Beim Kinderarzt

An der Rezeption eine längere Schlange, ich stelle mich hinten an und warte, ich brauche einen neuen Termin. Ich bin der einzige Vater in der Reihe, vor mir nur Mütter. Mütter mit Kindern auf dem Arm, Mütter mit Kindern an der Hand. Mütter, die Rezepte einstecken, Krankmeldungen, Überweisungen. Viele vereinbaren ebenfalls einen Folgetermin, die Sprechstundenhilfe schlägt jeweils ein Datum vor, die Frauen nicken und gehen. Als ich dran bin und mir ein Termin genannt wird, höre ich die fürsorglich nachgeschobene Frage: „Soll ich es ihnen nicht besser aufschreiben?“

Als Vater halte ich mich oft in Kreisen auf, in denen sonst nur Mütter verkehren, solche Ungleichbehandlungen finde ich dabei immer interessant. Keiner der Frauen vor mir wurde ein Zettel angeboten, alle hatten ihren Termin einfach im Kopf gespeichert, das schien kein Problem zu sein – bis ich dran war. „Sie fragen mich das nur, weil ich ein Mann bin, oder?“ frage ich die Sprechstundenhilfe. Ich finde, man muß solche Vorkommnisse auch benennen. Diskriminierung einfach hinzunehmen, das kann niemals die Lösung sein. „Nein“, sagt die Sprechstundenhilfe, schüttelt den Kopf und sieht mich sehr freundlich an, „wenn eine Frau einen sehr verwirrten Eindruck macht, dann biete ich der auch einen Zettel an.“

18 Kommentare

  1. Nun sei doch froh, wenn Frauen Rücksicht darauf nehmen, dass Euch da ein Enzym fehlt. Wir wissen ja, dass Ihr keine Termine könnt, das ist nicht so schlimm. Du brauchst dich nicht zu schämen.

  2. Herr Buddenbohm,
    Sie stehen also beim Kinderarzt und machen einen verwirrten Eindruck.
    Müssen wir (=Ihre Leserschaft) uns da etwa Sorgen machen?!
    Falls ja:
    hilfsbereite Grüße,
    Juliane

  3. Ich antizipiere das genderspezifische Verhalten der Arzthilfe, indem ich schon frühzeitig sage „Können Sie mir das bitte auf einen kleinen Zettel schreiben.“, während ich gleichzeitig das Smartphone rauskrame, um den Termin zu notieren. Natürlich geht dann jedes Mal beim Synchronisieren des Fons was schief und ich verliere das Zettelchen und muss noch mal beim Arzt anrufen – das Grinsen der Arzthelferin kann man durch den Hörer deutlich wahrnehmen.

  4. Ich denke es geht hier um viel(!) mehr als um die Fähigkeit zur Terminplanung von Männern. Es geht um die Akzeptanz und der Gleichbehandlung von miterziehenden Vätern. Ich bin selbst bin schon oft frustriert nach hause gekommen weil man mich im Strick- und Bastelclub als Mann nicht ernstgenommen hat.
    Nein, Nein das ist ein ernstes Problem über das man nicht lachen sollte. :-))) Frauen schämt euch…

  5. Tja, warum so schnippig häää? Aber mach dir nichts drauß, FRAUEN vergessen auch Termine, Zeiten, verlieren Zettelchen usw. und sind vorallem schnippig, ich weiß zwar auch nicht so recht wie soooo … aber auch mir passiert es ab und zu … fast regelmäßig :o) Und da bekommt man was zu hören, vorallem, wenn man die Erklärung liefert:

    Wissen Sie, könnten Sie mal kurz nach den Termin schauen und mir sagen, um wie viel Uhr der war? Meine Tochter hat den Zettel in den Greifen gehabt und siehe da, wie spielen Genesis, zerfiehl er zu göttlichen Staub …

    Antwort: Haben Sie den Zettel nicht mehr?

    Da staun man wat? Praxis war leer, 2 an der Rezeption, Arzt am Ultraschall, und da hab ich echt in 2 Sekunden so einiges gedacht, gehört und in mich hinein gesungen. War so in etwa alles zusammen zur gleichen Zeit: Tüüüüüüüüüüüüüüüt, tüüüüüüüüt kein Anschluß unter dieser Nummer, Shalom Chaverim, Shalom, das Ruderboot ist aus Holz und Eisen und die Ruder, die sind Rot! … Was für ein Depp is das denn? Was hab ich gerade so ausführlich gesagt? hab ich 1 Jahr voll gestill, bin ich im Stress oder die bläde Kuh da?

    Kurz: NEIN!
    tja das genervte blättern war dann die zickige, unterdrückte Antwort :o)Das mit dem Handy und das Eintragen simmultan im Kalender, hab ich mir auch abgewöhnt … :o)

    Also take it easy!

    Auch wir Frauen haben so unsere Lagunen, haben Besuch von dem Deutschen, der andauernd Sachen vergißt ;o)

  6. PS: Zettel haben bei mir und meiner sehr großen Handtasche keine Chance. Da hilft nur „Kuli auf Handrücken“.

  7. Hab mal gelesen, dass Stilldemenz auch bei Männern einsetzen kann. Hängt wohl mit dem Schlafentzug zusammen.

  8. Weil wir wissen, dass man Euch beigebracht hat, dass man eine Dame nicht warten lässt. Deswegen kommen wir zu spät, damit ihr nicht, falls Ihr zu spät seid, Euch entschuldigen müsst usw.

  9. Ich bin aber nur zu spät, wenn ich sicher weiß, dass sie auch zu spät ist und dass ich auf jeden Fall 10 Minuten warten müsste. Also komme ich gleich die 10 Minuten später und warte dann trotzdem nochmal fünf Minuten. Wenn ich 15 Minuten später käme, dann würde ich sicher auch fünf Minuten warten.

  10. Das liegt daran, dass wir nicht zu spät sind. Wir stehen hinter der nächsten Ecke, warten, bis Ihr da seid, dann noch fünf Minuten. Damit Ihr das Gefühl haben könnt usw.

  11. Frage: wie lange hält so ne Stilldemenz eigentlich an? :o) Na ja, solange ich die Termine nicht vergesse, kommt scheinbar auch auf den Wichtigskeitsgrad an, dann bin ich eigentlich immer pünktlich.

    Übrigens Klaus: Die Herren warten auf die Damen und nicht anders herum … Isa hat da schon Recht, hinter der Ecke lauern, summend, und dann schön nochmals 5 Minuten warten, dann kommen. Ist viel schöner … :o)

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