Piraten

Zufällig erfuhr ich gestern vom Erfolg der Berliner Piraten, als ich wieder einmal auf einer Piratenparty eines Freundes von Sohn I stand. Ich sah die Nachrichten aus der Hauptstadt auf meinem Handy, und dann sah ich wieder die tobenden Kleinen um mich herum. Piratenparty und Piratenpartei, das war an sich schon völlig absurd. Immerhin gab es aber einen gemeinsamen Nenner, der überhaupt nicht zu übersehen war. Hier wie dort ging es in der Hauptsache um seltsam angezogene Jungs, die sehr gut gelaunt waren und fast keine Mädchen dabei hatten. Ich stand kopfschüttelnd in der Kinderschar, denn ich halte die Piraten aufgrund ihrer Position in Fragen des Urheberrechts für ganz und gar unwählbar, aber das führt hier zu weit. Sohn I fragte mich, was ich da auf dem Handy lesen würde. „In Berlin feiern die Piraten“, sagte ich. „Ja, aber hier doch auch“, sagte Sohn I erstaunt. Ich sagte ihm, dass das etwas anderes sei und dass die Piraten in Berlin viel grösser seien, woraufhin er mir souverän erklärte, dass die Piraten hier, also in Hamburg, schon auch noch grösser werden würden, und zwar jedes Jahr. Recht hat er, Geschichte kann so einfach erklärt werden, mehr muss man gar nicht wissen. Egal, wie man es findet.

Und bei der nächsten Bundestagswahl stehen dann vielleicht in ganz Deutschland Mütter und Väter von Vierjährigen vor den Wahlplakaten und versuchen verzweifelt ihrem Nachwuchs zu erklären, warum sie die Piratenpartei nicht wählen werden und dass es, warum auch immer, gar keine Indianerpartei als Ersatz gibt. Na, vielen Dank auch.

35 Kommentare

  1. „Die Parteivorsitzende der Indianer, Frau Kleine Wolke, erklärte in einer Rede vor der Fraktion der Piraten…“ Wir steuern auf seltsame Zeiten zu. Und am Ende ist es gar kein Zufall, dass die Kombination nach Peter Pan klingt, nicht wahr.

  2. Kampfnamen: „Prinzessin“ vorweg, Eigenname auf -i, -a oder -fee. Prinzessin Percanta, Prinzessin Isafee, sowas. (Wir haben natürlich auch nichts gegen Männer. „Prinz Max“, hm, kann man machen.)

  3. aha, ich sehe, mit der deutschen wirtschaft geht es bergauf, überall geschäftiges treiben und jeder hat arbeit zu tun.

    (adelhaiduffalo, erste vorsitzende der gruffalopartei)

  4. Und heute ist dann zu allem Übel auch noch „Sprich wie ein Pirat“-Tag.

    Aber auch wenn das vielleicht zu weit führt – welche Ansichten über das Urheberrecht führen denn zur Unwählbarkeit?

    (Ansonsten: Wahlplakate mit Prinzessinen, Indianern und Glitzer, das wäre doch mal was… 🙂 )

  5. Hach, dann aber bitte auch eine Walkürenpartei, gegründet in Österreich. Wehrhafte Weiber, weltoffen, wild, wagemutig !

  6. Die erste Bundeskanzlerin der Prinzessinnenpartei wird übrigens als Dienstkleidung ein rosa Tutu tragen. Und eine Krone, logisch. Und immer ihren Glitzer-Zauberstab dabeihaben.

  7. Also im Ernst, man wundert sich ja schon, dass es so etwas nicht längst gibt, ich hätte mit so etwas viel eher gerechnet. Statt dessen Piraten. Wie konnte das passieren? Was wählen die jungen, überdurchschnittlich gebildeten Frauen? Ihre Boyfriends in orange? Echt? Meine Güte!

  8. Nun, wenn es schwerfällt, dem Nachwuchs zu erklären, warum man die nicht wählt, vielleicht liegt das dann nicht am Nachwuchs, sondern daran, dass es vielleicht keinen Grund gibt, sie nicht zu wählen?

  9. Piraten, Prinzessinnen, Indianer. Aber der dickste Trend wird verschlafen: eine Manga-Partei! Wenn dann noch das Wahlrecht mit 16 kommt, können die anderen Parteien einpacken. Und auf jeden Fall bekämen die die besten Wahlplakate, ganz ohne Agentur. Über inhaltliches wird dann später gesprochen.

  10. Prinzessinnen ist okay, Glitzer auch. Aber wenn die dann das Weltbild der derzeit berühmtesten Kinderbuchprinzessin, deren Name mit -fee endet, klonen, bin ich draußen.
    Melde mich hiermit als Supporter für Grüffels oder wehrhafte Weiber…mal sehen, wer den höheren Spaßfaktor bietet.

  11. Hallo Herr Buddenbohm,

    keine Anmerkung zum Urheberrecht, aber zur Frage: was wählen junge Frauen. Diese Frage kann ich leider nicht beantworten, aber ich hoffe Frauen sind über die Phase von Glitzer, Rosa und Prinzessinen hinaus.

  12. es ist ja den menschen die schreiben wichtig, dass das urheberrecht gewahrt wird. fein, im internet kostenlos zu lesen.wer würde das nicht tun und schätzen? mach ich ja selbst. auf der anderen seite bringe ich mühsam buchstaben in die von mir gewünschte reihenfolge und nenne das auch noch beruf. ich bau keine häuser, backe kein brot, male keine bilder. ich bringe immer nur die gleichen 26 buchstaben in eine reihenfolge. mehr leiste ich nicht. ich verwende den immer gleichen code, der seit langer zeit besteht. leiste ich nichts? darf ich nicht davon leben?

  13. Also ich so, als Berlinerin, habe die Piraten nicht gewählt. Piraten fand‘ ich immer doof – bei einer Indianerpartei würde ich wahrscheinlich schwach werden und die Walküren-Partei würde mich wahrscheinlich sogar als Mitglied erleben – wehrhafte Weiber, weltoffen, wild, wagemutig! Aber nur wenn auch Jungs mitspielen dürfen!
    Und geh‘ mir weg mit Glitzer-Prinzessin-Zeug!!!
    LG aus Berlin!

  14. Pingback: Neunnachneun « Ansichten aus dem Millionendorf
  15. Heiei Isa, das mit dem Gründen lass mal! Hab ich schon vor langem über Facebook gemacht, mit Glitzer und allem. Beweisen kann ichs jetzt halt gerade nicht weil ich nämlich seit 48 Stunden meinen FB-Account stillgelegt habe und ganz, ganz stark bin und garnix rückgängig mache. Wann soll man sonst regieren und Blogs lesen und all das. Willst du unsere Ehrenbloggerin sein? Michaela von Aichberger malt die Wahlplakate, hier: ich bei Arbeit. http://www.michaela-von-aichberger.de/category/illustration/page/13/

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