Kleine modische Empfehlung für Leserinnen

„Man sieht wieder viel zu viel Haut“ stellt Kollege Mek hier drüben vollkommen zu Recht fest. Die Erkenntnis des späten Sommers, daß dem nordeuropäischen Menschen der Sommer im Grunde genommen modisch nicht recht steht, das wäre jedenfalls meine Deutung – vielleicht meint er aber auch etwas ganz anderes, das tut hier gar nichts zur Sache. Wie übrigens auch der Winter, wenn wir schon bei Kleidung sind, modisch auch nicht eben vorteilhaft für uns ist. Wir sind kollektiv eher so Übergangsjäckchentypen, das muß einem ja nicht peinlich sein, das kann man einfach mal hinnehmen. Wir sind vom Typ her für Frühling oder Herbst geschaffen. Man merkt das deutlich, wenn der modische Wechsel nach dem Ableben des Sommers oder des Winters einsetzt und man plötzlich alle möglichen Menschen wieder halbwegs schick findet. Herbstmode ist in aller Regel großartige Mode. Natürlich kann man nicht jedes Jahr mit allen Aspekten der Herbstmode einverstanden sein, mal mag man eine Farbbetonung nicht, mal hängt einem das ewige Betonen der ach so der neuen Romantik zum Hals heraus, mal ist einem nicht nach Strick und Wildleder – egal, unter dem Strich ist es doch meist ein erfreulicher Wechsel vom Sommer zum Herbst. Nach diesem speziellen Sommer übrigens, der uns das Wiedersehen mit den Leggins brachte, den untoten Beinwürsten, kann es sowieso nur bergauf gehen. Dachte ich bisher.

Aber nun muß ich, gleich zu Beginn des Herbstes, in aller Deutlichkeit protestieren gegen eine furchtbare Entgleisung, die nicht nur fortgeschrittene Stiefelliebhaber sondern auch andere klardenkende und geschmackvolle Menschen in Zorn versetzen muß: Ankle Boots.  Ich will mich gar nicht lange darüber auslassen, was Ankle Boots mit der Silhouette einer Frau anrichten, wie ungeschickt sie den Blick auf sich lenken, nur um ihn dann zu enttäuschen, wie unfaßbar plump sie nahezu jedes Bein erscheinen lassen. Ich möchte nur eben anmerken: Frauen in Ankle Boots sehen aus wie Rosen in Senfgläsern. Denken Sie mal drüber nach. Nach Möglichkeit noch bevor Sie einkaufen gehen.

31 Kommentare

  1. Ich musste jetzt erst mal googlen was Ankle Boots überhaupt sind.
    Ich stimme voll zu, befürchte aber, dass meine pubertierende Tochter mit aller Macht versuchen wird welche zu bekommen.

  2. Ich lese hier schon lange, normalerweise erfreue ich mich einfach still am Inhalt… Aber hier muss ich ausnahmsweise dann doch mal einschreiten. Ich bin mir jetzt gerade nicht mal sicher, ob wirklich verstanden wurde, was Ankle Boots sind? Zum Vergleich unseres Kenntnissstandes sowie für alle, die sowieso nichts darüber wissen, hier mal eine kleine Zusammenstellung:
    http://shoesaremyweakness.blog.bg/photos/72487/original/ankleboottrendok%281%29.jpg

    Das sind doch keine verünglückten Stiefeletten! Stiefeletten sind meistens verunglückte Stiefel, und die machen sehr dicke Knöchel und damit plumpe Beine. Aber Ankle Boots? Ausgerechnet die schönsten Schuhe der Welt? Nein, das kann doch nicht sein.

  3. 2 Jahre müssen wir auf Schulterpolster doch gar nicht mehr warten, die sind doch leider schon wieder voll da. Die Promis haben sie schon wieder…. 🙁

  4. Hab auch kurz gegooglet, ob ich das richtige Schuhwerk vor Augen habe. Am besten noch die zum Schnüren, diese Oma-Schuhe. Mehr darf ich zum Thema Schuhwerk der Damen leider nicht sagen, da ist mein Herz sehr sensibel und ich rege mich auf.

  5. Sarouel Hosen, aha, wusste gar nicht, dass solche „Dinger“ auch noch einen Namen haben.
    Konnte Sie im Mai im Urlaub zu Hauf „bewundern“. Da habe ich mir erst einmal die Augen gerieben und überlegt, ob ich gerade in Thailand bin. Dort aber werden solche Hosen oder besser ähnliche von Männern getragen…
    Nun ja, an ein, zwei Frauen haben sie durchaus gut ausgesehen. Bei denen wären vielleicht auch die Ankle Boots gut anzusehen gewesen. Nur frage ich mich warum der Rest sie trägt. Ist das Projektion? „Wenn ich die Trage sehe ich aus wie….“
    Ich kann Merlix nur zustimmen und gehe davon aus, dass talinee eine der tollen Frauen ist, die sogar beides zusammen tragen kann…

  6. Das Problem an den Ankle Boots scheint mir nicht der Schnitt des eigentlichen Schuhs zu sein, sondern die Absatzhöhe und -spitzheit. Das sieht doch nicht aus. Hohe Schuhe mögen schön und sexy sein, aber doch nicht: je höher desto sexy. (Abgesehen davon, dass die allermeisten Frauen darauf nur „irgendwie“ laufen können.)

