Symbolbild

Das vorläufige amtliche Endergebnis meiner Woche. Vom privaten Bereich mal abgesehen.

Freie Auswahl

Das Highlight des Tages war für mich der junge Mann, mutmaßlich Erstwähler, der am Nachmittag in der Wahlkabine neben mir saß, nervös mit den zahllosen Stimmzetteln zur Bürgerschaftswahl raschelte, leise beim Lesen der Kandidatennamen vor sich hinmurmelte, sich schließlich zu mir herüberbeugte und seine Erkenntnis zum neuen Hamburger Wahlrecht begeistert so zusammenfaßte: “Hey, der Hammer, ich hab ja zwölf Stimmen! Whow!”

Sonntagmorgen

Die Junghanseaten frühstücken wieder draußen, der Frühling naht.

Schöner scheitern

Ich kann aus dem Stand Vorträge über BWL-Themen halten, von denen ich keine Ahnung habe. Ich kann charakterliche Festigkeit soweit vortäuschen, daß ich als Ehemann und Familienvater ausgewählt werde. Ich kann dem Sohn gegenüber so tun, als könnte ich Schlaflieder singen und in ein paar Jahren werde ich sicherlich alle seine Warum-Fragen zu jedem beliebigen Thema wortreich beantworten können, ganz gleich, ob ich wirklich etwas davon verstehe oder nicht. Ich kann entgegen aller Wahrheit so wirken, als hätte ich eine gesunde Beziehung zu Zahlen. Ich kann problemlos über Bücher reden, die ich nie gelesen habe. Ich kann mir sogar selbst einreden, ich hätte keine Zahnschmerzen und ich kann auch dem Zahnarzt erklären, daß ich aufgrund meiner frei erfundenen Reisetätigkeit einfach nicht dauernd zur Vorsorge kommen kann. Alles gar kein Problem.

Aber es ist mir am Sonntag auch nach etlichen Versuchen nicht gelungen, eine Vierjährige auf dem Hamburger Fischmarkt davon zu überzeugen, daß es wirklich, wirklich Menschen gibt, die Aale essen.

Man kann durch Kinder schon mal an seine Grenzen kommen.

Schillernde Erfahrungen

Das Kind verlangt zusehends deutlicher nach abwechslungsreicher Unterhaltung. Ab einem gewissen Alter reicht es eben nicht mehr aus, immer nur einen roten Ball herumzuschubsen, einen Stoffhasen in Grund und Boden zu knuddeln oder einen Greifling gründlich einzuspeicheln. Es darf gerne etwas mehr sein. So probiert man als Elternteil herum, erfindet Turnübungen und lustige Geräusche, lernt endlich, wofür Tupperware wirklich gut ist und entdeckt an sich ganz ungeahnte Qualitäten als Klettergerüst. Und überlegt angestrengt weiter, was noch zur Erheiterung beitragen könnte.

Gestern haben wir versucht, das Kind mit Seifenblasen zu bespaßen. Es gibt immer noch die Marke Pustefix und dieses seifig-klebrige Gefühl an den Fingern, wenn man mit der schmierigen Dose herumhantiert, kommt einem seltsam vertraut vor. Das Kind guckt erwartungsvoll zu, während der Vater in der Dose rührt, pustet und dann – einfach so! – eine große Schar leuchtender Seifenblasen entstehen läßt. Aus dem Nichts. Man sieht dem Kind die fassungslose Begeisterung an, hingerissen beobachtet es den Flug der rosabunt leuchtenden Kugeln, die langsam tanzend zu Boden schweben, auf das Kind zu, das freudig die Arme nach ihnen ausstreckt. Die Seifenblasen landen auf Händen und Gesicht, platzen und sind weg.

Das Kind weint. Und da hilft es gar nichts, daß die Eltern oben mit der Dose herumwedeln, betont fröhlich sind und unentwegt ganze Heerscharen von neuen Blasen entstehen lassen und quer durch den Raum pusten, bis das Parkett ringsum von den tropfenden Resten eine sehr rutschige Piste wird. Das Kind hängt noch in dem Moment fest, als die allerersten Seifenblasen seines Lebens, die sich gänzlich unerwartet durch eine phantastische Zauberbegabung des Vaters materialisiert haben, gerade in dem Moment aufgehört haben zu existieren, als sie eben in Griffweite waren.

Man muß wohl erst etwas älter werden, um sich unentwegt mit der Produktion neuer Seifenblasen trösten zu können.