Neu auf dem Nachttisch

Ingo Schulze: 33 Augenblicke des Glücks. Das Buch erschien zuerst 1995 und beginnt so:

“Ich will es Ihnen erklären: Vor einem Jahr erfüllte ich mir einen langgehegten Wunsch und fuhr mit der Bahn nach Petersburg. Ich teilte das Abteil mit einer frisch frisierten Russin, ihrem Mann und einem Deutschen namens Hofmann. Die Russen sahen in uns ein Paar, und Hofmann, als der Übersetzer ihrer Fragen und meiner Antworten, ließ sie wohl in diesem Glauben. Ich weiß nicht, was er ihnen noch alles erzählt hat. Sie lachten unentwegt und die Frau tätschelte meine Wange.”

Nane Aldä, Una!

Die sprachliche Entwicklung des Nachwuchses mag man sich romantisch vorstellen, tatsächlich aber landen wir schon mit dem allerersten aus mehreren Worten bestehenden Satz des Sohnes auf dem Boden der Tatsachen.

“Nane Aldä, Una!” ist eine vielleicht etwas kryptisch anmutende Mitteilung, die jedoch einfach wie folgt ins Elterndeutsch zu übertragen ist: “Banane Alter, Hunger!” Wobei das liebenswerte Kind vor dem Obstkorb steht, auf die entsprechende Frucht zeigt, äußerst ungeduldig guckt und mit dem Fuß aufstampft.

Ich könnte mich der Illusion hingeben, der Satz hieße in Wahrheit “Lieber Papa, gib mir bitte etwas Obst”, aber was soll’s. Auch mit grobem Undank muß man leben können.