Neu auf dem Nachttisch

Während bei Moby-Dick in epischer Breite um Seite 250 herum Walarten und –unterarten definiert und erklärt werden und zum ersten Mal ein klein wenig der Wunsch aufkommt, zwanzig Seiten vorzublättern, wobei man aber leider Perlen wie etwa den ersten Zusammenstoß von Kapitän Ahab mit dem zweiten Steuermann Stubbs verpassen könnte, und während Peter Rühmkorf sich andererseits als prima Buch für einen anderen Ort, Sie wissen schon, erweist, erscheint es als nette Option, noch ein drittes Buch anzufangen.

Vicki Baum: Es war alles ganz anders – Erinnerungen. Vicki Baum, die kennen Sie natürlich von „Menschen im Hotel“, ein Buch, das ich immer als seltsam unterschätzt empfand. Es wird meist mit einem geringschätzigen Lächeln abgetan, dabei ist es ein ganz wunderbarer Roman. Wer nur den Film kennt – Lesen lohnt sich. Nun also Ihre Memoiren, die sie nicht selbst zu Ende schreiben konnte, sie wurden von der Schwiegertochter aus den Notizen und Manuskriptseiten zusammengebastelt. Das Buch erschien 1987 und beginnt so:

„Kurz nach meinem siebzigsten Geburtstag fuhr ich noch einmal von meinem Heim in Hollywood nach New York. Nirgendwo unterwegs, in keinem der zahllosen, kleinen Antiquitätengeschäfte an den Autostraßen, nirgendwo auf diesen langen dreißigtausend Meilen durch den weiten Kontinent fand ich auch nur eine einzige Antiquität, die älter gewesen wäre als ich. Da war er wieder, zusammengetragen für den Verkauf zur Schau gestellt, der ganze verworrene, krause, fransenbesetzte und mit Quasten geschmückte Ramsch, womit die Zimmer meiner Kindheit vollgestopft waren.“

5 Kommentare

  1. Moby Dick habe ich vor so langer Zeit gelesen, dass ich es bestimmt als ein neues Buch empfinden wuerde. Also irgendwann einmal. Und das lesen von drei Buechern auf einmal brachten mir meine ‚kleinen‘ Brueder bei, und ich finde es super. Ja, und Vicki Baum hab ich auch noch hier in NJ – genau, Menschen im Hotel.
    Und ich lese gerade den letzten/dritten Band von Stieg Larsson, der hier ‚The girl who kicked the hornet’s nest‘ heisst.
    Viele Gruesse, und danke fuer interessante und lesenswerte posts.

  2. Wird in der Biografie auch ausführlicher auf ihre Kindheit und Jugend in Wien eingegangen oder findet sich diese Lebensphase nur als Streiflicht ?

  3. Da scheint Melville mit den „großen“ französischen Romanciers Dumas und Hugo etwas gemeinsam zu haben. Bei diesen erklärt es sich, sie wurden nach Zeilen bezahlt… und so könnte man die Trypticha „Les Misérables“ oder „Graf von Monte Cristo“ gern um einen Band kürzen, ohne Wesentliches zu verlieren.
    Wie mag es wohl darum stehen bei Prousts „Suche nach der Verlorenen Zeit“? (OK, das war böse.)

    ich lese gern drei, vier, fünf Bücher durcheinander.

  4. Ahem… Also ich kenne mindestens ZWEI Filme – und mochte den deutschen etwas mehr leiden, was Rühmann geschuldet ist, den wiederum ich in manchen Filmen für unterschätzt halte 😉

    Und das Buch steht hier bei mir im Regal – ganz wunderbar. Es atmet so ein wenig tragische Heiterkeit wie bei Kästner (‚Fabian‘) vielleicht. Seltsam. Ich glaube fast so schreibt heute keiner mehr…

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.