Taktisches Essen

In den meisten vegetarischen Kochbüchern und Rezeptsammlungen, erst recht in den veganen, findet man seitenlange Hinweise und Regelsammlungen, die einem verdeutlichen sollen, wie man mit der Auswahl der Zutaten zu bestmöglichen Ergebnis nicht nur für den Geschmack, sondern auch für die Gesundheit kommt. Kombinationsmodelle von Nährstoffgruppen, die an Lehrtafeln zur Mengenlehre erinnern, Auflistungen von  Vitaminen und Spurenelementen, die an das Biobuch aus der Oberstufe damals erinnern. Nach einmaliger Lektüre hat man von all den Hinweisen nichts behalten, täglich nachlesen kommt natürlich nicht in Frage, die Theorie bleibt also erst einmal Theorie.  Aber wenn man dann selber loskocht, dann kommt man doch sehr schnell darauf, wie man mit der geschickten Auswahl von Zutaten wirklich unglaubliche Ergebnisse erreicht.

Ich habe zum Beispiel gestern Rosenkohl mit Knoblauch im Ofen gemacht, eine Idee, auf die ich noch nie vorher gekommen war. Sohn I hat bei Erwähnung der Zutaten sofort beschlossen, sich bei den benachbarten Eltern nach dem dortigen Speiseplan für den Abend zu erkundigen und die Wohnung fluchtartig zu verlassen, Sohn II folgte ihm kopfschüttelnd. Die Herzdame verkündete, den Kindern dringend nachgehen zu müssen, während der Knoblauchduft aus dem Ofen schon balkanmässig schwer durch die ganze Wohnung waberte. So hatte ich ein hervorragendes Abendessen, eine vollkommen ungewohnt ruhige Wohnung und ganz unerwartet entspannte Zeit, um mich stundenlang in die Arbeit zu vertiefen. Kein Kind zog an mir, keine Herzdame wollte etwas besprechen. Keine nervtötende Kindermusik mit debilen Refrains plärrte aus der Anlage, keine ferngesteuerten Autos fuhren gegen meinen Schreibtisch.  Die Familie kam erst spät zurück, nachdem man allgemein annahm, der Duft müsse wieder verflogen sein.

Es ist wirklich wahr, was in den Büchern steht! Wenn man nur alles richtig kombiniert, hat man von der vegetarischen Ernährung lauter Vorteile, mit denen man vorher gar nicht gerechnet hat. Ich bin begeistert.

(Rezept hier)

 

21 Kommentare

  1. Ich finde ja sehr schade, dass Sie – wie auf meine diesbezügliche Anfrage schon einmal angemerkt – in Hamburg über keine Märkte wie wir hier in Wien verfügen (Stichwort „Naschmarkt“), denn vieles ergibt sich bei solchen Märkten schier von selber: Gemüse goutieren, Gewürze goutieren, zu Hause kombinieren, experimentieren, genießen. Übrigens werden Sie sehr wahrscheinlich demnächst bemerken, dass sich Ihr Geschmacks- und Geruchssinn verfeinert, eine ebenfalls äußerst angenehme Nebenwirkung (vorwiegend) vegetarischer Ernährung.

    Mein Tipp bezieht sich nicht auf ein Kochbuch, sondern auf eine vielseitige orientalische Gewürzmischung, die sich auch für die vegatarische Küche eignet und als „Ras el-Hanout“ bezeichnet wird.

  2. Verehrte Frau Walküre, auch wenn wir windumtosten und wundersamen Nordlichter selbstredend unfähig sind auch nur annähernd mit dem Markt aller Märkte zu konkurrieren, haben wir doch ein paar ausnehmend schöne Exemplare, insbesondere wären da der Isemarkt und der Markt auf dem Spritzenplatz zu nennen – vielleicht kommen Sie uns einmal besuchen? 🙂 Von Ras-el-Hanout hat man hier durchaus auch schon gehört. Was die Verfeinerung des Geschmackssinnes angeht, muss ich als langjährige und nunmehr Ex-Vegetarierin allerdings widersprechen.. das hat etwas damit zu tun _überhaupt_ selbst zu kochen und zu würzen…

  3. E.v.Hirschhausen bemerkt sehr klug: „Lache und die Welt lacht mit dir, schnarche, und du schläfst allein.“
    Das könnte ich jetzt fortsetzen: „Iss Knoblauch vor einer geplanten Bahnfahrt in vollen Zügen und du hast ein Abteil für dich allein.“
    Wie immer: Köstlich.

  4. Ich würde auch die Flucht ergreifen bei solch einem Anblick… Hat’s dem Rest der Familie bei McDonalds geschmeckt? 😉

  5. Das Rezept werd ich unbedingt ausprobieren. Ich liebe Rosenkohl, ich liebe Knoblauch, aber die Kombination aus beidem hatte ich jetzt noch nicht.

    Ich habe mir erlaubt diesen herrlichen Blogpost über Twitter weiterzuverbreiten.

  6. Ich werfe dann nochmal den Goldbekmarkt mit auf die Liste der wunderbaren Hamburger Wochenmärkte.

    Das Rezept klingt gut. Wird ausprobiert und bestimmt noch mit gerösteten Pinienkernen verfeinert…
    Rosenkohl-Quiche ist übrigens auch unbedingt empfehlenswert. (Allerdings wird sie auch von Kindern gerne gegessen…)

  7. Tolles Rezept und gute Idee, aber das Rezept würde bei unserem 4 jährigen vermutlich nicht wirken. Er steht auf Rosenkohl, auf Knoblauch erst recht und wenn dann noch die Pinienkerne von Charlottchen dazu kommen, besteht die Gefahr, dass die Eltern gar nichts abbkommen. Wenn man dann noch weiß, dass meine Herzdame ein Rosenkohlfan ist, sehe ich mich selbst endgültig hungern. Zumindest, wenn man die im Rezept angegeben Mengen nutzt. Da meine Herzdame aber aus einer Großfamilie stammt und die Essensrationen nicht an unser Kleinfamilie anpassen kann, habe ich noch Hoffnung.

    Ich muss Walküre zustimmen, solchen Rezepten kann Ras el-Hanout gut tun.

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