Junge Liebe

Es hätte meinetwegen gerne so weitergehen können, es ließ sich auch so gut an. Diese zaghaften ersten Küsse, dieses liebevolle Haarestrubbeln, das zunächst flüchtige Umarmen, das ganz langsame Steigern zum stürmischen Knutschen, über Wochen ausgedehnt. Man hat ja Zeit, wenn man so jung und jeder Kuß eine spektakuläre Erfahrung ist. Wir haben das gerne gesehen, wie er sie zum ersten mal auf den Schoß nahm, wie seine Augen leuchteten, wenn sie den Raum betrat, wie sie in seine Arme lief und wie die beiden sich zur Wahrung der Intimsphäre in eine versteckte Ecke des Raumes zurückzogen. Das war schon alles sehr vielversprechend und ich zog daher schon einmal Erkundigungen ein, als Vater ist man ja mitverantwortlich. „Sohn“, sagte ich, „das ist eine gute Wahl, ihre Eltern haben ein Restaurant. Jetzt dranbleiben.“ Er sah mich an und nickte lächelnd. Die Zukunft schien vielversprechend.

Es hätte so nett sein können – hätte, hätte. Seit seine Kita-Freundin aber gestern im fortgeschrittenen Liebeswahn alle brandneuen Piraten-Tattoos von seinen Armen geleckt hat, zweifelt Sohn I  plötzlich doch an der Tragfähigkeit der Beziehung. Er wirft ihr auch eine zu starke Fixierung auf körperliche Aspekte vor: „will sie immer nur küssen.“

Ich fürchte, wir müssen mit einer Trennung rechnen.

Neu auf dem Nachttisch

Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an Gerbrand Bakker, dessen „Oben ist es still“ aus gutem Grund ein internationaler Erfolg geworden ist. Von diesem Autor nun ein neues Werk: „Juni“. Fängt genauso schnörkellos gelungen an wie das vorige Buch, spielt auch in ähnlicher Gegend – und ich mag ja sowas, wenn man auf etwas Ähnliches hofft, und es dann auch bekommt. Viele Autoren geben sich Mühe, von Buch zu Buch ganz andere Menschen mit ganz anderem Stil zu werden, das habe ich nie recht einsehen können und meistens auch nicht gemocht. Das Buch erschien gerade erst, wurde von Andreas Ecke übersetzt und beginnt so:

„Gleich kommt Slootdorp“, sagte der Chauffeur. „Dort übernimmt sie ein neuer Bürgermeister“.

Sie schaut hinaus. Rechts und links breite Streifen Weide- und Ackerland, deren Ende nicht zu sehen ist. Hier und da ein klobiger Bauernhof mit rotem Ziegeldach. Zum Glück regnet es nicht. Rechts wird die Sicht teilweise von C.E.B. Roell versperrt, die in ihren Papieren liest; bestimmt irgend etwas über das Dorf, zu dem sie unterwegs sind. Sie zieht die Handschuhe aus, legt sie auf den Schoß und klappt den Aschenbecher auf. Roell seufzt. Einfach ignorieren.“

Es ist die holländische Königin, die hier über Land fährt und schon der Einstieg in die Geschichte, ein Besuchstag der Königin in der Provinz, ist das ganze Geld wert. Dringende Empfehlung.

Isa in Bewegung (3)

Die Reihe wird fortgesetzt, und zwar mit allen Mitteln, die Frau traut sich ja was. Für die neueste Folge habe ich ihr eines meiner Lieblingssportgeräte geliehen – gucken Sie mal hier.

Neu auf dem Nachttisch

Peter Rühmkorf, den habe ich schon als Kind gelesen, weil sein großartiges Buch „Über das Volksvermögen” zuhause  im Regal stand und ich es sehr unterhaltsam fand. Wenn Sie das nicht kennen sollten, das ist eine erstaunliche Sammlung von Abzählreimen, Kinderversen, Schlagerparodien und anderem, eine wilde Mischung aus Straßenlyrik, die kein Dichter je so gemeint hat, aber die das Volk so geprägt hat. Nicht lyrisch vergoldet, nicht unbedingt jugendfrei, nicht zensiert. Ein schönes Buch, auch heute noch lesbar und interessant.

Aber jetzt auf dem Nachttisch: Haltbar bis Ende 1999 – Gedichte. Am Abend ein zwei Gedichte, das geht schon, da wird man nicht gleich irre von und grübelt am nächsten Tag über eigenen Sonetten. Zwei Gedichte, das kann man verkraften, wenn man sonst seelisch gesund ist. Aber wer ist das schon.

Ich zitiere den Anfang des Gedichtes „Der getreue Don Juan“:

Keinen Grund gefunden habend,

kein Warum? und kein Voran!

Aber so und heute abend

Kommen wir und sehen uns an.

In den letzten Kunstlachsröten

Dreimal ums Karree gelatscht;

Keinen Lebensbund zu löten,

nichts! Das Lied ist ausgebratscht.