Normal

Ich bringe die Söhne ins Bett. Ich sitze auf der Bettkante, ein Kind links von mir, ein Kind rechts von mir. Die Kinder sind weit über der Zeit und quengelig, ich möchte eigentlich dringend meine Ruhe haben. Sohn I möchte aber noch mit mir reden, und Sohn II möchte das auch, zumindest wenn er nicht gerade mit seiner Puppe spricht, der er sehr viel vom Tag erzählen muss. Sie reden also beide auf mich ein, zeitgleich und über verschiedene Themen. Die Sätze der beiden Jungs treffen sich in meinem Kopf und ergeben ein seltsames Ganzes, in dem es um Entchen, Tannenbäume, Rentiere, Bananen und Kuhställe geht. Und um Bärte, die man später mal haben kann. Und um Piraten, man darf um Gottes willen nie die Piraten vergessen. Ich werfe links und rechts gelegentlich ein paar Antworten ein, währenddessen lese ich in der Mitte Kempowski und beantworte nebenbei noch die Fragen der Herzdame, die gerade die Wohnung aufräumt und mich nach dem Verbleib von irgendwelchen Dingen fragt. Dabei streichel ich links ein Bein und rechts einen Bauch, während ich mit den Füssen die abgelegte Wäsche der Kinder vom Bettrand Richtung Tür schiebe, um sie später in die Waschmaschine zu werfen. Da in den endlosen Redeströmen beider Söhne regelmäßig das Wort „Lied“ vorkam, fange ich irgendwann noch an „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen.

Und Ihr glaubt es sei Multitasking, wenn Ihr Powerpoint und den Browser gleichzeitig aufhabt.

9 Kommentare

  1. Hier, zwinkerzwinker, ne? Ich hab gerade mein erstes E-Book gekauft, und da steht vorne drin, noch bevor es losgeht:

    Niemand konnte ein Publikum so in Bann schlagen wie Großvater, wenn er mit dem Pfriem im Mund und leicht auf seinen Stock gestützt auf seiner Holzbank saß.
    „Ja, aber … ist das denn wirklich wahr, Opa?“, fragten wir Enkel dann immer ganz hingerissen.
    „Wenn ein’n man jümmers bloß de Wohrheit vertellt, dann is dat de Tid nich wert, dat je em tohört“, antwortete Großvater.
    Dieses Buch ist ihm gewidmet.

    Jonas Jonasson (Wibke Kuhn): „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand.“

  2. Das lässt den Schluss zu, dass die Fähigkeit zum sogenannten Multitasking vielleicht doch nicht Frauen angeboren ist und Männern fehlt, sondern dass es die sozialen An-Forderungen sind, die dafür sorgen, dass wir zwangsläufig multitasking (oder: abgelenkt und unkonzentriert?) sind oder nicht.

  3. …es ist doch aber auch kein Multitasking, wenn man von links und rechts nur Worte aufschnappt, deren Sinn aber nicht versteht oder alles im Kopf vermischt?

  4. Ach Herr Buddenbohm, wie man sieht, ist es schier unmöglich alle Wünsche zu bedienen, da wie dort. Bleiben Sie einfach allem gewogen, mehr kann man nicht tun!

  5. Ohne Kinder gibt’s meist nur Much- oder Manytasking, mit Kindern fast nur noch Multitasking. Das versteht man erst, wenn man mal ein ganzes Wochenende Babysitter war. Wenn ich das damals gewusst hätte, bevor…., wer weiß ob….

  6. Da lernse watt für die Zukunft.
    Die Eltern: wie man die immer drängenderen Wünsche der Kinder erfolgreich durcheinanderwirbelt.
    Die Kinder: Dass Erwachsene nie zuhören, und sie das vielleicht schnellstmöglich auch lernen wollen.

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