Auf den Steinen sitzen

Sarah stand vor der kleinen Asia-Boutique am Travemünder Strand, in der sie schon seit zwei Sommern in den Ferien arbeitete und sortierte sehr bunte Seidenblusen auf einem Ständer. Ich saß auf einem Blumenkübel aus Waschbeton davor und wartete, daß sie Feierabend machte. Ein endloser Strom von Strandrückkehrern zog zwischen uns durch zu den Hotels, es war Zeit für das Abendessen. In meiner Augenhöhe nackte Kniekehlen, die meisten zu alten und dicken Beinen gehörend. Beine in allen verschiedenen Stadien der Bräunung, manche auch in frischem Krebsrot. Krampfadern, Falten, Hängewaden, Stützstrümpfe. Sandige Füße in Sandalen, grell lackierte Fußnägel, hin und wieder Kinderfüße, gelegentlich Tennissocken. Manchmal blieb eine Frau stehen und faßte nach den Blusen, sah nach den baumelnden Preisschildchen und fragte irgend etwas. Sarah sagte Größen, Farben und Preise auf, hielt Blusen hoch, holte andere aus dem Laden. Die letzten Sonnenstrahlen fielen auf die Markise über dem Schaufenster, Sarah stand in rotem Licht. Ihr braunes Haar wirkte rötlich, ihr weißes Top sah rosa aus, Erdbeervanille, lieblich süß. Es war heiß und unter der Markise staute sich die Luft, kein Hauch regte sich auf dieser Hausseite. Die Blusen rochen penetrant nach chemischer Reinigung und Sarah sicher auch, nahm ich an. Vielleicht würde ich es ja gleich noch herausfinden.

(mehr …)