Musikalische Früherziehung

Irgendwann bekommen Kleinkinder unweigerlich Instrumente. Von wohlmeinenden Großeltern, durchtriebenen Freunden oder auch den ahnungslosen Eltern selbst als Geschenk übergeben, bereichern Xylophon, Trommel, Tambourin oder auch Minikeyboard und Klimperphonium künftig den Alltag.

Kleinkinder reagieren in aller Regel begeistert auf Musikinstrumente und halten auch schon einmal verblüffend lange durch, sie zu malträtieren. Das kann, je nach Tageszeit und Situation, außerordentlich anstrengend sein und man kann generell ohne Übertreibung sagen, daß Musikinstrumente in einem Haushalt mit Kind eine Herausforderung darstellen. Und wenn man ehrlich ist und auf politische Korrektheit pfeift, kann man auch ergänzen, daß es tatsächlich Momente gibt, in denen man sich geradezu genötigt fühlt, die Krachattacken der Kinderinstrumente mit roher Gewalt zu beenden.

Ich habe zum Beispiel heute morgen, als ich über das Xylophon des Sohnes stolperte, in einem Anfall von musikalischem Ehrgeiz, der mir ansonsten vollkommen abgeht, des längeren versucht, „Hänschen Klein“ darauf zu spielen – und zwar ohne Noten oder andere Hilfsmittel. Nein, alleine! Nur nach Gehör und Intuition! Wobei ich tatsächlich die ersten 20 bis 25 Töne nach einer zugegeben recht langen Versuchsreihe tadellos zusammen bekommen habe und den Einstieg dann ziemlich flott mehrmals hintereinander fehlerfrei spielen konnte – bis mir der entnervte Sohn das Xylophon wegzog und auf den Kopf schmetterte.

Jetzt gilt hier bei der musikalischen Früherziehung, was in gefährlichen Berufen generell gilt: „Wir tragen alle Helm.“

13 Kommentare

  1. Ich hab da einen Tipp für Dich als „musikalischen Laien“.

    Entferne von dem Xylophon (oder ist es ein Glockenspiel?) von der Tonleiter, den 4., 6. und 7. Klotz. (Wenn es mehr als eine Tonleiter enthält, die entsprechenden anderen auch)

    Egal wie Dein Kind dann darauf herumspielt, es wird alles angenehm entspannend klingen.

    (Es sei denn das Xylophon ist chromatisch, äh, zweimanualig, weißt schon, wie ein Klavier mit schwarzen Tasten)

  2. Manuel meint Pentatonik. vermute ich mal. Da kann man in der Tat nur sehr schwer Mißklänge erzeugen 🙂

  3. Hallo,

    ich kenne mich da ja nicht so aus, aber ist es nicht bald Zeit fuer einen Laubsaegenkasten? Eine Laubsaege oder die beigelegte Bohrwerkswinde machen nicht viel Laerm, wenn sie in den eichernen Esstisch -ein Erbstueck der verblichenen Tante vermutlich- getrieben werden. Und danach dann der Radiomann. Da moechte man selber nochmal jung sein.

    Gruesse

  4. Irgendwie dazu passt die Schnurre, die Mark Twain in „Roughing it“ (deutscher Titel fällt mir gerade nicht ein) kolportiert:
    Einem hochgestellten Mormonen mit einer hohen zweistelligen Zahl an Kindern kommt ein Besucher ins Haus, der allen Kindern eine Trillerpfeife schenkt – die Folgen: Hörsturz des kompletten Haushaltes, der Besucher muss fliehen und wird – im Auftrag des Mormonen – von „Todesengeln“ (so nannten die Mormonen angeblich ihre Polizei – wie gesagt, Mark Twain ist der Autor) durch mehrere Bundesstaaten verfolgt (sie bekommen den Täter nicht zu fassen, soweit ich erinnere).
    Fazit: Lesen bildet und erspart Schmerzen.

  5. Da fällt mir die Geschichte mit unserem Kleinen ein, 10 Monate alt, auf der Autofahrt mit seinen abenteuerlustigen Eltern im alten Mercedes (und Campinganhänger hinten dran) in den ersten Urlaub seines Lebens nach Südfrankreich, als er von seinem Vater eine Minimundharmonika zum Zeitverteib geschenkt bekommen hatte. Er nahm die Mundharmonika fast während der gesamten Fahrt nicht mehr aus dem Mund und lernte das Ein- und Ausatmen mit Instrument. Es hat ungefähr 200 Kilometer gedauert, bis sein Vater endlich begriff, dass das „Spiel mir das Lied vom Tod“ von seinem Kleinen stammte und nicht vom Quietschen des Campinganhängers.

  6. Noch schlimmer als Klimperphonien (sehr schön :-)) sind Blockflöten. Wer hat eigentlich verkündet, dass das ideale Einsteigerinstrumente sind? Die sind das Grauen, an die Lippen gehalten. Orff’scher Gedengel-Kram ist auch nicht übel, das scheppert so schön. Aber der Gipfel sind batteriebetriebene Spielzeuge, die unmotiviert Piepstöne in „Für-Elise“-Form absondern. Wie zum Beispiel das pinkfarbene (!) Plastik-Bügeleisen (!!) das meine Nichte einst ihr eigen nannte. Das war so laut, dass der Vater des Kindes die Hohlräume mit Isoliermaterial ausstopfen musste. Vermutlich diente das Teil dazu, kleine Kinder dran gewöhnen, beim Bügeln als Erwachsene später miese Spielfilme anzusehen. Musikalische Früherziehung…

  7. @Lily:

    Auch Blockflöten gibt es in der von Manuel gepriesenen Pentatonik. Und es hilft wirklich ungemein, dass keine wirklich gemeinen Tonfolgen darauf gespielt werden können.
    Dank meiner Waldorferfahrung habe ich noch so ein Exemplar in einer meiner Schubladen vor sich hinmodern.

  8. @Kochschlampe: danke für den überaus interessanten Link, der mich echt zum Staunen brachte. „Flötenbeutel“ als Aufdruck auf Herren-Boxershorts hätte ich bei Waldorf nicht vermutet. Aber bitte hilf mir weiter! Was um alles in der Welt bedeutet: „Ranzenpost“ ???? Herzlichen Dank, Andrea

  9. Der Gedanke an Kinder, die ein Phallussymbol, wenn auch mit pentatonischer Tonfolge, in einem selbstgehäkelten Beutel um den Hals hängen haben, erfüllt mich mit tiefem Mitgefühl.

    *seufz*

  10. @Nachbarsdrache: Ranzenpost gab es bei uns nicht – von daher weiß ich nicht wirklich, was das sein soll.
    Aber bei uns hat sich auch niemand den Flötenbeutel um den Hals gehängt: er hätte sofort als letzter Depp gegolten. Wir galten eh als ein wenig renitente Klasse, da wir in der zweiten Klasse uns vor dem Eurhythmie-Unterricht in geschlossener Front auf die Stühle gestellt und dazu ‚Eurhythmie, Eurhythmie: sowas doofes gab’s noch nie!‘ skandiert haben.

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