Neu auf dem Nachttisch

Alexandre Dumas: Die Kameliendame. Aus dem Französischen von Walter Hoyer. Zuerst erschienen 1848. Der Roman beginnt so:

“Gestalten erschaffen kann meiner Meinung nach nur, wer die Menschen lange Zeit erforscht hat, wie ja auch niemand eine Sprache beherrscht, der sie nicht gründlich erlernt hat. Ich selber habe freilich das Alter noch nicht erreicht, in dem man dichtet, und darum will ich mich auch begnügen, hier lediglich zu berichten. Das heißt der Leser darf von der Wahrheit dieser Geschichte überzeugt sein, deren Personen, mit Ausnahme der Heldin, alle noch leben. Überdies gibt es in Paris für viele der Geschehnisse, die ich hier vorbringe, genügend Zeugen, die sie bestätigen können, wenn man mir etwa nicht glaubt. Den Bericht niederzuschreiben aber ermöglicht mir ein seltsamer Zufall, denn mir allein sind die besonderen Zusammenhänge mitgeteilt worden, ohne welche er weder vollständig sein würde noch Anteilnahme zu erregen vermöchte.”

Hinterher: Bar 4.0

Die erste Ausgabe der Bloglesung Bar 4.0 im Javahouse fand am Sonnabend statt – und wie es war, kann man sehr schön bei Cem nachlesen, der den Abend souverän moderiert hat.

Vielen Dank an die Lesenden Isa, Lu und Mek – Dank natürlich auch den Leserinnen und Leser, die im Publikum waren – und bedanken sollte ich mich sicher auch beim Sohn, der schon zum zweiten mal eine Lesung seines Vaters mitgemacht hat, ohne im mindesten zu stören. Wobei es vielleicht ein wenig geholfen hat, daß er vor Heiserkeit kaum einen Ton herausbringen konnte, aber das wollen wir natürlich nicht so eng sehen.

Nachtrag: Alexander hat schöne Bilder gemacht und über den Abend geschrieben, Percanta hat auch und sehr charmant über den Abend geschrieben und Mek hat unfaßbar schön darüber getextet. Schöne Texte auch bei Lu und Isa!

Neu auf dem Nachttisch

Colette: Frauen – Erzählungen. Aus dem Französischen von Alexandra Auer. Zuerst erschienen 1949.

Die Geschichte “Rivalinnen” darin beginnt so:

“Hübsches Kleid”, befand Clara. “Doch mir scheint, Antoinette sieht nicht besonders gut aus. Vielleicht auch nur, weil ich mir wünsche, daß sie nicht gut aussehen soll. Wir werden ja sehen, was er davon hält. Wie kann ein Mann mit Geschmack sich bloß für eine Frau mit einer so hohen Stirn interessieren?”
Sie beugte sich über die Schulter einer jungen Frau, die auf einem der vergoldeten Stühle vor ihr in der ersten Reihe saß.
“Sind sie schwindelanfällig, Marise?”
“Schwindelanfällig? … Ja, allerdings”, antwortete Marise eilfertig. “Erinnern Sie mich nicht daran, allein bei dem Gedanken fühle ich schon ein Ziehen in den Waden…”
“Dann sehen Sie nur ja nicht auf Antoinettes Stirn. Die reinste Abfahrtpiste. Schneewüste, soweit das Auge reicht. Ihre Haare beginnen irgendwo dort hinten, weit hinter ihrem Kopf. Das ist… ich weiß nicht, wie ich es sagen soll… unanständig.”