So

So, ich bin vorbereitet. Obwohl man ja als nahezu immer online lebender Mensch eigentlich gar keine Kochbücher mehr braucht. Zum einen sind Apps viel praktischer, zum anderen reicht es auch vollkommen aus, wenn man auf Twitter, Facebook, Google Plus oder wo auch immer leise etwas wie „Okra, nanu?“  oder „was ist das denn“ murmelt und ein Handyfoto dazu hochlädt – schon kommen rudelweise Foodblogger herangeschossen, deren Existenz man vorher gar nicht wahrgenommen hat, und überhäufen einen mit Texten zur Warenkunde, Rezepttipps, Fotos von zufällig bei ihnen gerade zubereiteten Gerichten mit dem Zeug und kampflustig vorgetragenen Grundsatzaussagen zum  jeweiligen Kraut à la „Stängelkohl gehört auf den Kompost, nicht auf den Tisch!“ Und während man sich als tendenziell ratloser und überforderter Nichtprofikoch noch amüsiert durch die Rezepte klickt, welche die Foodblogger als pappeinfach bezeichnet haben, obwohl man cirka 20 Zutaten dafür braucht, für die man in vier Läden gehen müsste, um dann daran zu scheitern, dass man gar keinen Schnellkochtopf hat, oder keinen Bunsenbrenner oder was auch immer, wo war ich, ach ja, währenddessen fangen die Foodblogger an, sich im gewählten Medium über korrekte Zubereitungsmethoden zu befehden, dass die Fetzen fliegen. Es sind seltsame, aber liebenswerte Menschen, die Foodblogger.  Sie erinnern ein wenig an Fische in Aquarien, die werden auch immer so aufgeregt, wenn man mit Futter kommt.

Und ich geh jetzt erst einmal lesen. Meinetwegen müssten dieses Jahr keine neuen Kochbücher mehr erscheinen, glaube ich.

 

17 Kommentare

  1. Auch ganz, ganz toll:
    – „Alte Gemüsesorten – neu gekocht“ von Keda Black, AT-Verlag, ISBN 3038005924,
    – „Biokisten Kochbuch“ von Cornelia Schinharl, Kosmos, ISBN 3440122484
    und
    – „La Cucina Verde“ von Carlo Bernasconi und Larissa Bertonasco, Jacoby & Stuart (gibt’s aber auch bei der Büchergilde Gutenberg), ISBN 3941087797.

    Alle schon erschienen! 🙂

  2. darf ich noch ein paar (eh schon erschienene…) ergänzen?
    reihenfolge zufällig:

    alfred biolek/eckart witzigmann: unser kochbuch (mag ich sehr, nicht unaufwändig)
    carlo bernasconi: la cucina verde (charmantes, gutes buch mit wirklich einfachen rezepten)
    ursula ferrigno: vegitalia (klassiker von einer sehr guten kochbuchautorin)
    celia brooks brown: vegetarisch kochen (aus aller welt, nach kontinenten sortiert, sehr gute und gut erklärte rezepte)

    von den fotografierten finde ich die vegetarian basics und ottolenghi (gefährlich, viele zutaten ;-)) gut, jaffrey auch, aber von den „weltumspannenden“ sagt mir celia brooks brown irgendwie mehr zu.

  3. oh-oh – ich könnte auch noch ein paar dazu schreiben. Das lass ich mal lieber. Richtig großes Kino sind sowieso nur die Uralt-Kochbücher, z.B. von Bircher-Benner. Damit musste ich vor 27 Jahren einsteigen – heute würde man potenzielle Umsteiger/innen damit wahrscheinlich komplett vergraulen.

  4. Da sagt nur einer Foodblogger und schon kommen sie aus allen Löchern. 😉 Aber brav, dass der Ottolenghi trotz lilapuffcover und unsäglichem deutschen Titel es auf den Stapel geschafft hat. Ich geb lieber auch keine Tips um den Geldbeutel zu schonen.

    @Kommentator: Ich nehm dann lieber nen Salat …

  5. Ich möchte auch ein Rezept empfehlen:

    Eine Dose „vegetarische Ravioli“ im Einzelhandel erwerben und zuhause öffnen, den Inhalt in ein kleines Kochgefäß umtopfen und bei mittlerer Hitze erwärmen, dabei gelegentlich umrühren und vor dem Servieren mit einigen Schnitzen vom Hartkäse, alternativ einer von Hand gestückelten Scheibe Gouda, dekorieren.

    Leute… Wollt Ihr zum Mond fliegen, oder wollt Ihr kochen?

    Vegetarisches Kochen ist keine Wissenschaft, sondern hat die Komplexität von Babybreiherstellung. Habt Ihr Eure Kleinkinder mit Nackensteaks über die Runden gebracht? Ich hoffe nicht.

  6. Sieht nach einem vernünftigen Grundstock aus…räusper….

    Um auch noch meinen Senf dazuzugeben:
    Ich kann aus dem VegetarianBasics die Spinat-Lasagne und die Bärlauch-Spätzle empfehlen!
    Und aus dem „Großen Buch der Vegetarischen Küche“ den Spinat-Nudelsalat mit getrockneten Tomaten und Pinienkernen, yammy!

    Na dann, fröhliches Kochen! 😉

  7. ach, einen tip geb ich doch: die neue vegetarische küche von maria elia. wurde letztes jahr in den foodblogs hoch und runter gekocht, mein persönlicher favorit daraus ist tomaten-feta-baklava. so 🙂

  8. Aus dem Ottolenghi das einzige Rosenkohlrezept kochen und staunen. Das war das leckerste, was ich seit langem gegessen habe, und dabei mag ich gar keinen Rosenkohl.

  9. Vegitalia, das Katha empfohlen hat, kann ich auch wärmstens ans Herz legen. Kind 4 ist seit 4 Jahren Vegetarier und auch die fleischfressenden Teenie-Jungs essen die daraus nachgekochten Gerichte wirklich gerne. Ist auch für Nicht-Kochprofis durchaus machbar.

    Falls noch nicht entdeckt:
    http://zum-gemueseregal.blogspot.com/
    http://vegetarian-diaries.blogspot.com/

    Und auf jeden Fall empfehlenswert die Rezeptsuche bei foolforfood.de (Kästchen oberhalb der „Kategorien“)

  10. Ach, wo bleibt denn der Spass bei den ganzen wichtigen Büchern mit ihren noch wichtigeren Tabellen.

    Meine Frau hat eine Zeit lang kein Fleisch vertragen und da habe ich mich zum Sympathisanten erklärt.

    Am meisten Spass gemacht haben die Rezepte, die nicht versuchten, ein fleischhaltiges Gericht vegetarisch nachzuahmen.

    Daher möchte ich die Ox-Kochbücher empfehlen – http://www.ox-fanzine.de/web/kochbuecher.247.html – ich sehe gerade, dass es Band 4 gibt, den muss ich mir (trotz, dass ich Aasfresser bin) gleich bestellen.

    Viel Spass und guten Appetit!

  11. Wir haben seit ungefähr 6 Monaten das wohl teuerste und dickste Kochbuch aller Zeiten im Haus… Es handelt sich dabei um Modernist Cuisine.
    http://modernistcuisine.com/

    Wie im Artikel angesprochen benötigt man dafür jede Menge exotischster Zutaten sowie Geräte, die pro Stück noch mehr als die schon teuren 6 Kochbücher kosten.

    Die Bilder in den Büchern sind aber alleine schon ihr Geld wert. Wer sich für Fotografie interessiert, dem werden die Bücher gefallen, selbst wenn er überhaupt nicht gerne kocht.

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