Wirtschaftsnachrichten

Ich schiebe einem Apotheker drei Rezepte über den Tresen.  Er sucht in seinem Lager und kommt dann wieder an die Kasse.

Apotheker: Zwei davon habe ich da.

Ich: Ah ja.

Apotheker: Das hier, das müßte ich aber bestellen.

Ich: Nein danke, dann frage ich gegenüber mal.

Apotheker: Ich kann es bestellen!

Ich: Nein danke. Ich frage gleich mal gegenüber.

Apotheker: Das können sie doch nicht machen!

Ich: Äh, doch. Kann ich.

Apotheker: Sie waren zuerst bei mir!

Ich: Ja. Und jetzt gehe ich in die andere Apotheke.

Apotheker: Wenn die es auch nicht haben, kommen sie dann wieder? Und bestellen hier?

Ich: Äh…

Apotheker: Hier waren sie zuerst!

Ich: Mal sehen.

Apotheker: Ich kann es ihnen natürlich auch sofort bestellen.

Ich: Nein, danke. Ich frage drüben mal.

Apotheker: Aber dann wiederkommen!

Ich: Mal sehen.

Apotheker: Ich würde sie anrufen, wenn es reinkommt!

Ich: Tschüß dann.

Apotheker: Warten sie, nehmen sie noch ein paar Bonbons mit.

Und damit reichte er mir zwei Handvoll Traubenzuckerbonbons. Habe ich eventuell irgendeine Gesundheitsreform verpaßt, die aus Apothekern über Nacht notleidende Normalverdiener gemacht hat?

15 Kommentare

  1. Früher haben sich die Apotheken gegenseitig bis aufs Messer bekriegt und verklagt; heutzutage scheinen sie wohl das Hirn aktiviert zu haben und versuchen es mit „Kundenbindung“.

  2. zumindest bemühen die sich um kunden. in unserer apotheke bin ich schon sehr froh, wenn die dame mir guten morgen sagt. ein lächeln habe ich da noch nie gesehen.
    die einzige apotheke im dorf, zwei ärzte im selben haus, da hat man sowas wohl nicht nötig.

  3. Ohje. Der war aber verzweifelt, waren es so teure Medikamente? (Oder eine entsprechende Gewinnspanne?)

  4. Eigen. Vor allem die Situation, dass sich zwei Apotheken in unmittelbarer Nachbarschaft befinden, denn hier in Österreich kenne ich das nicht. Vermutlich existiert bei uns eine Art Gebietsschutz – oder ein gesunder Selbsterhaltungstrieb, der besagt, wenn das Geschäft gut für einen reicht, heißt das noch lange nicht, dass auch zwei ihr Auslangen finden.

  5. Offenbar ist das irgendwie flächendeckend: mir hat vorhin ein Apotheker eine ebenso kosten- wie sinnfreie Belehrung zukommen lassen, dass meine Frau das Antibiotik nicht mit Milch einnehmen dürfe, 1 Std. vor und nach der Einnahme keine Milch trinken, aber sehr wohl in Milch baden dürfe! Komische Menschen, diese Apotheker 😉

  6. @Kat: Normale Kinderpräparate, so ziemlich in jedem Elternhaushalt vorhanden.
    @Walküre: In unserer nächsten Umgebung sind sieben Apotheken. Aber das ist in Deutschland nicht ungewöhnlich.

  7. Welch Spaß wenn diese Form der Kundenbindung die 8 Bäcker und 12 Kaffeeläden unserer langen Strasse erreicht. 🙂

  8. Maximale Besserung an den Nachwuchs! Damit die nächste Wirtschaftsförderung dann besser in der Eisdiele als beim Apotheker investiert werden kann.

  9. Lustig, ich habe heute hier fast das gleiche erlebt.
    Düsseldorf. Grafenberger Allee. Wer die kennt, weiß: Da ist eine Apotheke neben der anderen. Ich frag mich eh immer, wie die überleben.
    Die Apothekerin hat mich zumindest fast angefaucht, als ich sagte: „Dann frage ich lieber erstmal woanders“ auf ihr „ich kann das bestellen“….
    😉
    Nunja.

  10. Pingback: Feine Leine

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