Neu auf dem Nachttisch

Und wieder ab ins 19. Jhdt., da war ich ohnehin verblüffend lange nicht. Ein Buch über eine deutsche Gesellschaft, die nicht merkt, welch große Umbrüche bevorstehen und wie antiquiert ihre Lebensweise ist, das schadet auch gerade nicht, möchte man meinen. Wilhelm Raabe: Abu Telfan oder die Heimkehr vom Mondgebirge. Ein Roman über einen deutschen Kriegsheimkehrer aus Afrika, genau genommen aus einer Gegend neben dem Königreich Dar Fur übrigens, man sieht direkt zweimal hin. Ein Mann kommt also zurück nach Deutschland und kommt in seinem spießigen Heimatort mit dem schönen Namen Bumsdorf nicht mehr zurecht. Das Buch erschien zuerst 1867 und beginnt so:

„An einem zehnten Mai zu Anfange des siebenten Jahrzehnts dieses, wie wir alle wissen, so hochbegnadeten, erleuchteten, liebenswürdigen neunzehnten Jahrhunderts setzte der von Alexandria kommende Lloyddampfer ein Individuum auf dem Molo von Triest ab, welches sich durch manche Sonderlichkeit im bunten Gewimmel der übrigen Passagiere auszeichnete und selbst den an mancherlei Erscheinungen der Menschen und Völker gewöhnten Tergestinern als etwas neues sich darstellte. Ein verwildertes und, trotz der halbeuropäischen Kleidung, aschanti-, kaffern oder mandigohafteres Subjekt hatte seit langer Zeit nicht vor dem Zollhause gesessen und verblüfft umhergestarrt.“

Vorteil Mann

Sohn I steht am Morgen im Badezimmer und zieht sich seine Unterhose an. Seit er Unterhosen mit Monstern drauf hat, zieht er sie gerne vor einem Spiegel an, damit er auch wirklich alle Monster sehen kann. Er ist sehr stolz auf seine Monsterunterhosen. Die Herzdame steht neben ihm und zieht sich ebenfalls an. Der Sohn vergleicht mit kritisch prüfendem Blick die Unterwäschenmode. „Das ist eine Männerunterhose, oder?“ fragt er die Herzdame und zeigt an sich herunter. „Ja“, sagt die Herzdame, „das ist eine Unterhose für Männer. Oder sagen wir lieber für Jungs.“ „Und das da“, er zeigt auf seine Mutter, „das da ist eine Unterhose für Frauen, ja?“ Die Herzdame verkneift sich pädagogisch korrekt das Lachen und sagt „Genau, das ist eine für Frauen. Und was ist jetzt der Unterschied?“ Der Sohn guckt noch einmal genau hin. Geht einmal um die Herzdame herum, als würde er sich jedes Dessousdetail einprägen müssen, bevor er die Frage korrekt beantworten kann. Dann sieht er wieder auf seine eigene Unterhose. Bunt. Mit Monstern drauf. Und Eingriff. Er guckt wieder zur Herzdame. Denkt nach.

Dann sagt er: „So etwas Tolles tragen Frauen wohl nicht.“