Realismus für Anfänger

Wir sitzen am Sonntagnachmittag in der Küche und trinken Kaffee. Sohn  I langweilt sich etwas und beginnt, die Schränke auszuräumen. Schüsseln, Schalen, Töpfe, alles wird auf dem Fußboden neu arrangiert. Dann füllt er die herumliegenden Bauklötze seines kleinen Bruder in einen Topf. Schön, denke ich, diese angenehme Phase der Phantasiespiele, ganz einfache Haushaltsgegenstände reichen aus, um sich stundenlang zu beschäftigen, aus der Backform wird ein Herd, aus den Bauklötzen Gemüse – und man muß als Vater nichts dabei tun. „Na, mein Sohn“, sage ich, „kochst du uns ein leckeres Abendessen?“

Er guckt mich irritiert an und sagt dann: „Nein. Stapel ich nur Bauklötze in einen Topf.“

10 Kommentare

  1. Irgendwann sehr viel später wird Sohn I erzählen, dass bei seinem Vater schon in relativ jungen Jahren erste Anzeichen von Senilität zu erkennen waren … 🙂

  2. Das verträumte und romantische am Kinderleben haben Erwachsene erfunden, die Betroffenen selbst scheinen nicht infiziert 🙂

  3. Meiner macht das noch perfider. Erst erklärt er mir das der Bauklotz, den er mir jetzt gerade hingestellt hat eine Tasse Kaffee darstellt, die ich jetzt verschütten müsste (damit er den Fleck mit einem Tuch wegwischen kann) und wenn ich dann mitspiel guckt er den Tisch an und sagt: „Baustein macht kein Kaffeefleck.“

  4. Tränen gelacht!
    🙂
    Ich liebe Deine Anekdoten.
    (Vermisse immer noch ein Nachfolgende-Kommentare-Plugin hier, dann würde ich öfter mal was schreiben… schade!)

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