Neu auf dem Nachttisch

Eines dieser Bücher, die einem in Hände fallen, wenn im Regal nach etwas ganz anderem sucht und an deren Lektüre man sich nicht mehr recht erinnern kann, außer einem diffusen „war nett“. Also noch einmal genau nachgesehen: Erich Kästner – Als ich ein kleiner Junge war. Das Buch erschien zuerst 1957. Nach den ersten Seiten erscheint es mir wesentlich onkelhafter, als ich Kästner eigentlich erinnere und der allzu üppige Gebrauch von Ausrufezeichen nervt doch sehr, aber wahrscheinlich bin ich einfach nur schlecht gelaunt. Das Buch beginnt so:

„Wer von sich selbst zu erzählen beginnt, beginnt meist mit ganz anderen Leuten. Mit Menschen, die er nie gesehen hat und nie gesehen haben kann. Mit Menschen, die er nie getroffen hat und niemals treffen wird. Mit Menschen, die längst tot sind und von denen er fast gar nichts weiß. Wer von sich selber zu erzählen beginnt, beginnt meist mit den Vorfahren.“

Und meine schlecht gelaunte innere Stimme sagt schon zu diesem ersten Absatz: „Nein, was für ein Unsinn. Warum hat denn das „meist“ keiner gestrichen? Wo es doch so offensichtlich nicht stimmt?“

2 Kommentare

  1. Für mich die erste Autobiographie die ich je gelesen habe. Nachdem die Kinderbücher von E.K. durch waren, entdeckte ich dieses im Bücherregal meiner Eltern. Damals habe ich noch nicht alles verstanden, aber ich liebe dieses Buch, liebe alle Bücher von ihm und lese sie auch alle wieder und wieder.
    Und habe in München sein Grab besucht und ihm im Stillen für viele Stunden lesen gedankt.

  2. Aber das, was er – vielleicht onkelhaft – erzählt, finde ich sehr verstörend, die Eltern, die noch verheiratet wurden und nichts miteinander anfangen können, Vater zieht sich resigniert zurück, Mutter ist manisch-depressiv und klammert sich an den Sohn, der versucht, das alles zu stemmen. In den anderen Büchern ist das so gelöst, dass es keinen Vater gibt, aber immer den verzweifelt perfekten Sohn. Interessant übrigens: In „Der kleine Mann“ gibt es erstmals eine Vaterfigur, da war Kästners Mutter schon tot und der Vater hatte noch ein paar gute Jahre. Psychokram ich weiß ….

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