Und nun zur Werbung

Diese kurzen Sätze, die vereinzelt auf den Produkten stehen, die man so aus dem Supermarkt mit nach Hause bringt, die liest man normalerweise nicht, oder zumindest nicht bewußt. Ist ja auch vollkommen egal, ob da auf dem Frischkäse nun „jetzt noch cremiger“ steht oder nicht, oder ob auf dem Bier der erlesen geistreiche Vorschlag „gut gekühlt genießen“ vermerkt ist. Solche Aufdrucke passieren das Gehirn ohne den geringsten Widerstand, gesehen, gelesen, gelöscht.

Heute stand ich aber doch länger sinnend vor einem kleinen Beutel mit Tomaten und besah mir immer wieder den kleinen Pappanhänger, der mich darüber informierte, daß die Tomaten Bio seien. Das wäre noch nicht bemerkenswert gewesen, aber das „Bio“ wurde noch weiter erläutert und präzisiert durch den überaus seltsamen Zusatz: „Von Hummeln befruchtet“.

Von Hummeln befruchtet – ein Satz, der mich vollkommen ratlos zurückläßt. Was sagt mir das? Ist das gut? Besser als von Bienen oder so? Und woher wissen die das? Kommen die Tomaten aus Treibhäusern, in die man ab und zu ein paar Divisionen Hummeln einfliegen läßt, damit sie da mal über die jungfräulichen Pflanzen, nun ja, rüberbürsten? Kommen sie aus dem Freiland und man beobachtet die Pflanzen mit Überwachungskameras, um sie dann später bei der Ernte zu sortieren und in getrennte Beutelchen zu packen – von Hummeln befruchtet, von Bienen, von Schmetterlingen, von was weiß ich?

Vielleicht schmecken hummelbefruchtete Tomaten besser als andere, kann ja sein. Vielleicht soll es mir auch nur freie Natur vermitteln und Assoziationen an freie Wildbahn und Natur wecken. Come to Hummel-Country, sozusagen. Ich verstehe es einfach nicht. Was sagen Lebensmittelexperten dazu?

Ich muß unbedingt mal nachsehen, ob auf der Bio-Schnitzelpackung nicht vielleicht „in Reetdachställen gezeugt“ steht.

5 Kommentare

  1. Psychologie. Hummeln stehen einfach für… pralle Lebensfreude. Keine Workaholics wie die Bienen, nicht so asketisch und militärisch wie diese Wespen. Genussfreudig und sympathisch. Wer würde sich nicht gerne mal von denen.

  2. Nicht ganz zufällig weiss ich, dass in Treibhäusern tatsächlich Hummeln ausgesetzt werden, damit sie die Pflanzen dort bestäuben. Es gibt extra Zuchtfirmen – die von der ich weiss liegt in Holland – wo Gemüseproduzenten die Tiere bestellen können. Diese werden dann per Post verschickt.
    Wieso aber Kosumenten mit dieser Information beglückt werden, ist mir auch ein Rätsel.

  3. Die Zucht von Hummeln zur Bestäubung scheint gar nicht so selten zu sein, denn Hummeln sind zur buzz pollination (http://en.wikipedia.org/wiki/Buzz_pollination) fähig.

    Ein Züchter von Hummeln ist z.B. biobest.be

    Das Ganze ist aber nicht so ungefährlich für die Hummeln der Umgebung, wie man vielleicht denken könnte:

    „But bumblebees are masters of buzz pollination — a fact that farmers did not think to exploit until Roland de Jog, a Belgian medical doctor and bumblebee enthusiast, came up with the idea of placing his pet bees among a friend’s tomatoes. The experiment was a huge success, and in 1987 de Jog founded Biobest, a company based in Westerlo, Belgium, that rears bumblebees and sells them to tomato growers in both Europe and the United States.

    In the early 1990s, a U.S. breeder shipped American bumblebee queens to Biobest. The resulting colonies were shipped back to the United States, carrying with them an infectious disease to which native American bees had no resistance. „That exotic disease wiped out Bombus occidentalis,“ says Robbin Thorp, who has documented the disappearance of the species, which was once commonly found everywhere from central California to British Columbia. The USDA restricts the use of bumblebees shipped from Europe, in an effort to keep them inside greenhouses and out of the wild. But the bees still escape, carrying infectious diseases with them. A recent study in Canada showed that levels of infectious disease are much higher among wild bumblebees near tomato greenhouses. Mistakes like these could cause other species to follow B. occidentalis into oblivion.“
    http://www.nrdc.org/OnEarth/06sum/bees3.asp

  4. Auf der Bierflasche, die ich am Samstag Abend leerte war ein goldenes Schildchen mit der wichtigen Information „aus heiler Welt“.

    DAS schmeckte gut.

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