Body & Soul

Ich stand auf dem Platz vor dem Strandbahnhof, von dem die Doppeldeckerbusse nach Lübeck abfuhren, und wartete. Es war kalt, und es fiel ein hauchfeiner Schnee, der die Straßen hellgrau einfärbte. Ich wartete allein, im Lichtkreis der Bogenlampen an der Haltestelle war niemand zu sehen, auch der Kiosk war schon geschlossen. Nur etwas weiter, am Rand des Platzes, bei einem Lebensmittelgeschäft, räumte jemand Obstkisten von der Auslage zurück in den Laden, es war Feierabend. Mir war kalt, und ich hüpfte etwas auf und ab, ich hatte nasse, eisige Füße in meinen durchgelaufenen Turnschuhen, und warum so ein dünner Bundeswehrparka wintertauglich sein sollte, hatte ich nie verstanden. Der Bus, auf den ich wartete, stand nur ein paar Meter entfernt auf seinem Pausenplatz, einem mit weißer Farbe auf den Asphalt gepinselten Rechteck. Der Busfahrer saß bei laufendem Motor rauchend am Steuer und las die Lübecker Nachrichten im Licht der kleinen Lampe über dem Armaturenbrett, seine Hemdsärmel waren hochgekrempelt, die graue Dienstjacke hing hinter ihm an einem Haken. Sein Platz war offensichtlich warm, und der Busfahrer sah gelegentlich mit einem Ausdruck der Belustigung auf mein frierendes Hopsen, die ganze Seelenlosigkeit seines Berufsstandes im Blick.

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