Frühkindliche Förderung

Ich: „Und, wie war es denn heute in der Musikschule?“
Sohn I: „Ganz gut. Wir haben Schläge bekommen, und dann haben wir sehr gut Musik gemacht.“

Manchmal lohnt es sich doch, genau nachzufragen. Dann kommt man darauf, dass sie Schlegel bekommen haben, keine Schläge.

Kurze Frage

Die dreizehnjährige Tochter einer Freundin bekam gestern an einem Hamburger Gymnasium von einem Vertretungslehrer im Fach Deutsch drei Blätter, darauf ein abgeschriebener Bericht aus der Tagesschau zu den Massenmorden auf der Insel vor Oslo. Hausaufgabe dazu: Schreibe a) einen sachlichen Bericht über die Vorkommnisse, schreibe b) einen emotionalen Bericht aus der Sicht eines Beteiligten / eines Augenzeugen.

Möchte man dem Lehrer nicht dringend raten, sich a) einen neuen Job zu suchen und b) das Gebiet der Pädagogik dabei weiträumig dabei zu umfahren? Doch, das möchte man wohl. Vielleicht kenne ich mich aber auch einfach nicht aus. Die Söhne sind von der Schule noch ziemlich weit entfernt und seit den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen ich meine ersten Erfahrungen mit Pädagogen gemacht habe, soll sich ja einiges geändert haben. Lehrer sind heute viel besser geschult, sagt man.

i

Kleinkinder spielen mit der Sprache, das ist normal und zu erwarten. Sie verdoppelnpopoppeln Silben, sie verdrehen Begriffe und verwirbeln Satzgefüge, dass man nicht mehr weiß hinten und vorne wo ist. Die Grammatik wird gebeugt, gebogen und gebiegt, vielleicht sogar zerbrecht, Kinder spielen mit allem, also machen sie auch alles kaputt, warum sollte die Sprache eine Ausnahme sein. Auch das sind nur Phasen, auch das geht vorbei und schon nächste Woche gibt es eine neue Sprachmacke, vielleicht wird dann alles nur noch singend vorgetragen, womöglich zur Melodie von O Tannebaum, vielleicht werden aber auch alle Vokale ausgewuchselt, vielleicht wird alles sehr laut gesprochen oder im Gegenteil kaum hörbar geflüstert, dass man ein Fledermausgehör benötigen würde, um das Kind zu verstehen, man weiß es nicht. Aber eines weiß ich: Diese verdammte i-Phase im Sprachgebrauch von Sohn I muss dringend wieder aufhören. Immer, wenn er morgens aus dem Betti aufsteht, eine gute Nachti gehabt hat, seine Puschis anzieht und zum Tischi geht, weil er nach dem Schlafi so großen Hungi hat, kriege ich schlimme Aggressioni.


Backflash

Ich habe das wirklich selten. Ich sehne mich nicht nach der Kindheit zurück, ich bin ganz gerne erwachsen. Ich bin kein Spieltyp, ich möchte nicht Stunden sinnlos mit Albernheiten zubringen, auch nicht mit Fußbällen oder Legosteinen, auch nicht mit Brettspielen oder Zeichentrickfilmen, das fehlt mir alles nicht, das ist nicht mehr meine Welt. Mir reicht der Spaß, den ein normales Erwachsenenleben hergibt, vollkommen aus.

Aber wenn ich Sohn I im Baumhaus im Heimatdorf sehe, wie er grinsend hoch oben zwischen den Ästen sitzt, seinen Eimer mit Obst und Schätzen am Seil hochzieht und dann seine Schuhe auszieht und runterwirft, weil ein Kind auf einem Baum nun einmal keine Schuhe braucht – dann möchte ich sofort wieder Kind sein und über die Äste turnen und mitbauen und weiterbauen und höher klettern und oben bleiben und erst wieder runterkommen, wenn es dunkel wird und der Wind von den Feldern her aufkommt und das Laub dumpf und kräftig nach Abend riecht und hinten im Haus die Lichter angehen und jemand von drinnen ruft, dass es Essen gibt.