ein früherer Arbeitskollege ein, der grundsätzlich Personalinjurien mit „Ich beleidige niemanden, ich bin nur ehrlich“ einzuleiten oder auch zu beenden pflegte.

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