Woanders

Isa hat wieder Sachen gemacht und natürlich im Culturmag darüber geschrieben. Die Herzdame und ich haben dabei mitgemacht, deswegen muss ich nicht selbst darüber schreiben – bitte einfach hier entlang. (Aber erzählen Sie es nicht den Söhnen, was sie da lesen werden)

Peter Praschl schreibt einen lesenswerten Text mit dem denkwürdigen Titel „Meine Frau. Das Arschloch.“ Auch das kann ich sehr empfehlen. Bitte hier entlang.

8 Kommentare

  1. Beides gelesen und bedanke mich für beide Hinweise. Mir ist ein bisschen schwummerig geworden bei dem Stunt der Herzdame und bin froh, dass alles wieder gut ist (ist es doch, oder???).

    Peter Praschl schreibt prima, ich hab seine Glossen mit Meike Winnemuth früher sehr gerne gelesen und ihn dann noch eine Weile solo lesend verfolgt. Der Arschloch-Artikel ist klasse. Ich mag auch den über das Vaterwerden mit 50.

  2. Ich gebe zu, den taz-Artikel (der ja eigentlich nur der Vorabdruck eines Buchausschnitts war (Prosa? Fiktiv?), habe ich mit weitaus mehr Vergnügen gelesen als das humorbefreite mimimi von Herrn Praschl. Und dabei kenne ich den Prenzlauer Berg nur vom Hörensagen, aber habe die Umwandlung Hamburg-Ottensens vom linksalternativen Arbeiter- und Studentenviertel ins gentrifizierte Latte Macchiato Paradies live miterlebt. Und wo früher 2CVs und Fahrräder parkten, stehen jetzt Geländewagen, gerne auch mal auf beiden Seiten der kleinen, engen, kopfsteingepflasterten Gassen. Die paar Cafés, die noch keiner Balzac-Starbucks-Whatever Kette angehören und vielleicht seit Jahrzehnten am Ort, müssen jetzt klaglos fünf Kinderwagen reinlassen, auch wenn dafür kein Platz ist. Andernfalls wird von Diskriminierung gefaselt und lautstark mit Boykott gedroht. Früher gab’s mehr Kinder, und niemand hatte ein Problem damit, den Wagen draussen vorm Café stehen zu lassen, warum auch? Aber das geht heute natürlich nicht mehr. Natürlich? Wieso eigentlich nicht? Wer Angst hat, daß das Teil geklaut wird,soll’s halt anschliessen, wie die Radfahrer das ja auch machen. Die würden ihre Fixies ja auch gerne mit ins Caf? nehmen, aber da ist ja schon alles voll mit Kinderwagen.

    Nee, man kann nicht alles haben wollen, bzw. meinetwegen, aber dann nicht rumheulen, wenn andere das affig finden und laut anprangern: Coole Szeneviertel mit alternativen und angeschmuddelten Stadtteilkulturen „so total anders und so total toll, und so billig!“ finden und dann dort seinen Spießertraum ausleben wollen und den Zoo möglichst geräusch- und geruchslos von den Penthouse-Dachterasse goutieren. Das ist, als imitiere man den gerade angesagten Look der Punks mit Vivienne Westwood Kilts und Platinsicherheitsnadel im Ohr und der Iro kommt von Marlis Möller. Dann zieht doch bitte gleich zwei Meter weiter westwärts nach Othmarschen, tauscht den Iro gegen einen braven Bob und zieht die Sicherheitsnadel durch den Ladage & Oelke Kilt.

  3. „Bei dem Thema Gentrification wird gerne vergessen, dass diejenigen, die in der Lage sind, es zu benennen, in aller Regel Teil des Problems sind. Das erklärt sehr vieles, finde ich.“

    Ich glaube, das ist das Klügste, was je zu dem Thema gesagt wurde.

  4. Ich denke, das ist mit das Dümmste, was zu dem Thema je gesagt wurde. Malganz abgesehen davon, daß ich das Thema und den Begriff vor ca. 28 Jahren schon in der Schule im Gemeinschaftskundeunterricht durchgenommen habe: Manche Dinge und Worte lernt man als Betroffener halt auf die harte Tour. „Friendly Fire“ zum Beispiel, ist auch so eines.

    Ich habe in Ottensen gewohnt, so lange ich es mir leisten konnte und bin dann vor der nächsten Mieterhöhung auf 1200,- € warm für 55 qm in einen weniger szenigen Stadtteil geflüchtet.

  5. Ich kann natürlich nur für mich srechen, und ich habe null Probleme mit Kindern, im Gegenteil. Ich liebe Kinder und komme ausgezeichnet mit ihnen aus (vielleicht auch, weil ich oft konsequenter und damit berechenbarer bin als ihre Eltern. Meinen Beobachtungen nach lieben die meisten Kinder Berechenbarkeit.). Sie stören mich nicht, warum auch? Die Ablehnung stillender Mütter finde ich absurd, gerade im Restaurant oder Café – also, wenn man dort keine Nahrung zu sich nehmen darf, wo dann? Auch gefallen mir die Namen Marie oder Otto fraglos besser als Kevin und Schackeline.

    Aber mir gehen diese Eltern auf die Naht, die ihre Kinder quasi als Waffe gegen ihre Umgebung benutzen. Sie fühlen sich moralisch überlegen, weil sie Kinder haben, da geht’s ja schon mal los. Als ob das besondere Intelligenz erforderte oder eine besondere Leistung wäre, welche in die Welt zu setzen. Aber diese Glasglocke unter der sie ihre Kinder gerne groß ziehen möchten, bzw. das Podest, auf das sie sie gern stellen möchten, das ist krank in meinen Augen. Kinder immer und überall zuerst? Nur, so lange sie wirklich noch Babies sind, und 100% Schutzbedürfnis haben. Aber schon Kleinkinder können und wollen in gewissem Umfang auf eigenen Füßen stehen und können sehr wohl oft zwischen richtig und falsch unterscheiden. Beispiel: Kinder dürfen nicht von mir im Café kritisiert werden, wenn sie sich daneben benehmen und das genau wissen? Ich muß mich von den kleinen gelangweilten Prinzen klaglos mit Essen bewerfen lassen und von den angestrengt woanders hinsehenden Müttern nach meiner Ermahnung auch noch runterputzen lassen? Bullshit.

    Ich habe noch gut die Aussage einer KiTa-Leiterin im Ohr, die mir sagte: „Das Anstrengende sind nicht die Kinder. Die Kinder sind Kinder und benehmen sich eben altersgerecht. Die Eltern verursachen den Streß. Ein Elternabend ist anstrengender als ein Monat mit ihren Kleinen.“

    Es ist eine ganz besondere Spezies Leute im Alter von 30-45, die ein irres Gedöns um ihre Blagen machen. Ob sie denen damit einen Gefallen tun, wird sich zeigen. Aber bis dahin mache ich mich über sie lustig.

  6. „Bei dem Thema Gentrification…“ ja da stimme ich dem Verfasser und JoSchu voll zu. Kam soeben aus dem Urlaub und sowohl bei Hin- wie Rückflug ins bzw. aus dem 17.ten Bundesland könnte ein „PrenzlauerAverhalten“ bei entsprechender Vorprägung und selektiver Wahrnehmung festgestellt werden. Also, Prenzlau ist überall.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.