Zur technischen Kompetenz von Kleinkindern

Natürlich ist die technische Seite der Kindheit heutzutage mit früher nicht  vergleichbar. Als ich zweieinhalb Jahre alt war, in den Sechzigern, da gab es noch nicht so viel Technik im Haushalt und das, was da herumstand, das durfte ich selbstverständlich nicht anfassen. Nicht den Fernseher, nicht das Tonbandgerät, nicht die Maschinen im väterlichen Betrieb. Ich durfte diesen Dingen zusehen und zuhören, mehr aber auch nicht.

Sohn I dagegen kann so ziemlich alles bedienen, was bei uns an Geräten herumsteht, nicht unbedingt richtig, aber doch ansatzweise in der korrekten Richtung. Er kann die Spülmaschine starten, die Waschmaschine, den Staubsauger. Er weiß, wie man die Mikrowelle anwirft und daß sie klingelt, wenn sie fertig ist. Er kann CDs in die Anlage legen und auf „play“ drücken. Er kann Musik lauter oder leiser machen, er weiß, was die Maus am Computer macht. Er hat das Menü von Youtube verstanden und sucht sich seine Musikclips selber aus. Er ist ziemlich souverän, was Technik betrifft. Natürlich ist es kein Wunder, daß er Computer ganz normal findet, schließlich verbringen die Herzdame und ich nicht gerade wenig Zeit damit. Das ist alles verständlich.

Erstaunlich aber, daß er schon gemerkt hat, daß die Herzdame und ich in verschiedenen Computerwelten leben, sie in der von Apple, ich in der von Windows. Ich weigere mich in aller Regel so gut es nur geht, etwas mit ihrer Welt zu tun zu haben, was natürlich auf Gegenseitigkeit beruht. Wir wußten das vor der Ehe und haben trotzdem geheiratet, mangelnden Mut kann man uns beiden sicherlich nicht vorwerfen. Ein aktueller Versuch von mir, eines ihrer Altgeräte zu übernehmen, ist wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt. Ich fühle mich einfach unwohl in der Apple-Umgebung. Der Sohn dagegen wechselt leicht und selbstverständlich, Systemunterschiede sind überhaupt kein Problem für ihn. Ich dachte bis gestern, er bemerke sie überhaupt nicht, ich dachte, Computer sei für ihn Computer.

Ich stehe vor dem Computer der Herzdame, der sich anscheinend aufgehängt hat – was so ein toller Apple ja angeblich nie tut, es sei denn, ich bediene ihn – ich rufe nach der Herzdame und frage, wie man ihr gottverdammtes Spielzeug jetzt endlich ausbekommt. Der Sohn, der vor meinen Füßen mit Lego spielt, guckt kurz hoch, zupft mich am Bein, zeigt auf den Bildschirm und sagt mit verbindlichem Lächeln: „Klickst du Apfel.“

Zur technischen Kompetenz von Kleinkindern wollte ich nur eben anmerken: Sie überholen uns, sobald sie die erste Taste drücken können.

Update: Siehe zu diesem Beitrag auch drüben im Skizzenblog.

16 Kommentare

  1. Wow. Ist das normal für zweieinhalb Jahre? Ich kann das nicht beurteilen, da ich nie gemuttert habe, aber das beeindruckt mich jetzt sehr. Sehr cool, aber Sohn I verblüfft mich ja eh öfter, da ist das jetzt nichts Besonderes 😀

  2. Ja, das ist normal. Neulich hatte ich den besten Kumpel von Sohn I, genau so alt wie er, aus Spaß gebeten, die Waschmaschine zu reparieren. Er hat die Tür aufgemacht, sich die Sache angesehen und dann gesagt „Einen Maulschlüssel bitte.“ Ich wundere mich über gar nix mehr.

  3. *gg* jaja… kenn ich ich staun auch immer bauklötzer (kann man das eigentlich noch sagen oder sollte ich besser microchips staunen…ich schweif ab)
    gut mein kleiner s nu schon größer als ihr stammhalter, aber trotzdem ist es sehr verblüffend, was er alles so weiß wovon ich noch nicht wirklich ne ahnung habe, gerade auch im bereich pc

    lg
    fio

  4. Unser Töchterchen (3) kommt auch mit dem Grafiktablett besser zurecht als ich (das spricht aber vielleicht einfach für einen künstlerischen Begabungsvorsrung).

  5. Na ja, als zukünftiger Apfelnutzer weiss man die Feinheiten eben, selbst wenn man sie eigentlich nie braucht 🙂

  6. Wüchsen die Kinder fort, wie sie sich andeuten, wir hätten lauter Genies. (Johannwolfgangvongöte)
    *seufz*

  7. Mir fiel bereits bei den Omabesuchsplänen auf, dass SohnI mit Inversion spricht. Hier nun wieder. Macht er das immer? Ist das eine dialektale Variante oder ein individueller Zug?

  8. ER vermutlich schon – via Livestream! :-)))

    Meine Tochter hat mit ungefähr vier Jahren das Alphabet am Computer gelernt; das Spiel heißt „Schneemann“ und sie und ich erinnern uns noch immer begeistert daran.

  9. tja, dem Sohn I steht die Welt offen. heut zu tage gehört es ja zum guten ton mehr als eine sprache zu beherrschen. gilt übrigens auch für apple, windows und consorten.

    kinder sind einfach genial und zeigen in einer unschuldigen art und weise, wie zurück wir als eltern sind. nach einigen tipps auf diversen web seiten bezüglich, wie bekomme ich mein kind dazu, nicht gleich den pc abstürzen zu lassen, gabs den genialen tipp, eine alte tastatur dem kind zu geben und dann tippen zu lassen. soll wohl wunder wirken … ääääääääääääääääääääheeeeeeeeeeem … ja wunder, nach 5 minuten hat meine, nun am 15. märz endlich stolze 18 monate alt, die tastatur weggeworfen und nach der anderen lautstark verlangt … schade, tipp war gut, nur anderen kinder wohl dumm, meine hat es sehr schnell gecheckt, dass die andere nix funktioniert. gemecker war auch irgendwie anders, es kam mit übersetzt wie folgt vor:

    mamaaaa! willst du mich verarschen? brauch dich nicht dafür, kann ich selbst. so und nun sei lieb und gib mit die verdammte tastatur!!!!

    na herzlichen glückwunsch … nun pc und tastatur nur noch ab 19:30 uhr, wenn monster tief schläft … pech gehabt.

  10. Pingback: Ditschitel Nätifs vs. Ditschitel Rollator

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