Neu auf dem Nachttisch

Bov Bjerg (im Bild beim Kaffee.Satz.Lesen): Dead Line. Der Roman erschien gerade eben und beginnt so:

„Da war ich sechs Jahre alt. Da war ich zehn Jahre alt. Da war ich gerade zehn, zwölf, fünf, acht, eineinhalb, elf Jahre alt. Ungefähr, erst, etwa, knapp fünf Jahre alt. Seit diesem Tag vor dreißig Jahren war ich immer pünktlich. Überpünktlich. Heute, im Beruf, ist das von Vorteil.“

Nachtrag zur Lesung

Wie bereits in einem Kommentar hier angemerkt, war der _____weiler so außerordentlich freundlich, die Lesung aufzunehmen und bei Blogread einzustellen. Man findet den Mitschnitt hier – leider sind durch eine gräßliche technische Panne die Beiträge von Isabo und Kid37 verlorengegangen. Man kann sich jedoch die Texte von Herrn Paulsen und von mir dort anhören.

Kommentare zur Lesung auch hier und hier – und man beachte hier den Kommentar von Herrn Handfeger.

Im Frühling geht die Lesereihe mit einer Sonderausgabe wieder weiter!

Saisonende

Mein Freund Stefan und ich, wir standen auf der Promenade und sahen zu, wie die Strandkörbe zusammengefahren, auf Transporter verladen und ins Winterlager gebracht wurden. Es nieselte schon den ganzen Tag und die Männer, die da unten auf dem Strand arbeiteten, sahen schlechtgelaunt aus. Sie trugen bunte Plastikregenjacken und Gummistiefel, in denen sie einen watschelnden Gang auf dem weichen Grund hatten. Sie gingen mit hochgezogenen Schultern hin und her, schoben Körbe durcheinander, gaben sich wedelnd Zeichen mit den Armen und brüllten sich hin und wieder an. Der nasse Sand war überall von Spuren übersät, die wild durcheinandergingen, Fußspuren der Männer, Reifenspuren der Transporter, tiefe Schleifspuren der Körbe, eine breit angelegte Wirrnis von Zeichen.

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Neu auf dem Nachttisch

Max Beerbohm: Suleika Dobson – eine Liebesgeschichte aus Oxford. Deutsch von Joachim Kalka. Der Roman erschien zuerst 1911 und beginnt so:

“Die alte Klingel, Vorzeichen eines nahenden Zuges, war soeben im Bahnhof von Oxford ertönt; die wartenden Studenten, in Tweed oder Flanell in froher Anblick, schlenderten zum Bahnsteigrand und schauten den Schienenstrang entlang. Jung und sorglos, stachen sie im Leuchten der Nachmittagssonne scharf von den abgewetzten Brettern ab, auf denen sie standen, von den verblaßten Signalschildern und ewiggrauen Mauern des alten Bahnhofs, der – ihnen vertraut und bedeutungslos – den Touristen immer noch mit einem fernen Zauber mittelalterlicher Verwunschenheit anhaucht.”

Neu auf dem Nachttisch

Hans-Ulrich Treichel: Der Verlorene. Der Roman erschien zuerst 1998 und beginnt so:

“Mein Bruder hockte auf einer weißen Wolldecke und lachte in die Kamera. Das war während des Krieges, sagte die Mutter, im letzten Kriegsjahr, zuhaus. Zuhaus, das war der Osten, und der Bruder war im Osten geboren worden. Während die Mutter das Wort “Zuhaus” aussprach, begann sie zu weinen, so wie sie oft zu weinen begann, wenn vom Bruder die Rede war. Er hieß Arnold, ebenso wie der Vater.”