Kindermund

Unser Sohn beschränkt sich sprachlich noch weitgehend auf den alles aussagenden  Begriff „Huba“. Das ist, wenn ich mich recht erinnere, auch das Wort, mit dem sich die Comicfigur Marsupilami vollkommen ausreichend verständlich machen konnte. Es handelt sich sozusagen um einen Sprachdremel – paßt immer, kann alles, multifunktional bis zur Perfektion. Zwischen einem leise und zärtlich geflüsterten „huba“ und einem mit verfinstertem Blick gebrüllten, energischen  „HUBA!“ liegen wirklich Welten, man staunt, wie weit man mit nur einem Wort kommen kann.

Die Tochter der schönen Nachbarin ist schon fast vier Jahre alt und kann natürlich richtig sprechen, was den Vorteil hat, daß sie Menschen, die ihr begegnen, direkt auf körperlich interessante Merkmale hinweisen kann, also etwa auf dicke Bäuche, große Ohren, Pickel und andere Details, die man sich gerne von dem interessierten Kind beschreiben läßt („Du hast da was“). Es härtet ungemein ab. Wenn man oft genug gehört hat, wie man von Drei- oder Vierjährigen beschrieben wird, lebt man vermutlich gänzlich illusionsfrei weiter.

Die Mutter der Kleinen war trotz intensiven Trainings aber doch unangenehm überrascht, als ihre Tochter ihr gestern nach kritischer Betrachtung offenbarte: „Mama, du bist verblüht“.

Man muß dann als Mutter schon sehr schnell und geistesgegenwärtig sein, um noch knapp vor dem endgültigen Dahinscheiden des Selbstbewußtseins zu merken, daß die Tochter gerade eine Gießkanne in der Hand hat und alles im Wohnzimmer, belebt oder unbelebt, als vertrocknet und verblüht deklariert – sonst gäbe es ja dummerweise keinen Grund etwas zu gießen. Logisch.

Und nachdem die schöne Nachbarin die Geschichte etwa dreimal erzählt hat, findet sie den Satz allmählich auch schon etwas lustig. Ein ganz klein wenig.

17 Kommentare

  1. Wie alt ist Euer Zwerg denn? Unserer (13 Wochen alt) gibt mit Vorliebe zwei Laute von sich „hhnnnäääää“ wenn er gelangweilt ist und bespasst werden will und „hhhlllääääääää“ wenn er Hunger hat, die Windel voll ist oder ein Pups quer hängt. Einen Zusammenhang mit Comicfiguren konnte ich hier noch nicht erkennen. Schade, eigentlich.

  2. Kenne ich auch. Erst Huba, und, sobald das Kind reden kann, dann „wie kann ich das Selbstbewusstsein meiner Mutter in 30 Sekunden auf den Negativpunkt bringen“. Ich kam mir manchmal vor wie Quasimodo.

    Herzliche Grüsse von einer eifrigen Leserin aus São Paulo!

  3. Na, da würd ich doch mal meinen, dass ihr froh sein solltest, dass der Kleine nicht langsam gelb wird und schwarze Punkte bekommt. Und dann dieses Rumspringen…da kriecht man den ja gar nimmer gehalten 😉

  4. Die richtigen Bonmots kommen dann, wenn Kinder größere Kontexte zu erkennen in der Lage sind. Meine Tochter (damals im Volksschulalter) meinte eines Tages:“Du bist aber schon sehr alt, wenn es in deiner Kindheit noch keine CDs gegeben hat !“

    Die Schattenseite des schnellen technischen Fortschritts offenbart sich, indem das, was gestern noch topp war, heute schon Schrott ist. 🙂

  5. Stimmt! Schon mal versucht, einem ‚Zeigzeigzeig!‘ krähenden Kind zu erklären, dass es auf der analogen Fotokamera (ja, das sind die mit dem Film!) das soeben gemachte Foto nicht anschauen kann?

  6. Ach herjeh, ich glaub unser Kleiner spricht jetzt schon Dialekt: „Hnnngnuuuh“ scheint dann wohl das süddeutsche Pendant zu „Huba“ zu sein.

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