Freundliche Variationen

Im „Hamburger Kopftuchstreit“ wurde einer muslimischen Lehrerin jetzt verordnet, dass sie im Unterricht hellere Kopftücher als bisher tragen muss und diese des öfteren farblich zu variieren hat. Dabei handelt es sich tatsächlich keineswegs um einen Scherz. Man hat die Gelegenheit aber nicht genutzt, gleichzeitig sämtliche Hamburger Oberstudienräte anzuweisen, mindestens einmal jährlich das Tweedsakko zu wechseln. Seltsam.

15 Kommentare

  1. Sie haben natürlich recht. Aber: Ich gebe zu, daß auf mich die meisten türkischen Frauen mit ihren Kopftüchern ziemlich schmuddelig wirken, was sicherlich an den gewählten Farben und den Mustern liegt. Dieser ungepflebte Eindruck wird durch die sehr locker sitzende Kleidung und die meistens schlappenden Pantoffeln noch verstärkt. Hingegen wirken in meinen Augen pakistanische Frauen mit ihren hellen Farben komplett anders. Es ist also nicht zwingend eine Frage der Religion.

    Ich wage das mal zu sagen, auch auf die Gefahr hin, daß man so etwas nicht sagen darf.

  2. Ich finde, das geht zu weit. So lange das Gesicht sichtbar und nicht bis auf die Augen verhüllt ist, finde ich, sollte man es akzeptieren. Wie oben schon geschrieben könnte man sonst auch über die uralten Tweedsakkos (mit verstärkten Ellbogen!!) schreiben 🙂

  3. Na, das nenne ich mal wirklich gelebte Toleranz!
    Einer meiner Profs hatte das komplette Studium über den gleichen schwarzen Rollkragenpulli an. Da haben wir wirklich drunter gelitten. Aber da durfte keiner was sagen…

  4. Kopftücher sollten aus Hamburger Schulen komplett verschwinden. Dabei schließe ich mich der Meinung des Verfassungsrechtlers Prof. Isensee an, für den ein „Amt Dienst ist, nicht Selbstverwirklichung“.

    Er schrieb in der FAZ: „Ein Staat, der sich aus falsch verstandener Grundrechtsliberalität weigert, seinen Lehrern die notwendige Anpassung an Erfordernisse der öffentlichen Schule zuzumuten, gerät in Widerspruch zu den Grundrechten der Schüler und der Eltern, denen er zumutet, den pädagogischen Einfluss der Lehrer, den sie sich nicht aussuchen können, zu ertragen.“

    Quelle: http://www.emma.de

  5. @ Paula: was ich mich bei solchen Gelegenheiten immer wieder frage: Müsste das dann nicht selbstveständlich auch für unterrichtende Nonnen gelten? Mit denen hat aber in den Regel niemand ein Problem …

  6. Ich bin dafür, dass das Tweedsacko mehrfach gesetzlich begründet zu wechseln ist, auch farblich differenziert zu tragen und alle zwei Jahre amtlich zu prüfen! Ab sofort!Sunni

  7. Kruzifixe würde ich in zumindest in Schulen auch gerne entfernt sehen, aber bei Nonnen habe ich keine Probleme. Das ist für mich eine Dienstklediung, eine Art Uniform

  8. @M. Ja, natürlich, gälte das auch für Nonnen. Mit denen hätte ich auch ein Problem. Und die Kruzifixe in bayerischen Schulen sollten von der Wand verschwinden.

  9. @praline: hm, das sehe ich nicht so. Der „Dienst“, den die unterrichtende Nonne ausübt, ist die Lehrtätigkeit und diese (das wissen wir ja jetzt) erfordert als Dienstkleidung allenfalls ein Tweedsakko. Der (das?) Nonnenhabit stellt für mich, ebenso wie das Kopftuch, eine religiös motivierte Kleidung dar.

  10. Was für ein Fach unterrichten Nonnen denn so im Allgemeinen, hm? Und wenn sie mehr Fächer als katholische Religion unterrichten, an was für einer Schule dann wohl, hm? Mal drüber nachgedacht?

  11. @ M: Nonnen machen sicherlich mehr, beispielsweise sind sie auch in der Krankenpflege tätig. Dort war auch bei dem weiblichen Pflegepersonal eine Tracht mit Häubchen bis in die 50er Jahre üblich. Und so sehe ich auch die „Tracht“ der Nonnen. Deren Kleidung weist sie zwar als Angehörige eines religiösen „Berufes“ aus, dient aber nicht dazu, zu demonstrieren, daß man eine anständige Frau ist und sich vor den Blicken und der anzüglichen Anmache von Männern schützen muß. Auch die Klosterbrüder „verhüllen“ ihren Körper in einem weiten Gewand, aber nicht, um sich vor begehrlichen Blicken der Frauen zu schützen.

  12. @ praline: Doch, an dem Argument ist was dran. Allerdings ist es schon nicht so, dass nun die Tracht eine besonders berufsaffine Bekleidung wäre, etwa so wie eine Feuerwehruniform. Es geht vielleicht nicht darum, sich vor fremden Blicken zu „schützen“, aber sehr wohl darum, zu signalisieren, dass man aus religiösen Gründen Körperlichkeit negiert. So gross finde ich den Unterschied da nicht.

    P.S. Herr Buddenbohm, tut mir leid, dass wir dabei sind, Ihren Kopftuchthread in einen Trachtenthread umzudefinieren. Finde es aber gerade interessant.

  13. Dem muß ich – nach reiflicher Überlegung – wohl zustimmen. Allerdings sehe ich die Verhüllung der muslimischen Frauen nicht als religiös bedingt an, sondern dem liegt m. E. eine sexuelle Motivation zugrunde (Besitzanspruch des Mannes).

  14. Hm, weissnicht. Dazu müsste man wahrscheinlich mal die muslimischen Frauen befragen. Könnte mir vorstellen, dass dabei ein ganzes Potpourri an Motivationen zusammenkommt.

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