Sonntagsväter

Während sich Väter an den Werktagen auf dem Spielplatz eher nicht blicken lassen, auch nicht nach Büroschluß, betreiben viele Frauen anscheinend Sonntagsboykott und schicken Ihre Männer an diesem Tag mit dem Nachwuchs alleine draußen spielen. An den Gesprächen, die die Herren dort mit den Kindern führen, kann man dann manchmal sehr schön die Besonderheiten der elterlichen Beziehung ablesen.

Ein Vater schaukelt sein Kind, das stark gelangweilt ist, weil es nicht doll genug geschaukelt wird. Der Vater will und will einfach nicht verstehen, daß man doch bis zum Himmel schaukeln muß, damit es richtig Spaß macht – er läßt eher unangebrachte Vorsicht walten und schubst nur dezent. Schließlich macht das Kind einfach die Augen zu, legt den Kopf nach hinten und singt halblaut und im Takt des schleppenden Schaukelschwungs: “Om… om… om.”

Der Vater hört einen Moment genau hin und fragt dann sehr scharf: “Om? Oh nee, was für eine Esoterik-Scheiße hat dir deine Mutter da wieder beigebracht?”

Neu auf dem Nachttisch

Graham Greene: Ein Sohn Englands. Aus dem Englischen von Gerhard Beckmann, der Roman erschien zuerst 1935 und beginnt so:

“Sie hätte auf ihren Liebhaber warten können. Seit einer Dreiviertelstunde schon saß sie auf dem Barhocker, von der Theke halb abgewandt, und beobachtete die Schwingtür. Hinter ihr türmten sich Schinkensandwiches unter einer Glasglocke; die Teemaschinen dampften. Als die Tür aufschwang, schwemmte von draußen Lokrauch herein, legte sich staubig über die Haut und wie ein Geschmack von Kupfer auf die Zunge. “Noch einen Gin”. Es war ihr dritter.