Unser täglich Brot

Herzdame und Sohn haben am Wochenende beschlossen, daß der Herr Papa sie ja mal wieder mit einer Virusinfektion und hohem Fieber in ein Krankenhaus einliefern könnte, weswegen ich jetzt ganz überraschend noch eine Hamburger Institution der medizinischen Grundversorgung mehr kenne.

Mir ist schon bei den letzten Kontakten mit diesen Anstalten unangenehm aufgefallen, wie ausgeprägt grauenhaft die Verpflegung dort war, obwohl doch eigentlich jedem klar sein müßte, das gerade Menschen in der Rekonvaleszenz besonders gutes Essen benötigen. Nicht umsonst gehört, um nur ein Beispiel zu nennen, die gute Hühnersuppe zum Wochenbett. Jedem Angehörigen und Freund ist das anscheinend klar, nur keiner Entbindungsstation, aber das nur am Rande. In dem Krankenhaus aber, das ich jetzt am Wochenende kennengelernt habe, weil der Sohn fieberte wie ein kleines Kraftwerk und die Mutter jenseits aller Zurechnungsfähigkeit übermüdet und selbst krank war, habe ich einen verblüffenden neuen Rekord an schlechter Patientenernährung festgestellt.

Dort war beim Abendbrot die Relation zwischen Brot, Käse, Wurst und Butter tatsächlich so beschaffen, daß man auch bei sparsamster Verteilung der knappen Güter eine Scheibe Brot komplett trocken essen mußte. Oder natürlich gar nicht. Eine Scheibe trockenen Graubrotes ist, sicher doch, immer noch mehr, als die meisten in Afrika haben, schon klar. Die Vorstellung der zahlreichen Kassenpatienten aber, die abends in ihren Zimmern frustriert auf der Bettkante sitzen und ergeben eine staubige Brotrinde mümmeln – wenn das kein gutes Bild für den Zustand des Gesundheitssystems ist?

Ein System übrigens, über das man viel, viel mehr schreiben müßte – wenn man nur nicht so verdammt froh wäre, möglichst wenig darüber zu wissen.

14 Kommentare

  1. Die Umstaende unseres gesamten Systems werden leider immer fragwuerdiger.
    Ich erinnere mich jedoch auch daran, dass gerade das Krankenhausessen schon vor knapp 25 Jahren einer Katastrophe glich. So haben wir mal einen Vetter, sagen wir mal „extern“, wieder hochgefuettert weil der wohl sonst eher abgenommen als zugenommen haette.
    Scheint sich nichts geaendert zu haben.

    Beste Genesungswuensche von einem anderen Ende der Welt !

  2. In diesem Zusammenhang musste ich an eine Szene denken, die ich vor einigen Jahren in einem der hiesigen, damals in Neuorganisation befindlichen Ordensspitäler beobachten durfte: Umgeben von diversem Krankenhauspersonal eilte ein junger Managertyp durch die Gänge und notierte während des Gehens geschwind verschiedenes auf einem Clipboard. Die Gesichter seiner Begleiter/innen waren alles andere als begeistert, und das ganze hatte eine Anmutung von Bill Murray in „Scrooged“. „Ich bitte Sie, wozu braucht der einbeinige Mann da drüben zwei Krücken, eine tut es auch, schließlich hat er ja noch einen Fuß !“ – „Die Aufschnitt- und Käseportionen werde ab heute halbiert – wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen !“

  3. Patienten mit schlimmen Erkrankungen sind ohne Angehörige bei einem Krankenhausaufenthalt aufgeschmissen.
    Mein Liebster sollte nach einer Op im Hals- Mundbereich ohne Speichel und ohne Appetit von besagter Graubrotscheibe zunehmen. Da wird doch eher mal schnell eine Infusion gelegt- wenn nicht besagte Angehörige sich einen Henkelmann zulegen und zufüttern. Privatpatient oder nicht spielt hier keine Rolle, das Essen ist kaputtgespart. In sechs Wochen Krankenhauskost habe ich einmal einen Apfel gesehen- und immer mehr Henkelmänner.

  4. @Merlix: doch du hast leser am anderen ende der welt. bin zur zeit in australien und deine geschichten helfen gut gegen das heimweh. ausserdem weiss ich von einer guten freundin, dass sie in china deinen blog ebenfalls liest. du bist halt beruehmt 😉
    also, schreib fleissig weiter 🙂
    lg aus Wollongong zenz

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