Witzwort

Witzwort ist sicherlich einer der besseren Ortsnamen auf Eiderstedt, in solchen Orten könnte man sich eine Adresse vorstellen. Eher zum Beispiel als im benachbarten Kotzenbüll, ein Ort, der einem sprachlich etwas benachteiligt vorkommt.

Vor Witzwort galoppieren junge Kühe über einen Acker, schneller und eleganter als man sich so etwas vielleicht vorstellt. Sie springen herum und jagen über den Löwenzahnteppich, sie schlagen aus und bocken, es ist die die reine, frühlingshafte Lebensfreude. Ich stehe mit Sohn I am Gatter und sehe den Kühen zu, wir haben am Straßenrand gehalten, weil Sohn II gestillt werden muß, wenn man zwei Kleinkinder im Auto hat, kommt man nicht sehr weit. Wenn man dann gerade in Nordfriesland ist, kann man damit allerdings ganz gut zurechtkommen. Der Sohn guckt fasziniert dem Kuhsport zu, die Tiere laufen weiter im Kreis über die Weide, bleiben stehen und rennen wie auf Kommando plötzlich wieder los. Direkt vor ihnen her fliegt jetzt eine Schwalbe in besonders wildem Zickzack, als ob sie es für ein Spiel halten würde, sich mit den großen Tieren auszutoben. Für einen Moment sieht es ganz aus, als wären die Kühe hinter dem Vogel her, denke ich amüsiert. „Jagen die Vögel!“ schreit da der Sohn schon und er ist ehrlich schockiert, denn er hat über Kühe schon wirklich viel vorgelesen bekommen, aber daß sie Vögel fressen, das ist ihm neu. „Jagen die Vögel!“ ruft er wieder aufgeregt und zeigt mit dem Finger auf die Killerkühe. Er fragt mich, ob sie beißen können, er fragt mich, ob sie auch andere Tiere fressen, er fragt mich, ob sie sehr gefährlich sind, er geht doch lieber ein paar Schritte zurück.

Ich erkläre ihm, daß Kühe nur Gras fressen und daß der Vogel nur zufällig gerade vor ihnen hergeflogen ist. Er sieht mich mit dem Blick eines schlauen Kindes an, das genau weiß, wenn Erwachsene ihn veralbern wollen. Er hat sie ja gesehen, die Raubkühe hinter Witzwort. Man erkennt als Vater, wenn im Kind gerade etwas eingerastet ist und man weiß natürlich auch, wann man sich besser um eine Korrektur bemühen sollte. Ich werde mit dem Kind also heute noch ein paar Stunden an irgendeinem Kuhgatter stehen müssen, um den Beweis zu erbringen, daß sie wirklich, wirklich nur am Gras herumrupfen. Wahrscheinlich werde ich sie streicheln müssen, um zu zeigen, daß sie nicht bissig sind. Ich werde womöglich sogar ein wenig zwischen den Kühen herumgehen müssen, um ihre Friedlichkeit zu demonstrieren. Und ich werde vorher genau nachsehen, ob es auch keine Bullen sind.

6 Kommentare

  1. Hinter meinem Hund sind die Kühe schon mal bedrohlich her gelaufen und auch mir gegenüber verhielten sie sich damals nicht gerade freundlich, sondern eher bedrohlich. Ich lief jedenfalls vor ihnen davon.

  2. Vertraue dem Instinkt des Kindes. Kühe, besonders wenn sie Kälber haben, sind nicht ungefährlich. Erst letztens wurde eine Schweizer Bäuerin von einer Mutterkuh totgetrampelt.

  3. Kühe können beißen. Sie reißen zwar kein Fleisch raus wie Raubtiere, der dafür hat man das Gefühl die Hand ist in eine Presse geraten, die gerade mit 1000 Tonnen druck presst. Außerdem können sie in alle Richtungen austreten, obwohl sie ja so ein bisschen ungelenkig und steif aussehen.
    Erzählen Sie das nicht ihrem Jungen, das macht ihm nur Angst. Denken Sie aber daran, wenn Sie versuchen eine Kuh anzufassen!
    (Ich hab als Kind mal 14 Tage Ferien auf dem Bauerhof gemacht, als naives Stadtkind unter abgebrühen Monstern)
    Ach, und vergessen Sie die Elektrozäune nicht…

  4. Wir waren mit unseren Pferden bei einem Bauern eingemietet und und lernten dort sehr viel über Kühe. Kühe mit Kälber können schnell zur Lebensgefahr werden, also nie in die Nähe gehen und auf keinen Fall über eine Wiese gehen wo Mutterkühe mit ihren Kälbern sind. Kühe können sehr schnell rennen!!

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