Crisis? What Crisis?

Der bettelnde Mann vor dem Zeitungsladen, der immer so besonders zu unserem Sohn ist und dem wir gelegentlich ein paar Münzen geben, hat uns gerade erklärt, daß er das gesammelte Kleingeld ja nicht zum Leben brauche, sondern um an den Wochenenden mal in guten Restaurants essen zu gehen, denn das könne er sich heutzutage an den normalen Werktagen nicht mehr leisten.

Das war so einer der ganz wenigen Momente in diesem Jahr, in denen ich die Herzdame mal komplett sprachlos erlebt habe.

8 Kommentare

  1. Tja, Armut und Reichtum sind halt relative Begriffe. Ich gebe keinem mehr was, der nur die Mitleidstour drauf hat oder auf Droge ist. Irgendwas muss er/sie schon zu geben haben, um von mir was zu bekommen. That’s life, ohne Geben kein Nehmen.

  2. Allein für den seltenen Moment einer sprachlosen Herzdame war das Geld doch gut investiert?! Ich bin gerade durch Marokko gefahren. Wenn man denn eine vernünftige Schreibe hätte, könnte man da ein Buch schreiben über die Kultur von Betteln und Geben. Mein 7 Monate alter Sohn war übrigens mit in Marokko und es war toll den kleinen dabei zu haben.

  3. Ich persönlich werde nie vergessen, wie ich beim Sonntagsbrunch im Café den fünften Schnorrer in Serie, eine junge Punkerin, anblaffte: „Nee, aber hast Du vielleicht mal eine Mark für mich“, woraufhin die junge Frau sagte: „Na, klar!“ und mir ohne zu zögern eine Mark auf den reich gedeckten Tisch legte.

  4. Meine Unwilligkeit Bettlern in der Stadt was zu geben hat sehr deutlich eingesetzt, da ich zu Schulzeiten am Wochenende an einer Tankstelle gearbeitet habe. Die Herren (und es waren meist Männer) haben an der Tankstelle sich komplette Mahlzeiten und ihren Alkoholvorrat eingekauft. Dazu gab es dann den Text: ‚Wenn de Stütze wieder alle ist, geh ick halt wieder inner Wilmersdorfer betteln.‘

    Vielen Dank für die Information. Wer vorsätzlich sein weniges Geld verschleudert muss nicht von mir alimentiert werden.

  5. Vor einigen Jahren bekam ich mal folgende kurze Konversation mit:
    Junger Punker: Ey, haste mal ne antifaschistische Mark?
    Passant: Nö, aber wie wärs mal mit antifaschistisch arbeiten!

    Oder am S-Bahnhof Sternschanze:
    Ein anderer jugendlicher Punker: Alter, Kollekte für Verdreckte.
    Da gibt man gern.

  6. Es wäre zunächst zu klären, was der Mann unter einem guten Restaurant versteht – ich glaube nämlich nicht, dass damit ein Lokal mit Sternen und Hauben gemeint ist.
    Im übrigen denk ich mir, ich geb lieber einmal zuviel als einmal zuwenig …

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