  7. Wie bescheuert, sich derart über Kleidung anderer aufzuplustern. Soll doch bitte jeder anziehen, was ihm/ihr gefällt – und nicht das, was andere vorschreiben /erwarten /verkaufen wollen.

    Im Übrigen kenne ich eine Menge Frauen mit genau solchem Schuhwerk, die gar nichts anderes tragen dürften, weil es perfekt zu ihnen paßt.

  8. Eigentlich kann ich Ihnen bezüglich dieser Art von Schuhwerk aus vollstem Herzen zustimmen. Als diese Dinger in Mode kamen, was ja nun auch schon ein, zwei Herbste her ist, wusste ich damit überhaupt nichts anzufangen (bzw. empfand sie schlichtweg als hässlich). Aber das schlimme an der Mode ist, man gewöhnt sich dran, ich wenigstens tu das. Und auf einmal finde ich mich in einem Laden wieder, so ein Schühchen in der Hand und überlege vorsichtig „Wär das nicht vielleicht doch was für mich?“ Bisher blieb die Antwort bei einem nein und ich hoffe das bleibt weiterhin so.

  9. bin 66zig und lese seit einiger zeit mit. ähnlich wie manche andere kommentatoren googelte ich zuerst die schuhe um zu wissen um was es hier geht. so schlecht find ich die gar nicht, vor allem die beispiele von talinee. nun zu den hosen, auch hier g. ich zu erst und dann traf es mich wie ein schlag! diese ? ja was ist es denn nun? hatte meine dolmetscherin in plewen(bulgarien) im juni an und war not a..
    als ich ganz naiv fragte ob das ein folklorestück sei! mein alter rettete mich wg. modischem unbedarft sein.

  10. oha. ankle boots, sarouel-hosen, schulter-polster… vielleicht noch asymetrische fransenhaarschnitte? Da kommt was auf uns zu. Anscheinend ist es eine gute Idee sich schon mal mit akzeptablen Anziehsachen zu bevorraten, solange es noch welche gibt. Das werd ich dann gleich mal machen

  11. Ich habe gerade meinen Kleiderschrank ausgemistet um Platz zu schaffen für das anstehende Revival der 80er-Jahre-Mode:

    Hawaii-Hemden á la Tom Sellek („Magnum“)
    Quietschbunte Herren-Jackets, dazu schmaler, schwarzer Lederschlips
    Miami-Vice-Look (Pastellfarbene Anzüge + T-Shirts)
    Mosquito Cowboy-Boots
    …und: der gelbe Genscher-Pullover!

  12. Wie war das noch: Über Geschmack läßt sich nicht streiten?!
    Ich bin höchst amüsiert. Weiter so!

  13. Federohrringe? Himmel. Was kommt als nächdtes? Hall & Oates? Als höhergelegte Schuhe könnte man das ein oder andere Modell ja gelten lassen. So manche filigraneren auch. Aber so grundsätzlich: Nein. Nicht, wenn man älter als, sagen wir mal, 15 ist.

  14. Ankle Boots, Leggins, asymetrische Fransenschnitte mit Eierkuchenteigfarbe als Topping… die Verbrechen hören nicht auf!Und gestern sah ich die neue Dirndlunterwäsche…Oh weia, oh weia!Schön ist doch, dass jeder Verbrecher einen findet, der seine Kreation von Herzen liebt.Das ist mal ein Thema, das uns den Regen vergessen lässt.Sunni

  15. Ich muss zugeben, dass diese Art von Schuhen mir nicht so sauer aufstößt, wie die ganzen anderen Modeauswüchse der letzten, sagen wir 5 Jahre: Röhrenjeans, Leggins (gerne an Frauen mit 100kg Körpergewicht), diese komischen Sandalen, die aussehen wie kaputte Schuhe (scheußlich!!), Leggins, die von mir so genannten Windelhosen (gerade hier gelernt, dass die Sarouel Hosen heißen; finde Windelhosen viel passender), Stiefel, die wie gestrickt oder gehäkelt aussehen, Stiefel mit viel Fell und Bommeln dran (bei 30°C Außentemperatur besonders hübsch), Leggins und natürlich Crocs. Ach ja und Leggins. An Jeans in Stiefeln musste ich mich ja zwangsläufig gewöhnen.

    Merkt man, dass ich Mode hasse? Ich halte es mit Oscar Wilde: „Die aktuelle Mode ist so furchtbar, dass sie alle 6 Monate geändert werden muss.“

  16. JA!!!! Du sprichst mir aus dem Herzen. Aber noch schlimmer als ANkle Boots sind diese Sandalen, also vorn und hinten offen und dann am Knöchel ein riesiger Schaft drumherum. Das sieht doch voll comicmäßig aus! ODer?

  17. Mmh, bei den Leggins las ich zuerst was von „untoten Beinwüsten“, was ich irgendwie viel schöner, wenn auch weniger eingängig als die tatsächlichen „-würste“ fand.

    Inhaltlich kann ich mich nur anschließen und anmerken, dass es sich mindestens um ein eurasisches Problem zu handeln scheint. Ich durfte Derartiges in den letzten Monaten an diversen Frauenbeinen (nebst angeschlossenen Frauen) in Dänemark, Russland und der Schweiz zur Kenntnis nehmen.

  18. Nehmen Sie das Interesse am eher profanen Thema nicht persönlich, Herr Buddenbohm, das liegt gewiß nur an den ungeliebten Kleidungsstücken, die man beim Partner nicht bemäkeln darf… darf ich noch den Dauerbrenner Doppelripp einwerfen???

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