Neu auf dem Nachttisch

Draußen ist schönstes Herbstwetter, da kann man sich ja einmal ein etwas dickeres Buch vornehmen, jetzt, wo die Abende anscheinend wieder länger und kühler werden. Herman Melville: Moby-Dick,in der neuen Übersetzung von Mattias Jendis. Das Buch erschien zuerst 1851 und beginnt mit einem ziemlich berühmten ersten Satz, mit dem, wenn ich mich recht erinnere, auch der Film beginnt.

„Nennt mich Ismael. Ein paar Jahre ist’s her – unwichtig, wie lange genau, da hatte ich wenig bis gar kein Geld im Beutel und an Land reizte mich nichts Besonderes, und so dachte ich mir, ich wollt ein wenig herumsegeln und mir den wässerigen Teil der Welt besehen. Das ist so meine Art, mir die Milzsucht zu vertreiben und den Kreislauf in Schwung zu bringen. Immer wenn ich merke, daß ich um den Mund herum grimmig werde; immer wenn in meiner Seele ein nasser, niesliger November herrscht; immer wenn ich merke, daß ich vor Sarglagern stehenbleibe und jedem Leichenzug hinterhertrotte, der mir begegnet; und besonders immer dann, wenn meine schwarze Galle so sehr überhandnimmt, daß nur starke moralische Grundsätze mich davon abhalten können, mit Vorsatz auf die Straße zu treten und den Leuten mit Bedacht die Hüte vom Kopf zu hauen – dann ist es höchste Zeit für mich, so bald ich kann auf See zu kommen.“

Ansonsten muß man zu Moby-Dick sicher nichts sagen, das wird jeder mehr oder weniger kennen, auch wenn es kein Schwein wirklich gelesen hat. Mal sehen, wie weit ich damit komme, bevor es Frühling wird.

9 Kommentare

  1. Nö. Mehr als „das ist doch das mit dem Wal“ weiß ich nicht.
    (Doch, ich weiß, dass es noch eine Neuübersetzung gibt, von Friedhelm Rathjen, die nach allem, was man so hört, das schlechthinnige Grauen und unlesbar sein muss.)

  2. („Nö“ bezieht sich auf Merlix‘ vorletzten Satz. Nicht auf Marcus. Matthias Jendis‘ Übersetzung ist natürlich super.)

  3. Ich kenne Moby Dick tatsächlich nur aus Erzählungen und aus dem Fernsehen. Interessant vor allem auch die Einleitung zu dem Post 🙂

  4. „Moby Dick“ gehört zu jenen wenigen Büchern, die ich niemals ganz gelesen habe, weil ich einfach keinen Zugang finde. Es strotzt für mich von – hoffentlich überkommenen – Männerklischees, und ich meine, dass sich diese Lektüre mir auch in meinem jetzigen Alter nicht erschließt. Hm.

  5. Für mich ein Buch bei dem es völlig ausreicht zu wissen, dass es existiert 😉 Lies aber bitte schneller. Die Wetteraussichten für die kommenden Tage lehren mich das Gruseln.

  6. ebenfalls gelesen. gerade erst. auch jendis. und sogar gern gelesen. auch wenn zuweilen die längen immer länger wurden. und man irgendwann vor lauter netzen und apparaten kaum den wal noch sah.

  7. Pingback: Ein Buch aus deiner Kindheit | e13.de

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