Alternative II

Sohn I: „Ein Pfefferkuchenmann ist aus Pfefferkuchen, oder?“

Ich: „Ja, das ist richtig.“

Sohn I: „Und ich bin aus Fleisch, oder?“

Ich: „Ja, das ist auch richtig.“

Sohn I: „Na, Hauptsache lecker.“

Alternative

Sohn I: “Papa, können wir in den Tierpark?”
Ich: “Ach nee, da sieht man ja kaum Tiere bei dem Wetter.”
Sohn I: “Oh, schade. Dann vielleicht in den Zoo?”

Tempi passati

Aus, vorbei, schon vorüber. Ein Jahr ist nichts, wenn man über die Schulter zurücksieht, man meint sich noch an den Geschmack des Schampus vom letzten Silvester zu erinnern. Kachelmann, Lena, Grubenunglück in Chile. Irgendwas auf Haiti, die Loveparade. Loki Schmidt. Kulturhauptstadt Ruhr, war da was? Keine Ahnung. Das iPad. Hat sich alles privat nicht ausgewirkt, rauscht alles so durch. Ein Bild in der Zeitung, zwei Artikel später schon vergessen. Immerhin, nach dem Riesenerfolg des Buches über die Fleischindustrie „Tiere essen“ von Jonathan S. Foer werden sehr viele Menschen zu Vegetariern, auch mehrere Frauen im Freundeskreis. Nur Frauen, wohlgemerkt. Der deutsche Mann würde nach der Lektüre vielleicht auch zum Vegetarier werden, aber er hat ein kleines Problem. Durch den tragischen Irrglauben bemerkenswert vieler Frauen in diesem Land, dass die Leggings wieder zu den tragbaren Kleidungsstücken zu zählen sind, muß der Mann nämlich pausenlos an das Wort „Wurstpelle“ denken. Wer aber unentwegt so etwas denkt, der ist für die fleischlose Bewegung verloren, an dem geht der Welttrend vorbei. Da die Frauen sich nach der Lektüre des Buches gerne auch komplett der Fleischbeschaffung verweigern, stehen die Männer nun vermehrt an Currywurstbuden und ähnlichen öffentlichen Fleischversorgungsanstalten herum, wo sie noch mehr Frauen in Leggings sehen. Man ahnt die Folgen. Wir liegen nicht nur in den Pisa-Studien zurück, wir werden auch noch ewiggestrig, was die Ernährung betrifft, von der Mode ganz zu schweigen. Der deutsche Mann steht schnitzelschwer im Imbiß, die deutsche Frau geht salatschlank vorbei. Sie sehen sich an und verstehen sich nicht. Es hat einen neuen Grund, aber es wirkt doch alles wie immer.

2010? Da war nichts.

Dieser Text erschien als Kolumne im Jahresrückblick der Lübecker Nachrichten und der Ostseezeitung.

Was man Weihnachten so macht

Sohn I: „Gehen wir Weihnachten in die Kirche?“
Ich: „Ja, das können wir machen, wenn du möchtest.“
Sohn I: „Ja, will ich.“
Ich: „Warum willst du denn da hin?“
Sohn I: „Weil dann kann ich dem Pastor sagen, daß er die Kirche nicht sehr gut geschmückt hat.“

Neu auf dem Nachttisch

Ich sehe den Schnee auf dem Dachfenster, ich denke Schnee, dann drehe ich mich um und gehe am Bücherregal vorbei, wobei mein Blick auf ein Buch mit dem Titel „Schnee“ fällt. Gut, denke ich, du willst also gelesen werden, denn einen Zufall gibt es bei so etwas natürlich nicht. Alexander Lange Kielland, ein norwegischer Autor des neunzehnten Jahrhunderts, von dem ich ansonsten keine Ahnung habe, im Grunde weiß ich nicht einmal, wie dieses Buch in mein Regal kommt. „Schnee“ ist eine Novelle, sie wurde übersetzt von Marie Leskien-Lie und Dr. Friedrich Leskien und erschien zuerst 1886. Sie beginnt so:

„Wenn der Schnee fällt nach einem Sturm – dicht, schwer und gleichmäßig – Vertiefungen ausfüllt und Spitzen und scharfe Kanten mit seiner gleichmachenden Decke überzieht, mutet uns da der Gedanke nicht seltsam an, daß dies dasselbe Wasser ist, das rauschen und springen kann, das im Wasserfall als Rauch aufsprüht und in strömenden Wogen seinen Weg findet, hinaus ins blaue Meer?“ Und dort draußen – wenn die Sommersonne sich spät und langsam hinter den letzten glänzenden Streifen im äußersten Westen verbirgt, wo das Meer seinen bahnlosen Weg rings um die Erde schlingt, da begreifst du nicht leicht, daß die frischen, goldgeränderten Wogen, worin die Fische spielen und das Leben gedeiht, daß dies dasselbe Wasser ist, das als schwerer, toter Schnee drückend auf den Dächern der Häuser lastet, Bäume und Zweige niederbeugt und die Wege zwischen den menschlichen Wohnungen versperrt.“