Alles ganz anders

Man muss das auch einfach einmal ehrlich bekennen können, damit die Leser nicht von mittlerweile vollkommen überholten Vorstellungen ausgehen: Die Herzdame und ich haben uns auseinandergelebt.

Zumindest zeitlich. Während ich nämlich in dem dauernden Bestreben, Ruhe und Zeit für die Schreibarbeit zu haben, früher und früher aufstehe, geht die Herzdame, in dem dauernden Bestreben, mehr Zeit für das Erstellen von Webseiten zu haben, später und später ins Bett. Das hat sich schon eine ganze Weile lang so angedeutet, in den letzten Wochen hat sich der Prozess aber stark beschleunigt, da wir sehr viel zu tun hatten und jeder dringend auf ein paar Stunden scharf war, in denen der Rest der Familie nicht störte. Es ist natürlich Geschmacksache, ob man dabei lieber die Zeit nutzt, während die Familie schon schläft, oder während der sie noch schläft, ganz zufällig haben die Herzdame und ich hierbei unterschiedliche Vorlieben. Mittlerweile stehe ich gegen 5 Uhr morgens auf, und sie kommt gegen 2 Uhr nachts ins Bett, das macht, wie ich gestern überrascht feststellte, eine gemeinsame Ruhezeit von nur noch drei Stunden. Das heißt, wenn man etwas weiter denkt, und warum sollte man das nicht tun, wenn ich also noch ein klein wenig früher aufstünde, was kein großes Problem sein sollte, und sie andererseits noch etwas später ins Bett ginge, was auch einfach zu erreichen wäre, dann könnten wir es tatsächlich schaffen, uns am Bettrand abzulösen. Quasi Schichtwechsel.

Das würde im Nebeneffekt auch die leidigen Debatten beenden, wer dem nächtlich brüllenden Sohn II ein Fläschchen zu bringen hat, denn das wäre dann natürlich immer der wache Part. Unsere bisherigen jeweiligen Totschlagargumente, die wir noch im Tiefschlaf murmeln können – „ich bin seit fünf auf“, bzw. „ich war bis zwei wach“ wären endlich verzichtbar, wir könnten zur Abwechslung wieder ganze Nächte ohne Streit verbringen, eine durchaus erbauliche Aussicht. Und weil man, wenn man alleine schläft, selbstverständlich kein riesiges Ehebett mehr braucht, sondern eine kleine Pritsche vollkommen reicht, könnten wir das eheliche Schlafzimmer auch gleich komplett in ein großzügiges Arbeitszimmer umbauen. Dort könnte dann der jeweils Wachhabende in Ruhe unter besten Bedingungen arbeiten, während der Schläfer irgendwo im Flur, im Bad, auf dem Balkon oder wo auch immer, schnell sein Feldbett aufschlagen könnte, um ein paar Stunden flachzuliegen. Die Wohnung hätte ein Zimmer mehr, das muss man sich einmal vorstellen! Wir würden in dauerndem Frieden leben! Wir würden irrsinnige Mengen an Arbeit schaffen! Alles ganz logisch. Die Aussichten sind begeisternd und es ist alles mit ganz einfachen Mitteln in Kürze erreichbar.

Vielleicht sollte ich aber auch einfach in Kürze ins Bett gehen und etwas Schlaf nachholen.

8 Kommentare

  1. Alles ganz logisch! Die positiven Auswirkungen sind überraschend. Warum ist man nicht schon früher darauf gekommen?

  2. Mag nur ein Gefühl sein, aber heute hätte ich mir einen „gefällt mir nicht“-Button gewünscht. Liebe Grüße!

  3. Mit 90 Zentimetern bindet man keine Frau, sagte ich und meinte damit die Breite meines Bettes. Aber im Wechselschichtbetrieb böten sich da ja ganz neue Möglichkeiten! Prozessorientiertes Leben, einmal nicht aus scheidungsanwaltlichem Blickwinkel betrachtet. Sie könnten Berge versetzen!

  4. Als der Liebste und ich in unterschiedlichen Betrieben der Gastronomie jeweils in der Küche (Moui) und im Hotelbetrieb (er) gearbeitet haben, wenn wir uns morgens beim rein/rausgehen grüßen konnten.

    Aber solche Zeiten gehen vorbei *g*

    Lg,

    Silberaugen

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.