Neu auf dem Nachttisch

Und dann gibt es Bücher, von denen ich keine Ahnung habe, wieso ich sie habe. Irgendwer wird sie empfohlen haben, ich weiß nicht mehr, wer es war. Vielleicht habe ich auch nur drüben bei Isa das Bild auf dem Titel gesehen und fand es gut, kann sein. Miranda July: Zehn Wahrheiten. Aus dem Amerikanischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann.

Der Band mit Erzählungen beginnt mit „Die gemeinsame Terrasse“ so:

„Es zählt trotzdem, auch wenn er bewußtlos war, als es dazu kam. Es zählt doppelt, denn das bewusste Denken kann irren, fällt oft auf den falschen Menschen herein. Doch am Grund des Brunnens ist kein Licht und nur tausend Jahre altes Wasser, nichts, was einen Mann veranlassen könnte, sich zu irren. Gott befiehlt es Dir, und du tust es. Er sagt, liebe sie, und so geschieht es. Es geht um meinen Nachbarn. Er ist koreanischer Abstammung. Sein Name ist Vincent Chang. Nein, Hapkido macht er nicht.“

Ich bin erst auf Seite 10 – aber die ersten 1o Seiten sind schon mal gut. Oder sogar sehr gut.

8 Kommentare

  1. „Vincent Chang“, das klingt eher nach einem Hongkong-Chinesen als nach einem Koreaner. Blödes Buch!

  2. Ich weiß nicht, was es mit dem Semikolon auf sich hat, aber dass ein Koreaner einen westlichen Vornamen hat, ist sowas von unwahrscheinlich, dass ich schon fast ausschließen möchte, dass er Koreaner ist. Möglich, dass seine Eltern Hongkong-Chinesen waren (oder sind) und ihm deshalb einen westlichen Vornamen gegeben haben und er dann später die koreanische Staatsbürgerschaft angenommen hat. Das würde dann eventuell auch erklären, warum er kein Hapkido macht. Steht denn in dem Buch drin, was für Sportarten er macht? Wäre natürlich verwirrend, wenn er jetzt Judo oder Karate machen würde. Will’s mal nicht hoffen.
    Mir hat mal ein koreanischer Bekannter erzählt, wie sehr er darunter gelitten hat, dass er gelockte Haare hat, weil seine Klassenkameraden ihn immer damit aufgezogen haben. Wie dreckig muss es da einem „Koreaner“ gehen, wenn er einen westlichen Vornamen hat!
    Tut mir Leid, aber ich kann dem Buch gegenüber keine positive Einstellung aufbauen, wenn das nicht geklärt wird. Es sei denn, es ist ein Science Fiction, dann könnte man darüber reden.

  3. Miranda July ist eine der großartigsten Independent-Künstlerinnen, die es derzeit gibt. Sowohl ihre Erzählungen, Ausstellungen als auch ihr Film „Me and You and Everyone we know“ sind Produkte mit Realismus vesehener Alltagsromantik, wie bei „Die fabelhafte Amélie“ (beispielsweise).

    ich kenne die Übersetzung des Buches nicht, aber „No one belongs here more than you“ (OT) ist ein wunderbares, kurzweiliges aber tiefgreifendes Buch.

    mehr von Miranda July:
    Kurzfilm „Are you the favourite person of anybody?“: http://www.youtube.com/watch?v=-t-5PLQgcSA
    Besuch ihres Exponats „The Hallway“: http://www.youtube.com/watch?v=-t-5PLQgcSA
    und noch das digital Art-Projekt „Learning to love you more“: http://learningtoloveyoumore.com/

    beste grüße.

  4. „Er ist koreanischer Abstammung“ bedeutet ja nicht unbedingt, dass er in Korea lebt oder dort geboren ist. Dass z.B. Amerikaner westliche Vornamen haben, ist nicht ganz unüblich.

    Schöner Anfang für ein Buch (darum gehts ja eigentlich).

  5. Aha, ein Amerikaner also. Jetzt macht es Sinn. Das hätte Merlix auch gleich sagen können. Wahrscheinlich spielt Vincent Baseball. Finde ich persönlich auch besser als Hapkido. Vielleicht lese ich das Buch dann doch noch.

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