Neu auf dem Nachttisch

Wolf Haas: Wie die Tiere. Der Roman erschien zuerst 2001 und beginnt so:

“Jetzt ist schon wieder was passiert. Und manchmal beneide ich die Vögel, die über dem Augarten kreisen und von der ganzen Sache nichts wissen. Weil als Vogel hast Du die berühmte Perspektive, du drehst deine Parkrunden, immer schön majestätisch. Du steigst vom Flakturm mitten im Augarten in die Luft und läßt die Liegewiesen unter dir vorbeiziehen, die Kinderspielplätze und die Hundezonen. Du schaust dir die Fußballfelder an, kreist mit der roten Laufbahn um die Wette, und über das blaue Kinderschwimmbad kommst du in den waldigen Teil hinüber mit den kreuz und quer laufenden Irrwegen. Da hast du als Krähe oder Mauersegler alles so schön im Blick, daß du aus der Distanz jeden auslachst, der wegen ein bißchen Mord die Fassung verliert.”

Papa

Natürlich ist es noch Zufall, wenn ein Kind mit acht Monaten Papa oder Mama vor sich hermurmelt, wenn auch ein Zufall von besonderem Liebreiz. Denn man kann es selbstverständlich nicht erwarten, daß der Nachwuchs endlich mit den ersehnten Silben anfängt und sie womöglich sogar bald zielgerichtet einsetzt.

Daß unser Sohn im Moment aber mit Feuereifer immer wieder zum Mülleimer in der Küche krabbelt, diesen mit großer Geste umarmt, zum Schwungdeckel aufsieht und dann “Papa!” sagt – das wird sich schon wieder geben, nehme ich an. Zumal meine Versuche, ihm im Gegenzug den Komposthaufen am Spielplatzrand als “Mama” zu verkaufen, natürlich nur im Bestreben um Fairness versteht sich, bisher leider fehlgeschlagen sind.

Spracherziehung ist auch spannender als man zunächst denkt.