Kollege kommt gleich

Nach einer Studie von Accenture waren die Deutschen noch nie so unzufrieden mit der Servicequalität von Dienstleistern wie im letzten Jahr. Man könnte daraus schließen, daß alles immer schlechter wird, es geht sozial bergab mit diesem Land, obwohl es wirtschaftlich doch gerade bergauf geht. Wir behandeln uns gegenseitig immer ungnädiger und zickiger und am Ende essen wir nur noch in Automatenrestaurants, um bloß mit keinem blöden Kellner mehr reden zu müssen. Könnte man denken. Das ist aber falsch, wie ich aus erster Hand weiß. Die Zukunft, sie wird rosig. Menschen in Läden und Restaurants werden sich überschlagen, um uns bedienen zu dürfen. Ich kann das mit Fug und Recht behaupten, ich leite das einfach aus der Haltung der Kinder ab. Da habe ich Beispiele zur Hand, da kann ich beurteilen, wie die Lage ist. Die Kinder von heute werden bekanntlich die Kassierer von morgen, und wenn ich da Sohn I als Muster betrachte, kann ich mich beruhigt entspannen.

Sohn I, der seinen Kaufmannsladen (Spezialität Erbsen in Flaschen) mit einer gewissen Leidenschaft betreibt, spielt in nicht endender Ausdauer mit uns Einkaufen. Verhandelt mit der Herzdame oder mir Preise, jubelt uns die seltsamsten Angebote unter und verschenkt freigiebig Proben aus dem reichhaltigen Sortiment. Normalerweise spielen entweder die Herzdame oder ich mit ihm, da einer von uns beiden immer am Schreibtisch sitzt. Heute waren wir aber zufällig zu zweit in seinem Laden, ein Zustand, der ihn sichtlich merkwürdig beunruhigte. Er brachte das Kassieren erstaunlich hektisch hinter sich und zog mich dann schnell beiseite, um mit mir ein ernstes Wort zu reden. Nämlich über den Weihnachtsmann. Dem es etwas auszurichten galt: „Papa, sag ihm, ich brauche ganz schnell eine zweite Kasse für meinen Laden, weil wenn es wieder einmal so voll wird, dann muß ich doch einen Kollegen rufen können!“

Es geht bergauf mit der Servicequalität, es kann sich nur noch um ein paar Jahre handeln.

4 Kommentare

  1. Mir als Befüller von zeilensturm.de war der Gedanke natürlich nicht ganz fremd, dass Kinder der Spiegel unserer Volkswirtschaft sind. Ich finde, man kann den Gedanken noch weiterentwickeln: Bei uns werden zum Beispiel gerade Kerzen gezogen. Warum das bei einem niedlichen Spiel für Vierjährige belassen? Warum nicht eine gutgehende kleine Kinderkerzenzieherei daraus machen und das Bruttosozialprodukt steigern? Wahlweise, je nach Jahreszeit (Konjunkturzyklen!): Papierflugzeugwerft, Drachenmanufaktur, Messerwetzerei, Wollfadenspinnerei, Klebekuchenbäckerei usw.
    Da wird schließlich Mehrwert geschaffen. Wenn in anderen Weltgegenden Kinderarbeit nicht tabu ist, warum zieren wir uns noch? Uniqe Selling Proposition: Wer das Zeug bei uns kauft, muss es nicht mehr von den eigenen Blagen unter Verwüstung der eigenen Wohnung selbst produzieren lassen.
    Also: Wir liefern die Ware, Sohn I kriegt die zweite Kasse, der Profit wird geteilt. Deal?

  2. ja, er denkt zwar kundenorientiert, aber leider nicht marktwirtschaftlich … sprach die Kauffrau und stöberte im Buch der Betriebswirtschaft und fand ooo ja das Minimalprinzip wieder! Kurz erklärt: mit weniger Kassen, den gleichen Umsatz haben. Idealerweise und wie so manch ein Sesselträumer im Büro gerne hätte, mit 1 Kasse den doppelten Gewinn einholen. Überstunden nicht zahlen und bis 24 Uhr offen haben …

    Auf Grund der gestiegenen Erwartungen, den hohen Lohnkosten, mögliche finazielle Krisen, ist der Traum der 2ten Kasse nur ein Traum.

    Was Sohn I machen müsste, den Service zu verlagern. Sprich, er holt sich den Bruder dazu, stellt den Mitarbeiter des Monats an die Kasse, er führt die Verkaufsgespräche, SALE SALE SALE und Sohn II scannt scannt scannt , tippen ist ja so was von OUT! Spart Zeit, mehr Umsatz! Er plant Bestellungen, neue Werbekonzepte und schmucke Ausstellungen zur Verkaufsförderung und zack läuft der Laden wie Butter! ;o)

    meine
    Ttochter wäre eine Kundin, sie kauft und kauft nur ein. Wehe etwas wie Nutella oder Banane ist alle alle .. Mama, kaufen! JAWOHL!

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