Tips für Väter (20)

Wenn Sie ein noch sehr kleines Baby haben, finden Sie das erste Weihnachten mit Nachwuchs sicherlich romantisch. Wie nett, wenn sich der Kerzenschein in den Kinderaugen spiegelt! Dieses leichte Lächeln, wenn in den Weihnachtsliedern hier und da ein Glöckchen bimmelt, dieses friedvolle Rumgekuschel an den Feiertagen – sehr, sehr süß.

Schalten Sie aber rechtzeitig zum zweiten Weihnachtsfest mit Kind unbedingt wieder um und vergessen Sie den Romantikmodus komplett. Vergessen Sie auch Ihre Weihnachtsdekoration, die das Kind in diesem Jahr sowieso entweder zernagen, zerquetschen, zerreißen oder auf andere Art vernichten wird. Legen Sie keine Weihnachtslieder auf, denn das Kind möchte dazu tanzen und das möchte es natürlich erstens mit Ihnen und zweitens stundenlang. Wenn Sie einem tanzbegeistertem Kind aber erschöpft einen Korb geben, können Sie den Tag sowieso vergessen.

Vergessen Sie vor allem die so wichtige Zufuhr von Lebkuchen, Schokoladenweihnachtsmännern und Marzipan. Wenn Sie so etwas essen, will das Kind selbstverständlich sehr viel davon abhaben – es soll aber gerade jetzt vernünftige Ernährung lernen. Versuchen Sie, standhaft zu bleiben. Sie werden sich bald dabei erwischen, daß sie dem desinteressierten Kind mit gespielt verzückter Miene eine rohe Karotte vorknabbern, nur um Sekunden später heimlich auf dem Klo drei Lebkuchentaler gleichzeitig zu essen, während die mißtrauische Brut draußen an der Tür kratzt und fragend fiept. Besinnlicher Genuß ist etwas anderes.

Sie werden abends, wenn das Kind endlich friedlich eingeschlafen ist, gemeinsam mit der Mutter an den Schrank mit den Süßigkeiten stürzen, der seit Nikolaus prall gefüllt ist. Sie werden sich im Zuckerrausch mit ihr um die besten Stücke balgen, nur um irgendwann zu merken, daß ein wieder wach gewordenes Kind Sie schon seit Minuten fassungslos beobachtet und sein kleines Hirn die Szene emsig abspeichert, wahrscheinlich nur, um sie nach vielen Jahren auf einer Therapeutencouch wieder abzuspulen.

Machen Sie sich nichts vor – es ist eine schwere Zeit.

9 Kommentare

  1. Vorratsschrank…bei mir ist immer alles nach 5 Minuten weg gefuttert…das arme Kind, dass ich denn mal haben sollte, es wird nur noch ein stück rot-weißer Alufolie hinter seiner Mutter herfliegen sehen…

  2. schön* ich nehm das sehr ernst und werde dieses jahr genießen wie verrückt und viele fotos machen – falls ich mich im kommenden jahr wegen permanenter unterzuckerung nicht mehr daran erinnern kann.

  3. Ach was. Erstens lernt das Kind so lediglich die wahre Natur des Menschen kennen, der da sein Vater ist *hihi*, und zweitens: Wozu geht man denn im Dezember ins Büro? Ich weiß: Um dort den ganzen Tag mit Kollegen Dominostein-Schachteln aufzureißen und zu verspachteln!
    (Gruß aus der City Nord vom „Schokolaus“-Vernichter 🙂

  4. Wer sich von Kinderaugen aus der Fassung bringen lässt, hat ganz offensichtlich kein jahrzehntelanges Training gegen Hunde-, vorzugsweise Mopsaugen absolviert. Das Blag,das mich mit Blicken weichkocht, ist noch nicht geboren.

  5. Die heimlichen Naschmonster können ja nichts dafür, wenn Ihnen als Kind das süße Zeug zu knapp zugeteilt wurde. Vielleicht sollte Euer Sohn die Süßigkeiten verwalten, damit ihr endlich mal genug davon bekommt.

    @kiki: solange es keine passenden Kinder-Halsbänder auf dem Markt gibt, würd ich die Blagen-Produktion und Aufzucht sowieso lieber anderen überlassen.

  6. nun, unser Kleiner hat sich diesbezüglich gerade diese Woche (mit 14 Monaten) zu „selbst ist der Mann bzw. Windelflitzer“ durch gerungen….

    Seine Mutter packte gerade Weihnachtskörbe mit Süßigkeiten für Ihre Kunden – natürlich außerhalb der Reichweite von den kleinen Fingerchen.

    Als eine noch fest verschlossene Packung Gelekringel trotzdem in Sohnemanns Finger kam, sah sie das nicht als Problem.

    Erst als es im Zimmer ungewohnt ruhig wurde, kamen ihr Bedenken.

    Natürlich saß der kleine Mann in einer Ecke und aß genüsslich leckere Gelekringel, aus einer Packung, die selbst erwachsene Hände nicht ohne Probleme aufbekommen….
    Frei nach dem Motto, wo ein Wille ist, sind auch Süßigkeiten.

    Vielleicht lag Ihre Unbedarftheit auch daran, dass sie die Kringel, sagen wir mal nett ausgedrückt widerlich findet 🙂

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