Die Logik des Echos

Dreijährige Kinder neigen mit jedem Monat mehr zu Unfreundlichkeiten. Sie nehmen im Kindergarten ein Schimpfwort nach dem anderen auf und verwenden die Kollektion mit großer Freude in den unpassendsten Situationen, wobei ich zum Beispiel auch das abendliche Zubettbringen als unpassend empfinde, ich lasse mich dabei nur ungern beschimpfen.  Dreijährige unter sich reden fast nur noch in dramatischen Vokabeln, und es kann etwa ein Jahr dauern, bis sie wieder zu einem halbwegs normalen Sprachgebrauch übergehen, zumindest meiner Erfahrung mit den älteren Kindern in der Nachbarschaft nach. Den Sprachgebrauch im Kindergarten kann man natürlich als Elternteil nicht beeinflussen, dass muss man so hinnehmen, dass diese Einrichtung  eine gewisse Derbheit in den Alltag bringt und das Kind beim Abholen schon mal wütend wird, wenn es seine verdammten Kackstiefel nicht sofort findet, die sich irgendwo in der pissblöden Umkleide verstecken, die dämlichen Scheißteile. Das kann man sich nur anhören, direkte Korrekturen sind sinnlos, schon gar in einem Umfeld, in dem eine ganze Horde Kinder die Schimpfwörter begeistert aufnimmt, umformuliert, ausgestaltet und weiter im Chor herumbrüllt.

Nein, man muss warten, bis man zuhause ist. Erst dort kann man versuchen, durch dezidierte Höflichkeit eine andere verbale Richtung einzuschlagen und das Kind zurück auf den goldenen Weg der Freundlichkeit zu locken. Ein schweres Unterfangen, aber natürlich ein lohnendes – und eines, das immerhin Aussicht auf Erfolg hat.  Kinder passen sich von Natur aus gerne an, wenn man also nur lange genug Freundlichkeiten vorlebt, werden sie irgendwann ebenso antworten. Sagt man.

Ich: „Na, mein Küken?“

Sohn I: „Na, du alter Hahn?“

11 Kommentare

  1. Nicht irgendeine Beleidigung, sondern mit dem gleichen Tier in gleicher Münze zurückgezahlt (du machst ihn jünger, als er sich fühlt, er macht dich älter). Großartig.

  2. na, das klingt ja nicht gerade erbauend! ich darf mich dann ab August schon warm anziehen … sollte es denn soweit kommen. Aber was das nicht immer so? Das aller schrecklichste erst Wort bleibt immer noch SCH… :o) dran kann ich mich gut erinnern, schietekak ist dann noch etwas dezenter …

  3. Hier im Süden genau das Gleiche.

    Neulich in der vollbesetzten S-Bahn. Ganz vorne. Es ist laut, ein Kind (4, ich kenne es eigentlich nicht, es spricht mich trotzdem mit Mama an) schreit dagegen an.
    „Mama, die Schienen quietschen aber! Der Fahrer soll mal was machen! Mama, stimmsts, das sind voll die Arschlochschienen hier!“

    Stimmt natürlich nicht.

  4. Seinerzeit im Kindergarten, kurz vor der Einschulung sagte eine der Erzieherinnen, ich solle den Sohn doch bitte testen lassen, er würde ihrer Meinung nach das ’sch‘ nicht richtig sprechen können. Aha.
    Als der Doc zu den Vorschulkindern kam, sagte ich Bescheid und er möge bitte prüfen.

    Doc zum Sohn: „Sag mal Scheisse“
    Sohn:“Scheisse“
    Doc: „Sag mal Schokolade“
    Sohn: „Schokolade“

    Doc zu mir: „Alles ok, der hat keine Probleme mit ’sch‘.

  5. Ohgott, was soll ich tun? Unser beinahe 3-Järhiger beherrscht zwar Wörter wie „unterdessen“ oder „Pylone“, will und will aber unserem Vorbild zum Trotz einfach keine Kraftausdrücke benutzen! Was sollen wir bloß tun? Den Kindergarten wechseln? Ich ahnte ja, dass der Umzug nach Winterhude keine gute Idee war…

  6. @Britta
    Keine Sorge, das wird alles früher oder später kommen.
    Unser 3-Jähriger übt sich gerade im Neugestalten, wie Du Stuhlrutscher, Du Waschlappenwascher…. ganz merkwürdige Dinge, bei denen er die Reaktion aufmerksam testet.

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